Persönliche Bestleistung hat die Herschbergerin Christin Hussong vom LAZ Zweibrücken gestern Nachmittag im zweiten Versuch geworfen. Mit 66,41 Metern wurde sie Deutsche Meisterin und sicherte sich die Teilnahme an den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro.

Kassel. "Ich will meinen Traum erleben“ stand auf dem Schild geschrieben, mit dem Christin Hussong vom LAZ Zweibrücken gestern in Kassel ins Stadion einlief. Alle Speerwerferinnen hatten vor dem Finale um die Deutsche Meisterschaft ihr Motto niedergeschrieben und präsentierten es dem Publikum. Und der Traum der Herschbergerin sollte sich schon sehr bald erfüllen.

Schon der erste Versuch von Hussong landete jenseits der gelben Linie, die die Olympia-Norm markierte, bei 62,39 Metern. Damit überbot die LAZ-Werferin schon zum dritten Mal in diesem Jahr die Weite, die für eine Olympia-Teilnahme in Rio (5. bis 21. August) mindestens erforderlich ist. Der zweite Versuch jedoch übertraf dann alles – inklusive Hussongs eigene Erwartungen: "Ich habe keine Ahnung, wo der hergekommen ist“, sagte die Herschbergerin später in der ARD über ihren zweiten Wurf auf 66,41 Meter, der gleich in mehrfacher Hinsicht ein Meilenstein war: persönliche Bestleistung, Weltjahresbestweite, Deutscher Meistertitel, Ticket für Rio.

Letzteres hat Hussong nun sicher, ebenso einen Startplatz bei der Europameisterschaft in Amsterdam (6. bis 10. Juli). Dagegen geht für ihre drei großen Konkurrentinnen im deutschen Team das Zittern weiter: Weltmeisterin Katharina Molitor, in Kassel Zweite mit 62,86 Metern, Linda Stahl ( beide Leverkusen/61,44 Meter) und Ex-Weltmeisterin Christina Obergföll von der LG Offenburg (59,93 Meter) hoffen alle auf eines der zwei verbliebenen Olympia-Tickets. Dieses Ziel hat Hussong nun erreicht: "Dass ich mir durch den Meistertitel nun meinen Traum von Rio erfüllen kann, das ist riesig“, sagte sie.

Im Speerwerfen wurden auch bei den Männern große Weiten geboten: Gleich fünf Speerwerfer überboten in einem hochklassigen Wettkampf die 80 Meter, der Jenaer Thomas Röhler sorgte bei seinem Favoritensieg mit 86,81 für eine der hochkarätigsten Leistungen der Titelkämpfe.

Das Ticket für Brasilien gesichert hat sich auch DiskuswurfOlympiasieger Robert Harting. Er fegte die Konkurrenz wie in alten Zeiten aus dem Ring und feierte seinen neunten Meistertitel. In einem wahren Finalkrimi steigerte sich der Berliner auf glänzende 68,04 Meter und fing seinen jüngeren Bruder Christoph (66,41) im letzten Versuch noch ab. "Hatte ich ein Glück! Mir glühte der Hintern im letzten Versuch“, sagte der 31-Jährige nach dem spannendsten Wettbewerb der deutschen LeichtathletikMeisterschaften. Bei den Diskuswerferinnen siegte Nadine Müller (Halle) mit 65,79 Metern vor Julia Fischer (63,94).

Enttäuscht humpelte Sina Mayer nach dem Vorlauf über 100 Meter von der Bahn. Die LAZ-Sprinterin lieferte bei Gegenwind in 11,56 Sekunden zwar die drittschnellste Vorlaufzeit ab, allerdings war die DM danach für die 21-Jährige beendet. "Bereits nach 70 Metern habe ich einen Stich in meinem lädierten Fuß verspürt, danach war leider nicht mehr an einen weiteren Lauf zu denken. Damit bin ich wahnsinnig enttäuscht, mein Ziel nicht erreicht zu haben“, erklärt Mayer. Zu gerne hätte sie im Finale gestanden. Nun müsse sie erst einmal ihre Verletzung auskurieren, um dann möglichst bis zur U23-DM Ende Juli wieder fit zu sein.

Nicht nach Wunsch verlief ihr letzter Auftritt bei einer DM auch für LAZ-Stabhochspringerin Kristina Gadschiew: Mit einem salto nullo verabschiedete sich die 31-Jährige von der nationalen Bühne. Ohne gültigen Versuch blieb beim Sieg von Martina Strutz (4,70 m) auch die deutsche Rekordhalterin Silke Spiegelburg (Bayer Leverkusen). Titelverteidigerin Lisa Ryzih (Ludwigshafen) gewann mit 4,65 Metern Silber, Annika Rohloff (Minden, 4,55 m) Bronze. Bei den Männern siegte in Abwesenheit von Raphael Holzdeppe vom LAZ Zweibrücken (Muskuläre Probleme: Holzdeppe verzichtet auf einen DM-Start) Tobias Scherbarth (Leipzig) mit 5,70 Metern.

Zugehörige Wettkämpfe

Datum Name Ort
18.–19.06.2016 Deutsche Meisterschaften 2016 Kassel (Deutschland)