Zweibrücken. Nach einem verkorksten Olympia-Jahr mit zahlreichen Verletzungen will Stabhochspringer Raphael Holzdeppe wieder angreifen. Das erste große Ziel des Athleten vom LAZ Zweibrücken ist die Hallen-EM Anfang März in Belgrad.

Herr Holzdeppe, das Olympiajahr 2016 ist nach Ihrer Fußverletzung im Februar sicher ganz anders verlaufen als erhofft. Haben Sie das Aus in der Olympia-Qualifikation von Rio gut verarbeitet?

Raphael Holzdeppe: Ja. Im ersten Moment ist es natürlich ärgerlich, und es ist auch großer Frust dabei. Danach war aber alles relativ schnell auch wieder gut. Die ganze Saison ist nach der Verletzung ja nicht rund gelaufen. Im Nachhinein bin ich auch nicht traurig oder sauer, und es ist nicht so, dass irgendwelche negativen Gefühle aufrühren, wenn ich daran denke. Ich bin eigentlich eher froh, dass ich es dennoch geschafft habe, teilzunehmen und die Verletzung sozusagen mit einer Olympia-Teilnahme abzuschließen. Danach konnte ich dann mit frischen Gedanken in die Vorbereitung auf die neue Saison gehen.

Sie haben in Ihrer Karriere einige Male mit verletzungsbedingten Rückschlägen zu kämpfen gehabt. Wie schaffen Sie es danach immer wieder, sich neu zu motivieren?

Holzdeppe: Eine gute Frage. Das geht bei mir eigentlich wie von selbst. Ich habe nach der letzten Saison eine so lange Pause gemacht wie noch nie. Normalerweise ist es immer etwa ein Monat, dieses Mal waren es volle zwei Monate. In den letzten zwei Wochen der Pause habe ich dann schon wieder gemerkt, dass ich richtig Lust hatte, wieder Sport zu machen, zu trainieren und die nächste Saison anzugehen. Da war die Motivation eigentlich schon wieder genauso groß wie vorher. Dabei ist die Motivation unterschiedlich gelagert. Wenn man eine Supersaison hatte, dann will man im nächsten Jahr gleich daran anknüpfen. Ist die Saison nicht so gelaufen, wie man es sich vorgestellt hat, dann will man es natürlich wieder besser machen. An der Motivation hat es mir immer alles andere als gefehlt.

Jetzt haben Sie mit dem Sieg beim Neujahrsspringen in Merzig und Platz zwei in Cottbus die ersten Hallen-Wettkämpfe der Saison hinter sich. Wie zufrieden sind Sie mit dem Einstieg?

Holzdeppe: Ich bin sehr zufrieden. Das Hauptziel war, nun einfach wieder Wettkampfroutine zu bekommen. Trainingstechnisch läuft alles wirklich super. Die wenigen Wettkämpfe im Sommer habe ich schon gemerkt, darunter hat die Routine am Anfang gelitten. Aber ich merke, wie ich jetzt von Wettkampf zu Wettkampf immer besser reinkomme. Merzig (Sieg mit 5,58 Metern, Anm. d. Red. ) war noch ein bisschen schwierig, Cottbus (5,73m) ist mir schon wieder leichter gefallen. Der Fokus liegt erst einmal darauf, Spaß zu haben und mich von Wettkampf zu Wettkampf zu steigern. Mein Trainer Andrei Tivontchik und ich sind sehr zufrieden.

Ist das Gefühl fürs Fliegen schon wieder da? Häufig haben Sie das beklagt, wenn Sie nach Verletzungen zurückgekommen sind. Wenn Sie nun in Ihren Körper hören, haben Sie dann den Eindruck, dass noch mehr drin steckt?

Holzdeppe: Auf jeden Fall. Ich merke, wie ich mich von Training zu Training und von Wettkampf zu Wettkampf steigere. Bei jedem Springen merke ich, dass es wieder ein Schritt nach vorne ist, der mir ein gutes Gefühl gibt. Deshalb fiebere ich in den Trainingseinheiten dazwischen auch wieder auf jeden nächsten Wettkampf hin.

Ihr Ziel für die Hallenrunde ist die EM-Teilnahme. Sind Sie zuversichtlich, die Norm von 5,78 Metern noch zu knacken?

Holzdeppe: Ja, auf jeden Fall. Das ist jetzt auch das Hauptziel für den nächsten Wettkampf am Wochenende in Clermont-Ferrand in Frankreich. Da möchte ich den Deckel zu machen, wenigstens die 5,78 Meter springen, um mich ganz sicher für die Europameisterschaften zu qualifizieren.

Es wäre erst Ihre zweite Hallen-EM.

Holzdeppe: Richtig, in der Halle hat es bislang nie so gepasst mit Teilnahmen an internationalen Meisterschaften. Das habe ich in meiner Karriere bislang erst einmal geschafft mit der EM in Göteborg 2013. Deshalb freue ich mich riesig, dass ich in diesem Jahr wohl wieder die Chance habe, bei einer Europameisterschaft (3. bis 5. März in Belgrad) dabei zu sein. Und natürlich ist da dann auch das Ziel, mich besser zu platzieren als bei meiner ersten Hallen-EM. Damals war ich Achter.

Die Norm würde ganz bestimmt reichen, um für Deutschland an den Start zu gehen. Oder wie stark sehen Sie derzeit die deutsche Konkurrenz, die im vergangenen Jahr insgesamt ja geschwächelt hat?

Holzdeppe: In der Halle gibt es ja nur zwei Startplätze. Im Moment sehe ich noch nicht, dass wir drei wären, die 5,78 Meter oder höher springen. Wenn innerhalb von Europa weniger als zwölf die geforderte Norm springen, würde das Feld aufgefüllt. Daher bin ich relativ zuversichtlich, dass die 5,73 Meter aus Cottbus schon reichen. Aber natürlich habe ich noch Wettkämpfe, und in denen will ich weiter versuchen, mich zu steigern. Tobias Scherbarth, der in den letzten Jahren immer ganz konstant gesprungen ist, hat bislang noch keinen Wettkampf gemacht. Ansonsten wäre Florian Gaul ein Kandidat, der im vergangenen Jahr mit 5,77 Metern Jahresbester war. Seine Sprünge sehen gut aus. Ihm traue ich zu, dass er in den nächsten Wettkämpfen wieder in den 70er Bereich springt. Ich denke daher, dass wir auch dieses Jahr in der Halle wieder eine spannende deutsche Meisterschaft (18./19. Februar in Leipzig) erleben werden.

Wie sieht Ihr Winterfahrplan nach Clermont-Ferrand am Wochenende und dem Indoor-Istaf in Berlin kommende Woche aus?

Holzdeppe: Die Hallen-EM ist natürlich der Hauptfokus. Ich möchte aber in jedem Wettkampf meinem Anspruch gerecht werden und das Optimum rausholen. So auch am Wochenende in Clermont-Ferrand. Und auch beim größten Hallenmeeting der Welt auf deutschem Boden beim Istaf-Indoor in Berlin nächste Woche möchte ich eine gute Höhe zeigen. Genau zwischen den deutschen Meisterschaften und den Europameisterschaften liegt ja mit dem Hallenstürmer-Cup mein Heim-Wettkampf, mit dem zum Abschluss wäre ich dann sehr gut vorbereitet auf Belgrad. Danach geht es dann schon Richtung Sommersaison.

Welche Ziele stecken Sie sich für das WM-Jahr?

Holzdeppe: Ja, nachdem die Hallenrunde angefangen hat, ist das wie ein Leitfaden: Training, Wettkampf und dann wieder Training. Nach der Hallensaison geht es dann schon wieder ins Trainingslager, und einen Monat später folgen schon die ersten Wettkämpfe draußen. Angeführt von der Diamond League. Mein Hauptziel im Winter ist es, die nötige Routine zu bekommen und alles wieder abzustimmen, um im Sommer wirklich wieder bei 100 Prozent zu sein. Wenn das gelingt, dann möchte ich schon meinen WM-Titel wieder haben im Sommer.

Es bleibt einfach der Traum, wieder ganz oben zu stehen in der Weltspitze?

Holzdeppe: Ganz klar. Natürlich ist die Weltspitze in den vergangenen beiden Jahren wieder enger zusammengerückt. Auch viele junge Springer sind dazugekommen, wie man auch in Cottbus sehen konnte. Bei den Amerikanern und Kanadiern sind viele erst zwischen 20 und 23 Jahren. Auch Olympiasieger Thiago Braz da Silva aus Brasilien ist erst 23 Jahre alt. Aber mir persönlich macht es einfach Spaß, mich mit ihnen auf hohem Niveau zu messen. Daher freue ich mich schon riesig auf die Duelle im Sommer.

LAZ-Stabhochspringer Raphael Holzdeppe will in diesem Jahr wieder zurück in die Weltspitze.
LAZ-Stabhochspringer Raphael Holzdeppe will in diesem Jahr wieder zurück in die Weltspitze. (Foto: Ruppenthal/pmz)

Zugehörige Wettkämpfe

Datum Name Ort
03.–05.03.2017 Hallen-Europameisterschaften 2017 Belgrad (Serbien)