Vor zehn Jahren veränderte der simple Satz „Just setting up my twittr“(richte gerade mein Twitter ein) die weltweite Kommunikation. Nachrichten sind über den Dienst Twitter (zu Deutsch etwa zwitschern)seither überall und jederzeit im Internet absetzbar und – das Markenzeichen von Twitter– auf 140 Zeichen beschränkt. Doch wer nutzt den Dienst in Zweibrücken?

Seit zehn Jahren erlaubt der Dienst nun die Teilnahme an besonderen oder auch besonders trivialen Momenten und Ereignissen der Weltgeschichte. Twitter wimmelt von Leuten, die unter Pseudonymen ohne Herkunftsangabe Nachrichten veröffentlichen. Oder sie posten (bedeutet ebenfalls veröffentlichen) unter ihrem Namen, sagen aber nicht, woher sie kommen. Auch wenn sich bestimmt Zweibrücker unter den Verfassern tummeln, lassen sie sich nur schwer finden, weil sie sich nicht als Zweibrücker zu erkennengeben.

Der Ausflug in die Zweibrücker Twitterlandschaft beginnt mit dem Suchbegriff „Zweibrücken“ und liefert eine Hand voll Treffer. Das Leichtathletikzentrum Zweibrücken, der SVN Zweibrücken, die Volkshochschule, die FDP, das Eishockeyteam der Hornets, der Handballsportverein SV 64,das Radio Antenne Zweibrücken, die örtliche Feuerwehr und das Hofenfels-Gymnasium lassen sich so finden. Aber viel zu sagen haben sie alle nicht so recht. Nur das LAZ, der SVN und das Hofenfels-Gymnasium sind mit mehr als 300 Tweets (Beiträgen) wirklich aktiv. Feuerwehr, VHS und Hornets haben schon länger nichts mehr getwittert(Nachrichten veröffentlicht).

Über die angegebenen Follower (Leute, die den Beiträgen eines Nutzers folgen) und einige weitere Suchbegriffe wie „Südwestpfalz“ geht die Suche weiter und nach und nach kommen weitere Twitter-Nutzer aus der Stadt ans Tageslicht. Die Style Outlets twittern, die Sparkasse Südwestpfalz, die Piratenpartei und das Infoportal „WIRinZW“ ebenso – die drei letztgenannten aber eher mäßig. Auch die beiden großen städtischen Zeitungen twittern, die RHEINPFALZ allerdings vom Verlagsstandort Ludwigshafen aus. Hier sind jetzt erstmals auch Tweetzahlen im Bereich von mehreren Tausend. Fast schon suchen muss man dagegen die Polizei, die zwar auch twittert, aber von Pirmasens und Kaiserslautern aus.

Doch was ist mit Privatpersonen? Auf Anhieb gehen mit wenig Aufwand nur Raphael Holzdeppe und die Hochzeitssängerin Kathleen Mayer ins Netz.Beide haben mehrere Tausend Tweets und mehrere hundert Follower. Ansonsten: Fehlanzeige oder es sind kaum Zweibrücker identifizierbar. Aber es gibt einen Hund namens Ben Joe, der über Gott und die Welt twittert, auf über 600 Tweets kommt und immerhin 34 Follower hat.

Auch die örtliche Industrie ist praktisch nicht zu finden. Für John Deere twittert der Hauptsitz in den Vereinigten Staaten. Terex sucht man vergebens, die Firma taucht nur in Beiträgen auf. Ohne genauen Suchbegriff ist hier offenbar kein Land in Sicht.

Nach zwei Stunden Twitter ist das Fazit eindeutig: Wirklich genutzt wird der Dienst von Behörden auf Landesebene, Landesparteien, einigen Vereinen und den Medien. Sie nutzen Twitter für kurze Stellungnahmen und um untereinander auf dem Laufenden zu bleiben. So finden sich unter den Followern der Polizei zwangsläufig viele Journalisten. Den Seiten von Merkur und RHEINPFALZ folgen andere Nachrichtenportale. Bei Holzdeppe finden sich Sportler, Fans und wieder Journalisten. Der Feuerwehr folgen, Überraschung, Journalisten und andere Feuerwehren, sogar eine aus Honduras.

In den Listen sind selbstverständlich auch private Nutzer und ganz sicher gibt es etliche Zweibrücker, die Twitter nutzen. Aber meist lassen sie sich gar nicht oder nur schwer und mit sehr gezielten Suchanfragen finden.