Landau. Im pfälzischen Sport- und Kulturgeschehen weitgehend in Vergessenheit geraten ist ein Pfälzer, der vor langer Zeit auf beiden Gebieten in Deutschland bekannt war: Karl Peter Gillmann, Leichtathlet, Schauspieler, Drehbuchautor und Filmregisseur.

Erstmals über die Pfalz hinaus einen Namen machte sich der am 3. Dezember 1900 in Landau geborene Sohn des Werkmeisters Karl Gillmann und dessen Frau Catharina als Leichtathlet: Am 21. August 1921 wurde der in Albersweiler und Landau aufgewachsene Gillmann in Hamburg mit 16,4 Sekunden Deutscher Meister über 100-m-Hürden. Allerdings nicht für einen Landauer Verein, sondern für BSC München-Sendling. Dorthin war der ehemalige Zögling der Landauer Königlichen Realschule 1921 gezogen, so berichtet es „Leichtathletik in der Pfalz“ aus der Feder von Karl Theodor Thelen.

Aus nicht mehr nachvollziehbarem Grund war Karl Peter Gillmann ab 1919 ein Jahr lang für die Vereine Pfalz und TV Ludwigshafen gestartet, und zwar zunächst als Hochund Weitspringer. In diesen Disziplinen belegte er bei den in Ludwigshafen ausgetragenen „Meisterschaften für die besetzten Gebiete“ jeweils den dritten Platz. 1920 wurde er Weitsprung-Meister der Rhein-Main-Saar-Titelkämpfe. Im Juni 1921, zwei Monate vor seinem meisterlichen Hürdensprint von Hamburg, sprang er in Augsburg respektable 6,88 m weit.

Nach seiner Zeit beim BSC München-Sendling startete Gillmann für den TV München-Sendling, zog 1928 nach Berlin um und kehrte 1932 nach München zurück. In beiden Städten machte er sich einen Namen auf dem Filmsektor. Nach seiner Schauspieler-Zeit (1924 „Das Rennen des Todes“, 1929 „Das Schweigen im Walde“) war Gillmann zwischen 1931 und 1960 als Drehbuch-Autor, Szenebildner und Regisseur an 20 filmischen Produktionen beteiligt, zeitweise in Zusammenarbeit mit dem bekannten Regiekollegen Curt Goetz.

So entstanden mit Gillmanns Hilfe 1935 „Liselotte von der Pfalz“, 1938 „Napoleon war an allem schuld“ (diesen Film verboten die Nazis), 1939 „Paradies der Junggesellen“, 1950 „Frauenarzt Dr. Prätorius“, 1951 „Heidelberger Romanze“. Der Landauer starb am 19. Januar 1963 in München. Zur pfälzischen Zeit Gillmanns warteten die anfänglich an Fußballer und Turner „gekoppelten“ Leichtathleten auch mit Disziplinen auf, die heute sonderbar anmuten. Da wurden Meister ermittelt im Dreibeinlauf (die Sportler banden je ein Bein aneinander), im Fußball-Weitstoß (wobei das Leder oft jenseits der 90m-Marke niederging), im Fußball-Zweikampf (Duelle über zweimal fünf Minuten), im Weitsprung aus dem Stand (erreicht wurden an die 2,80 m), im Steinstoßen (33 1/3 kg schwer), im Dreikampf für Junioren (100 m, Weitsprung mit Anlauf, Schleuderballwerfen) und für Senioren (200 m, Diskuswerfen, Dreisprung mit Anlauf), im 600 m Eilbotenlauf, im Fünfkampf (Reihenfolge: Hochsprung, Steinstoßen, Kugelschocken = die Kugel wird seitlich am Körper vorbeigeschwungen und geworfen, 100 m und eine Turn-Freiübung). In Anlehnung an Olympia wurden diese Wettkämpfe wie 1902 und 1909 in Frankenthal, 1906 in Landau, 1911 in Zweibrücken, 1913 in Pirmasens und 1919 in Ludwigshafen als „Olympische Spiele“ angekündigt.