Zweibrücken. Nach dem bei den deutschen Hallenmeisterschaften in Leipzig Ende Februar erlittenen Anrissen des Außen-und Innenbandes im Sprunggelenk arbeitet der Stabhochspringer Raphael Holzdeppe an seinem Comeback. Im Interview spricht der Zweibrücker Weltmeister von 2013 über seine Fortschritte und die Chancen auf eine Teilnahme an den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro. Außerdem über die richtige Wahl beim Autokauf und neue Hobbys.

Herr Holzdeppe, vor rund zwei Wochen fand die Hallen-WM in Portland statt. Eigentlich eines Ihrer großen Ziele in diesem Jahr. Haben Sie den Stabhochsprung-Wettkampf verfolgt?

Ich habe die Übertragung nicht live geschaut, weil sie nachts um drei Uhr begann. Ich habe mir dann morgens eine Aufzeichnung angesehen.

Wie schwer war es, nicht dabei sein zu können?

Es ist schon schwer gewesen. Zum Glück ist die Verletzung nicht kurz davor passiert. So hatte ich schon mit der Reha begonnen, da konnte ich mich besser damit abfinden.

Was geht einem durch den Kopf, wenn man die Konkurrenten springen sieht?

Da gehen einem positive und negative Gedanken durch den Kopf.Das Negative war, dass ich mit meiner Leistung in Portland wohl eine Medaille gewonnen hätte.Das Positive ist,dass es jetzt keine Leistungsexplosion bei den Konkurrenten gab, ich also gute Chancen habe, meinen derzeitigen Rückstand wieder aufzuholen.

Sie können mittlerweile, rund vier Wochen nach der Operation, schon wieder Radfahren und den Fuß etwas belasten. Was machen die Genesungsforschritte?

Die sind sehr gut. Die Ärzte und Therapeuten sind sehr zufrieden. Ich liege im Plan, spüre von Tag zu Tag Verbesserungen. Es macht Spaß, Fortschritte zusehen.

Gibt es eine Art Fahrplan, wann Sie wieder springen wollen?

Es gibt einen groben Fahrplan. Wenn es so weiter geht wie bisher, werde ich für Olympia fit sein. Bis Mitte, Ende Mai will ich alles wieder normal machen können. Mitte Juli nominiert der Deutsche Leichtathletik-Verband die Sportler für Rio.Bis dahin habe ich also Zeit, die Norm von 5,70 Metern zu springen. Das ist machbar. Aber es darf nichts dazwischenkommen.

Wie groß ist der Optimismus für einen Olympiastart?

Ich bin ein sehr optimistischer Mensch. Bislang habe ich den Fahrplan zu 100 Prozent erfüllt. Das ist alles, was ich machen kann. Ich weiß aber auch, dass ich nichts überstürzen darf.

Und was sagen die Ärzte?

Bislang habe ich mit dem Arzt, der mich operiert hat,nur telefoniert.Am Montag sehe ich ihn erstmals seit der Operation wieder,da wird er sich den Fuß ansehen. Die Therapeuten sind bislang sehr zufrieden.

Also haben Sie keine Angst, dass Ihnen Richtung Rio die Zeit davon läuft?

Ich versuche, das Positive zu sehen, keine negativen Gedanken zuzulassen. So habe ich das die ersten vier Wochen gemacht. So werde ich das die nächsten vier Wochen machen und auch die Wochen danach. Aber ich habe natürlich im Hinterkopf, dass es eng werden kann.

Ist solch eine Situation als erfahrener Athlet leichter zu ertragen?

Ich denke, die Erfahrung spielt eine große Rolle. Auch wenn es meine erste große Verletzung ist, mein erster großer operativer Eingriff, hilft die Erfahrung, ruhig zu bleiben, anstatt depressiv zu werden.

Wären Sie in den vergangenen Jahren nervös geworden?

Wenn die Verletzung vor den Olympischen Spielen 2012 passiert wäre, vermutlich schon. Da war ich ja noch vier Jahre jünger, hatte weniger Erfahrung. Es ist von Vorteil, wenn man bereits eine Menge internationale Meisterschaften gesprungen ist.

Wie sieht nun ein Tag bei Ihnen aus?

Ich mache morgens eine Trainingseinheit am Olympiastützpunkt in Saarbrücken. Vor allem Radfahren und Krafttraining in allen Variationen, da sind dann auch ganz spezielle Übungen dabei, die nur Teile des geschädigten Fußes belasten. Danach gehe ich ins Therapiezentrum in Saarbrücken, abends steht dann noch einmal Physiotherapie an.

Trainieren Sie schon wieder in Zweibrücken mit Ihrem Coach Andrei Tivontchik?

Ich bin dabei, das Training wieder Schritt für Schritt nach Zweibrücken zu verlagern. Anfangs musste ich den Fuß möglichst oft hochlegen, da war Autofahren nicht so gut (Holzdeppe wohnt in Saarbrücken, Anmerkung der Redaktion).

Geht das mit Ihrer Verletzung?

Ja, weil ich ein Auto mit Automatikschaltung habe. Da brauche ich ja nur den rechten Fuß.

Haben Sie durch die Verletzung derzeit mehr Freizeit?

Ein bisschen mehr Zeit habe ich. Aber nicht mehr so viel wie nach der Operation. Da saß ich zwei Wochen auf der Couch und habe Fernsehschauen als neues Hobby entdeckt.

Sie teilen Ihren Fans über die sozialen Netzwerke viel über Ihre Gesundungsfortschritte mit. Gibt es da viele Reaktionen darauf, und zieht man daraus Zuversicht?

Ich bin sehr glücklich über die vielen Reaktionen. Die Leute fragen, wie es mir geht, machen mir Mut, schreiben mir, dass ich trotzdem die Goldmedaille in Rio gewinnen werde. Das tut einem natürlich unheimlich gut.

Gibt es Zuspruch von Konkurrenten?

Direkt nach der Operation hatte ich sehr viele Nachrichten auf meinem Handy. Das hat mich gefreut und zeigt, dass wir Stabhochspringer eine eingeschworene Gemeinschaft sind. Es ist ja auch eine Form von Wertschätzung, wenn einem die größten Konkurrenten, die in Rio auch Gold gewinnen wollen, schreiben, dass sie sich freuen würden, wenn ich bald wieder dabei bin.

Raphael Holzdeppe beim Hallenstürmer-Cup in Zweibrücken, einem der letzten Wettkämpfe vor seiner Verletzung.
Raphael Holzdeppe beim Hallenstürmer-Cup in Zweibrücken, einem der letzten Wettkämpfe vor seiner Verletzung. (Archivfoto: Laborenz)

Zugehörige Wettkämpfe

Datum Name Ort
05.–21.08.2016 Olympische Sommerspiele 2016 Rio de Janeiro (Brasilien)