International erfolgreich waren Sportler aus der Region 2015: LAZ-Stabhochspringer Raphael Holzdeppe feierte sein Comeback, gewann WM-Silber, Speerwerferin Christin Hussong Gold bei der U23-EM. Einen Traum erfüllten sich Triathlet Jan Frodeno und Motorsportler Timo Bernhard.

Aus einem tiefen Loch wieder ganz hoch hinaus gearbeitet. Dieser Schritt ist Stabhochspringer Raphael Holzdeppe vom LAZ Zweibrücken gelungen. Nach einem Jahr voller Tiefen kämpfte sich der 26-Jährige mit intensivem Training und harter Arbeit mit Trainer Andrei Tivontchik zurück in die Weltspitze. Noch Anfang des Jahres sieht es danach kein bisschen aus – gut eineinhalb Jahre nach seinem großen Triumph mit dem WM-Titel von Moskau. Es ist ein harter Winter. Zu sechs Wettkämpfen angereist kehrt Holzdeppe lediglich von zweien mit einer gültigen Höhe zurück. Der Weltmeister hat das Gefühl fürs Springen verloren. Der Rückstand zur Elite scheint riesig. Doch Aufgeben kommt für den Zweibrücker nicht in Frage. Der Knoten platzt im Juni bei der Team-EM in Russland mit einem Sprung über 5,85 Meter, nur sechs Zentimeter unter seiner Bestmarke. Ein großer Schritt für das angekratzte Selbstbewusstsein. Nur wenige Tage später bestätigt er seine Form in Baku mit neuer Bestleistung von 5,92 Metern, schraubt sich beim ersten DM-Sieg in Nürnberg noch höher hinaus auf 5,94. Plötzlich ist Holzdeppe zurück auf der ganz großen Bühne. Genau zum richtigen Zeitpunkt vor der WM in Peking (China). Dort ist der alte Holzdeppe zu sehen – in gewohnt lässiger Manier, abgezockt, ganz so, als hätte es das Seuchenjahr 2014 nie gegeben, bietet er der Konkurrenz die Stirn und beweist absolute Nervenstärke: Vor dem Aus stehend, meistert Holzdeppe die 5,90 im dritten Anlauf, lässt Favorit Renaud Lavillenie (5,80m, Frankreich) hinter sich. Zwar geht der Titel an den Kanadier Shawn Barber, doch die Silbermedaille vom 24. August im Vogelnest von Peking fühlt sich für Holzdeppe an wie ein ganz großer Sieg. Allen, die ihn bereits abgeschrieben haben, hat er gezeigt, das sie ihn immer auf der Rechnung haben müssen. Auch bei Olympia 2016 in Rio de Janeiro (Brasilien).

Um ein Ticket für Rio kämpft auch LAZ-Speerwerferin Christin Hussong. Berechtigte Hoffnungen darauf darf sich die erst 21-Jährige nach ihrem erfolgreichen Jahr durchaus machen. Im Handumdrehen gelingt ihr der Übergang vom Juniorenin den Aktivenbereich. Konstant bei Würfen über 60 Meter, katapultiert die Herschbergerin ihren Speer in Tallinn auf die auch für sie selbst unglaubliche Weite von 65,60 Metern – und sich selbst damit mitten hinein in die Weltspitze. Die Weite bedeutet für Hussong, die von ihrem Vater Udo Hussong trainiert wird, nicht nur den souveränen Sieg bei der U23-EM, sondern auch den Sprung auf Platz fünf in der Weltjahresbestenliste. Hoch dekorierte Werferinnen wie die zweimalige Olympiasiegerin Barbora Spotakova (Tschechien; 64,42 m), Weltmeisterin Christina Obergföll (Offenburg; 63,07 m) und Ex-Europameisterin Linda Stahl (Leverkusen; 62,88 m) überflügelt Hussong. Der Weg zur ersten Aktiven-WM ist frei. In Peking wird die Konkurrenz spätestens nach der Quali aufmerksam, als sie alle überflügelt, im Finale schafft sie es hinter Weltmeisterin Katharina Molitor auf Rang sechs (62,98 m). „Was will man mehr“, sagt sie gewont lächelnd.

Auf einer Stufe mit den Allergrößten, die der deutsche Sport je hervorgebracht hat, steht seit 2015 Jan Frodeno. Als erster Triathlet überhaupt wird der 34-Jährige zum „Sportler des Jahres“ gekürt. Als erster Sportler aus dem Saarland seit Helga Bühler-Hoffmann 1966. Die Krönung eines „Wahnsinnsjahres“. Sieben Jahre nach seinem Olympiasieg von Peking gewinnt Frodeno im Juli die EM in Frankfurt und im Oktober den WM-Titel beim legendären Ironman auf Hawaii. Es gehört zu den bemerkenswertesten Aussagen des Abends in Baden-Baden, dass Frodeno ans Beine Hochlegen dennoch keinen Gedanken verschwendet. Im Gegenteil, „Frodo“ bleibt hungrig. Nimmersatt. „Ich bin extrem motiviert und habe viele Ziele. Der Weltrekord, die Acht-Stunden-Marke auf Hawaii, verschiedene Siegesserien – es gibt einiges, worauf ich richtig Bock habe.“

Auch für Timo Bernhard geht in diesem Jahr ein Traum in Erfüllung. Der Homburger Porsche-Pilot sichert sich den Titel in der Sportwagen-Weltmeisterschaft WEC. Es ist der erste WM-Triumph eines Saarländers im Motorsport seit dem von Bernd Schneider 1998. Dabei läuft zu Saisonbeginn alles gegen Bernhard: Zum Auftakt stoppt ein Getriebeschaden den Porsche 919 Hybrid, beim zweiten Lauf wirft ihn ein defekter Dämpfer zurück, beim Saison-Höhepunkt in Le Mans unterläuft Teamkollege Brendon Hartley ein Fehler, der den Sieg kostet. Dann aber biegt Bernhard beim Heimspiel auf dem Nürburgring eindrucksvoll auf die Siegerstraße ein: Vier Mal in Folge fahren er und seine Teamkollegen Hartley und Mark Webber als Erste ins Ziel. Eine Siegesserie, wie sie die Langstrecken-WM noch nicht gesehen hat. Doch Bernhard muss bis zur letzten Sekunde zittern. Beim Finale in Bahrain sorgt ein kleines Elektronikteil für Ärger. Das Auto ruckelt über die Ziellinie – bleibt auf der Auslaufrunde liegen. Doch es reicht zum Titel. „Dieses Jahr war einfach ein Traum“, sagt Bernhard. Ein Ziel für 2016 hat er aber noch: „Ich will mit Porsche Le Mans gewinnen.“

Zugehörige Wettkämpfe

Datum Name Ort
22.–30.08.2015 Weltmeisterschaften 2015 Peking (China)
05.–21.08.2016 Olympische Sommerspiele 2016 Rio de Janeiro (Brasilien)