München. Am Montag gab Weltklasse-Stabhochspringer Raphael Holzdeppe bekannt, dass er seinen Lebensmittelpunkt wieder nach Zweibrücken verlegt. Seit zwei Jahren lebte der seit Sonntag 25-Jährige in München. Holzdeppe, der ab nächster Woche wieder bei seinem alten Coach Andrei Tivontchik trainiert, hatte die Rückkehr unter anderem damit begründet, dass sein Herz an der Pfalz und der Familie hängt. Die RHEINPFALZ erwischte ihn telefonisch beim Einkaufen und sprach mit ihm über den bevorstehenden Umzug – aber nicht nur.

Herr Holzdeppe, wann ist der Entschluss gereift, wieder nach Zweibrücken zurückzukommen?

Das kam so in den letzten Wochen. Ich habe mich dann mit Andrei Tivontchik zusammengesetzt, und wir haben das intensiv besprochen. Danach mit den LAZ-Vorsitzenden Bernhard Brenner und Alexander Vieweg. Ich hätte ja auch in München weitertrainieren können.

2012 vor den Olympischen Spielen sagten Sie, Sie wollten auf jeden Fall mal in einer Großstadt leben. Hat München jetzt seinen Reiz verloren?

München ist zwar eine Großstadt, aber eigentlich auch ein Dorf. Ich habe dort Freunde gefunden, aber ich habe noch viele Freunde hier in Zweibrücken. Ich möchte die Zeit in München nicht missen, aber zwei Jahre haben jetzt auch gelangt.

Hat Ihnen die Pause von Zweibrücken gut getan?

Es war gut, in München auch mal was anderes zu sehen. Weil jeder Trainer, wie dort DLV-Trainer Chauncey Johnson, eine komplett andere Herangehensweise an den Stabhochsprung hat. Jetzt ist die Motivation bei Andrei und mir wieder da.

Für wann ist der Umzug geplant, ab wann sind Sie wieder in Zweibrücken?

Umziehen will ich eigentlich so schnell wie möglich. Am kommenden Montag geht ja schon das Training bei Andrei los. Eine Wechselfrist brauche ich nicht einzuhalten, Verein ja nicht wechsele. In den nächsten zwei Wochen habe ich mit einem Makler Besichtigungstermine für Wohnungen. Am Anfang muss ich vielleicht noch ein bisschen pendeln, aber ich kann sicher auch tageweise bei meinen Eltern wohnen.

Den Umzug machen Sie selbst ...?

Ich hasse umziehen. 2012, als ich nach München bin, hat das eine Firma gemacht. Aber ich finde, einmal im Leben muss man das auch selbst machen. Ich bin schon gespannt, wie viel Umzugskisten ich zusammen bekomme, mit den Jahren sammelt sich ja immer mehr Krimskrams an (lacht).

Sie kommen als Stabhochsprung-Weltmeister zurück. Was werden Sie künftig neben dem Sport machen?

Ende 2013 bin ich als Sportsoldat aus der Sportförderung ausgeschieden. Und in meinem Studiengang „International Management“ in Ansbach habe ich mich zwischenzeitlich exmatrikuliert, weil ich zu viele Semester verloren hätte. 35 bis 40 Prozent des Studiums hatte ich aber schon, und ich will mich wieder einschreiben, wenn es von der Zeit her passt.

Wie sieht Ihr Plan diesbezüglich aus?

Vor den Olympischen Spielen 2016 in Rio de Janeiro fange ich sicher nicht noch mal an. Darauf ist sportlich erst mal alles ausgerichtet.

Sie haben 2014 die Sommersaison abgebrochen. Wie geht es Ihnen inzwischen gesundheitlich?

Mir geht es gut. Die Rückenverletzung im Winter und die Wadenverletzung im Sommer haben mich einfach zeitlich zurückgeworfen. Seit dieser Woche kann ich aber wieder langsam trainieren.

Zur Person: Raphael Holzdeppe

  • geboren am 28. September 1989 in Kaiserslautern
  • Wohnort: München, demnächst wieder Zweibrücken
  • Verein: LAZ Zweibrücken
  • Trainer: ab Montag wieder Andrei Tivontchik
  • größte Erfolge: Weltmeister 2013, Olympia-Bronze 2012 in London, EM-Dritter 2012, Sechster bei der U23-EM 2011, Deutscher Juniorenmeister 2010, U23-Europameister 2009, U20-Weltmeister und Olympia-Achter 2008.
  • Bestleistung: Freiluft: 5,91 Meter (10. August 2012, London, Olym- pische Spiele); Halle: 5,82 Meter (26. Januar 2013, Rouen).