Zweibrücken. Für Stabhochspringerin Kristina Gadschiew vom LAZ Zweibrücken hatte das Jahr 2010 mit der Qualifikation für die Hallen-WM in Doha und dem siebten Platz dort recht gut angefangen. Im Sommer steigerte sie ihre persönliche Bestleistung auf 4,60 Meter. Doch das reichte trotzdem nicht für eine Teilnahme an der EM in Barcelona. Im Interview mit Merkur-Redakteurin Ulrike Otto spricht die 26-Jährige über die vergangene Saison, die Vorbereitungen auf die Halle und warum sie sich manchmal selbst im Weg steht.

Die Vorbereitungen auf die Hallensaison haben jetzt begonnen. Was steht derzeit auf dem Programm?

Kristina Gadschiew: Seit Anfang Oktober trainieren wir. Jetzt ist noch viel Kraftausdauer dabei, also kleiner Widerstand, aber viele Wiederholungen. Außerdem laufen wir viel, machen lange Serien.

Also alles Sachen, die man als Sportler nicht gern macht.

Gadschiew: Genau. Aber man muss sie ja machen, sonst bringt man keine Leistung zustande.

Wenn Sie so auf die vergangene Saison zurückblicken, ist die Enttäuschung darüber, die EM verpasst zu haben, noch sehr groß?

Gadschiew: Dass es mit der Europameisterschaft nicht geklappt hat, ist wirklich schade. Dabei hatte ich mich dieses Jahr so gesteigert. Aber die Konkurrenz hierzulande ist nun mal sehr groß. Da muss man auch mal verlieren können.

Sie sind 2008 als Vierte der Deutschen Meisterschaft knapp an einer Nominierung für die Olympischen Spiele vorbeigeschrammt. 2009 folgte die WM-Teilnahme in Berlin. Hält sich die Enttäuschung dieses Jahr in Grenzen, weil es „nur eine EM“ war?

Gadschiew: Nein. Die Konkurrenz war dieses Jahr noch viel größer als letztes Jahr zur WM. Die Dichte von guten Stabhochspringerinnen in Deutschland ist so groß. Das hat sich ja dann auch bei der Deutschen Meisterschaft gezeigt. 4,50 Meter waren die Norm für die EM. Aber bei der DM musstest du schon 4,60 Meter springen, um überhaupt aufs Treppchen zu kommen.

Die Dichte im Stabhochsprung in Deutschland ist wirklich Weltspitze, oder?

Gadschiew: Das stimmt. Vor der EM hatten fünf deutsche Springerinnen die Qualifikationsnorm geschafft. Und alle fünf waren unter den Top Ten der Welt. Aber jede Nation kann nun mal nur drei Athleten pro Disziplin mitnehmen. Und alle drei Deutschen, also Silke Spiegelburg, Liza Ryzih und Carolin Hingst, waren dann ja auch im Finale.

Fühlen Sie sich da nicht manchmal als ewige Nummer vier?

Gadschiew: Für die Platzierung ist jeder selbst verantwortlich. Das mit der Europameisterschaft ist eben dumm gelaufen. Aber nach einem Tief kommt auch immer wieder ein Hoch, das habe ich gelernt. An den Fehlern, die ich diese Saison gemacht habe, versuche ich jetzt zu arbeiten.

Welche Fehler?

Gadschiew: Ich will mich mehr auf die Wettkämpfe konzentrieren, den Fokus wieder mehr auf Konstanz legen. In der vergangenen Saison war ich nicht sehr konstant, habe es nicht immer geschafft, meine Leistung auch abzurufen. Das war mir im Winter noch besser gelungen.

Wie gehen Sie das im Training an?

Gadschiew: Es geht ja darum, technisch gute Sprünge wieder öfter abzurufen und zu verinnerlichen, wie ich das machen kann. Im Training heißt das konkret, dass ich aus jeder Anlauflänge mit maximaler Griffhöhe springe. Da muss ich mich wirklich voll auf den Sprung konzentrieren und den Versuch mit 100 Prozent angehen, damit der Sprung überhaupt klappt und ich auch eine Höhe überqueren kann. Denn mit einem hohen Griff zu springen, ist viel schwieriger als mit einem niedrigeren. Ich muss dabei auf viel mehr Sachen achten, sonst funktioniert es nicht. Mit einem niedrigeren Griff komme ich auch so über eine kleine Höhe. Aber das ist dann technisch nicht so gut.

Das ist also ein psychologischer Trick?

Gadschiew: Ja und ich hoffe, er funktioniert. Momentan fällt es mir noch sehr schwer, mich zu konzentrieren. Ich merke, dass das mein Problem ist. Aber ich finde es gut, dass ich jetzt dazu gezwungen bin, daran zu arbeiten.

Trotz verpasster EM haben Sie mittlerweile auch eine ganze Reihe an Erfolgen vorzuweisen, etwa Zehnte der WM, Siebte der Hallen-WM oder Silber und Bronze bei der Universiade. Hat sich das auch bei der Unterstützung durch Sponsoren ausgezahlt?

Gadschiew: Nicht direkt. Ich hatte schon vorher Sponsoren, aber vermehrt haben sie sich nicht. Ich bekomme Unterstützung durch die Sporthilfe und als Kader-Athletin. Leider bin ich wegen der EM aber aus dem A- in den B-Kader gerutscht.

Sie sind auch in diesem Jahr wieder für das Top-Team 2012, einen Perspektivkader für die Olympischen Spiele 2012 in London, nominiert worden. Hat sie das dann doch überrascht?

Gadschiew: Ich bin da schon seit zwei Jahren drin und ich war wirklich glücklich, dass ich wieder nominiert wurde. Die Unterstützung durch den Deutschen Leichtathletik-Verband ist dort schon besser.Sie sind auch in diesem Jahr wieder für das Top-Team 2012, einen Perspektivkader für die Olympischen Spiele 2012 in London, nominiert worden. Hat sie das dann doch überrascht? Gadschiew: Ich bin da schon seit zwei Jahren drin und ich war wirklich glücklich, dass ich wieder nominiert wurde. Die Unterstützung durch den Deutschen Leichtathletik-Verband ist dort schon besser.

In welcher Form werden Sie unterstützt?

Gadschiew: Der DLV übernimmt fast alle Kosten für Trainingslager und guckt, wo er gute Trainingsmaßnahmen ermöglichen kann, damit wir Top-Team-Athleten die besten Trainingsbedingungen haben.

Besser als in Zweibrücken?

Gadschiew: Ich hab mich ja nicht beschwert. Ich bin hier zufrieden.

Planen Sie schon bis zu den Olympischen Spielen 2012?

Gadschiew: Ich beschäftige mich damit überhaupt nicht. Ich tue das, was mein Trainer Andrei Tivontchik mir sagt. Ob er schon bis dahin plant, das weiß ich nicht. Aber ich vertraue ihm da voll und ganz.

Sie planen auch persönlich nicht bis dahin? Sie studieren ja noch. Das Studium könnten sie ja prima auf die Spiele einstellen.

Gadschiew: Sie werden lachen, aber mein Studienabschluss und die Spiele würden tatsächlich zusammenfallen. Aber man muss erstmal abwarten, wie es bis dahin läuft. Vielleicht kann ich bis dahin Sachen vorziehen oder ich setze ein Semester aus. Aber ich plane das nicht. Ich lebe von Saison zu Saison.

Vom 28. bis 31. Oktober findet in Zweibrücken der DLV-Lehrgang für die Stabhochspringerinnen statt. Da treffen Sie auf ihre nationale Konkurrenz. Schauen Sie sehr auf die anderen?

Gadschiew: Schon, aber ich versuche, es auszublenden. Das ist auch nicht gut. Man sollte sich mehr auf die eigenen Stärken konzentrieren und sich nicht kleiner machen.

Das klingt so, als wären Ihnen das schon mal passiert.

Gadschiew: Man lernt eben von Jahr zu Jahr dazu. Anfangs hab ich natürlich nach den anderen geguckt. Bei den Tests zu Beginn jedes Lehrgangs dachte ich, oh Gott, die anderen sind alle so schnell, ich bin eine Null. Aber damit macht man sich alles kaputt. Als ich von meinem ersten Lehrgang kam, hat Andrei eine Woche gebraucht, bis ich wieder an irgendwas glauben konnte. Er hat mir dann klar gemacht, wie sehr ich meine Leistung schon gesteigert habe. Jetzt weiß ich, dass ich ein gewisses Niveau habe, und hoffe, dass ich das dann auch zeigen kann.
Stabhochspringerin Kristina Gadschiew bei der Hallen-WM in Doha im März 2010
Sauber drüber: Mit diesem Sprung sicherte sich Kristina Gadschiew das Finale der Hallen-WM in diesem März. Dort wurde sie am Ende Siebte, der Höhepunkt dieses Jahr. Foto: pma