Zweibrücken. 5,00 Meter und Platz drei standen für Stabhochspringer Daniel Clemens vom LAZ Zweibrücken am Wochenende beim Meeting in Tübingen an der Anzeigetafel, beim Sieg von Polens Pawel Wojciechowski (5,70 Meter). Für den 25-jährigen Mörsbacher war es die Rückkehr in den Wettkampfsport nach fast einjähriger Verletzungspause.

„Damit kann ich zufrieden sein“, sagt Clemens, Deutscher Hallenmeister 2016, im Montagstraining entspannt zum Saisoneinstieg. Er wollte das Springen in Tübingen auch gar nicht an einer Höhe festmachen, sondern „einfach mal sehen, wo ich außerhalb des Trainings stehe“. Bei der Höhe von 5,20 Metern seien die Stäbe zu weich gewesen, zudem habe der Anlauf nicht mehr gestimmt. „Aber der Fuß hat gehalten, ich hatte keine Schmerzen. Und für die Vorgeschichte bin ich verhältnismäßig fit.“

Die Vorgeschichte: Das ist der Riss der Außenbänder, den er sich Anfang Juni vergangenen Jahres im Training zuzog, als er nach einem Sprung zurück auf die Anlaufbahn fiel und unglücklich landete. Im Zuge der Untersuchung wurde noch ein viertgradiger Knorpelschaden festgestellt, der operativ behoben wurde. Dann begann der lange Weg zurück. „2016 war ich im Sommer eigentlich in der Form meines Leben“, meint der Sportsoldat, der im sechsten Jahr der Sportfördergruppe in Mainz angehört. Die Verletzung machte ihm damals einen Strich durch die Rechnung, mit einer möglichen neuen Bestleistung von 5,70 Meter in die deutsche Spitze vorzudringen.

Auf die Wintersaison verzichtete Clemens dann bewusst, widmete sich in der Rehabilitationszeit verstärkt seinem Fernstudium der Fachrichtung Internationales Management in Ansbach. „Sechs Kurse habe ich in der Zeit abgehakt“, berichtet der Student im achten Semester. Im Herbst 2018 will er seine Bachelor-Arbeit angehen. Mögliche Themen: die Vermarktung des Anlaufstegs des LAZ Zweibrücken oder die Nachhaltigkeit von Marketing im Allgemeinen.

Parallel ging es mit dem Aufbautraining mühsam voran, Schritt für Schritt. „Im Januar 2017 war es endlich mal wieder ein richtiger Anlauf“, sagt er lachend. Zuvor sei er im November erstmal mit einem Schritt vom Kasten gesprungen, einen Monat später leicht angetrippelt und mit Einstich in den Kasten gesprungen. Derzeit läuft er aus 16 Schritten an. Ein kurzes Antrippeln zum Auftakt, um den Fuß in Schwung zu bringen, hat er vorerst beibehalten. „Da ist aber ein leichtes Risiko dabei, weil ich jetzt meine Absprungmarke nicht immer richtig treffe.“ Bis Januar merkte er auch immer, dass der Fuß noch nicht wieder in Ordnung ist. Fünf Hyaluron-Spritzen sollten helfen, das Gelenk zu schmieren. Seitdem läuft es deutlich besser.

Für die anstehende Freiluft-Saison macht er sich wenig Druck, „sicher den wenigsten in den letzten Jahren. Ich lasse alles auf mich zukommen und will das Beste aus der Situation machen“. Mit Bundestrainer Jörn Elberding habe er sich schon im Herbst länger unterhalten. Der weiß um die Situation „mit meiner ersten großen Verletzung“ und erwartet daher keine Höhen um 5,70 Meter. „Aber eine Steigerung im Laufe der Saison, und das habe ich auch vor.“ Der Druck von außen ist schon da: Clemens muss seinen Status als B-Kader-Athlet des Deutschen Leichtathletik-Verbandes behalten, um auch nach dem 30. September weiter Sportsoldat bleiben zu können.

Im Training über die Schnur klappte es schon mit 5,30 Meter. Und Ende April bei einer Überprüfung an einer Messstation in Leverkusen mit vielen Kameras habe sich gezeigt, dass die Anlaufgeschwindigkeit fast die gleiche sei wie vor der Verletzung. „Das hat meinen Trainer Andrei (Tivontchik) und mich doch komplett überrascht“, so Clemens. Beim Himmelsstürmer-Cup am 10./11. Juni würde er gerne wieder so fit sein, „dass ich im Elitefeld mitspringen darf“.

Nach Tübingen steht aber zunächst eine Zwei-Wettkämpfe-Woche an. Am Sonntag startet Clemens in Rechberghausen im Landkreis Göppingen. Und morgen stehen die Deutschen Hochschulmeisterschaften (DHM) in Kassel an. „Die sind wichtig. Da muss man antreten, wenn man für die Universiade in Taipeh nominiert werden will“ – ein großes Ziel in diesem Jahr. Seine Universiaden-Premiere vor zwei Jahren in Südkorea fiel ergiebigen Regengüssen zum Opfer. In Kassel starten auch die Vereinskollegen Sina Mayer und Christin Hussong. Anna Felzmann ist dagegen noch nicht fit, und Hammerwerferin Hanna Luxenburger wirft am Samstag beim Einladungssportfest des TSV Bayer 04 Leverkusen um den DHM-Titel mit.

Zur Person: Daniel Clemens

  • geboren am 28. April 1992 in Zweibrücken
  • Sportsoldat bei der Sportfördergruppe Mainz der Bundeswehr, Dienstgrad: Stabsunteroffizier
  • Wohnort: Mörsbach
  • Verein: LAZ Zweibrücken, im Verein seit 2001
  • Disziplin: Stabhochsprung
  • Trainer: Andrei Tivontchik
  • Bestleistung: 5,60 Meter Freiluft (5,55 m in der Halle)
  • größte Erfolge: Bronze bei der U18-Weltmeisterschaft 2009 in Brixen/Italien, Bronze U23Europameisterschaft 2013 in Tampere/Finnland, Militär-Europameister 2013 in Warendorf, DM-Bronze bei den Aktiven in Ulm 2014, DM-Silber in der Halle in Leipzig 2016.
Blickt voraus auf eine spannende Comeback-Saison: Stabhochspringer Daniel Clemens kämpft auch seinen Status als B-Kader-Athlet und seinen Platz als Sportsoldat der Bundeswehr.
Blickt voraus auf eine spannende Comeback-Saison: Stabhochspringer Daniel Clemens kämpft auch seinen Status als B-Kader-Athlet und seinen Platz als Sportsoldat der Bundeswehr. Foto: Image