Luzern/Herschberg. „Ja, das war ein Ding, oder?“, meinte Udo Hussong lachend am Telefon. Tochter Christin Hussong, Speerwerferin des LAZ Zweibrücken, hatte am späten Dienstagabend beim renommierten Leichtathletik-Meeting in Luzern eine unglaubliche neue Bestweite rausgehauen. Mit 63,34 Metern übertraf die U23-Athletin in der Schweiz die Qualifikationsnorm (60,50 m) für die Europameisterschaft der Aktiven in Zürich (12. bis 17. August) – und steigerte sich um über drei Meter.

„Ich hab’ gewusst: Wenn alles zusammenpasst, kann ich 61, 62 Meter weit werfen“, war der 20-jährigen Herschbergerin schon klar, dass sie gut drauf ist. Ihre letzte Bestmarke hatte sie am 14. Juni mit 60,26 Metern in Wesel aufgestellt, dabei erstmals die magische 60-Meter-Marke übertroffen. „Aber so was jetzt, da fehlen mir echt die Worte“, meinte die Sport- und Biologie-Studentin. Das Feuerwerk am Ende des Meetings habe prima zu ihrer Riesenfreude gepasst. „Das Einwerfen war aber schon richtig gut“, sagte sie rückblickend auf ihr erstes großes, internationales Meeting, das sie vor der Ukrainerin Hanna Hatsko-Fedususova (63,10 m) und der Britin Goldie Sayers (60,32 m) gewann. Die deutsche Teamkollegin Katharina Molitor wurde Siebte (57,87 m).

„Heute kann die Norm vielleicht kommen“, dachte Hussong angesichts der klasse äußeren Bedingungen, es war fast windstill, und der beiden komplett gefüllten Tribünen. Gleich im ersten Versuch steigerte sie die alte Bestmarke schon um einen Zentimeter. 59,76 m, 58,39 m – und dann kam der vierte Versuch. Als der Speer Hussongs Hand verließ, „da wusste ich, der geht über die Norm. Ich hatte ihn aber auf 61 Meter geschätzt“. Am Ende standen tolle 63,34 Meter auf der Anzeigentafel, eine Steigerung um sagenhafte 3,08 Meter. Mit ihrem Wurf auf die neue deutsche U23-Bestweite hat sich die Nachwuchshoffnung momentan auf Platz fünf in Europa und sogar auf Platz neun in der Welt nach vorne katapultiert – bei den Frauen.

„Jetzt schaut’s ganz gut aus für die EM in Zürich“, sagt Hussong zufrieden, die jetzt bis zur deutschen Meisterschaft (26./27. Juli in Ulm) keine Wettkämpfe mehr bestreitet, nur trainiert. Drei deutsche Werferinnen – Hussong inklusive – haben die Norm geschafft, drei dürfen auch nach Zürich fahren. „Ihre Weite ist ein Quantensprung nach vorne“, zollte auch LAZ-Vorsitzender Alexander Vieweg, selbst Speerwerfer, Hussong großen Respekt. „Christin hat sich quasi über Nacht in die Weltspitze geworfen. Es dauert sicher nicht mehr lang, dann wird sie wohl auch in der Diamond League werfen“, glaubt er. „Und wie man sieht: Wir beim LAZ können nicht nur Stabhochsprung“, sagte Vieweg zufrieden mit Blick auf Hussongs Leistung und den Start von Sprinterin Sina Mayer bei der U20-WM in Eugene/USA vom 22. bis 27. Juli.

Zugehörige Wettkämpfe

Datum Name Ort
12.–17.08.2014 Europameisterschaften 2014 Zürich (Schweiz)
22.–27.07.2014 U20-Weltmeisterschaft 2014 Eugene (Oregon) (Vereinigte Staaten von Amerika)
15.07.2014 Spitzen Leichtathletik Luzern 2014 Luzern (Schweiz)