Zweibrücken. Es ist nach Daegu 2011 und Moskau 2013 seine dritte Weltmeisterschaft bei den Aktiven, aber diese Welttitelkämpfe der Leichtathleten ab dem 22. August im „Vogelnest“-Stadium der chinesischen Hauptstadt Peking sind anders: Raphael Holzdeppe vom LAZ Zweibrücken geht als Stabhochsprung-Titelverteidiger ins Rennen, hatte in Südkorea vor zwei Jahren dem französischen Überflieger Renaud Lavillenie sensationell die Goldmedaille weggeschnappt. Das WM-Ziel Holzdeppes ist daher klar definiert: „Ich möchte aus Peking nicht ohne Medaille nach Hause fahren.“

Die Vorfreude auf die Rückkehr ins architektonisch besondere Olympia-Stadion in Peking ist groß. „Sie wächst mit jedem Tag. Ich bin schon aufgeregt“, gibt der 25-Jährige unumwunden zu – auch im Rückblick auf den Sommer 2008. „Ich war das erste Mal im A-Nationalteam dabei. Und dann gleich bei meinen ersten Olympischen Spielen.“ Der Stabhochspringer ist sich voll bewusst, dass die Vorzeichen bei dieser WM ganz anders sind. „2008 war ich der Jüngste, es war eine Riesenüberraschung, dass ich überhaupt dabei war.“ Seit dem 15. August akklimatisiert er sich in Peking. Das deutsche Stabhochsprunglager ist direkt nach China geflogen, hat den Umweg über ein Trainingslager in Südkorea – wie der Großteil des deutschen Leichtathletik-Teams – ausgelassen. Holzdeppe weiß, dass die Öffentlichkeit auf ihn als Titelverteidiger diesmal deutlich intensiver schaut.

Viel wichtiger sei aber, dass er es im Wettkampf schaffe, seinen eigenen Erwartungen gerecht zu werden und sie umzusetzen. „Das ist das Hauptziel“, sagt er vor der Stabhochsprung-Qualifikation an diesem Samstag, 18.40 Peking-Zeit/12.40 Uhr deutscher Zeit. Und dem ganz selbstverständlich eingeplanten Finale zwei Tage später, am Montag um 19.05 Ortszeit/13.05 Uhr deutscher Zeit. „Ich will meinen besten Wettkampf der Saison zeigen“, hat sich Holzdeppe vorgenommen. Das wird auch nötig sein, „denn die Konkurrenz ist bärenstark“. Mit Renaud Lavillenie, dem Kanadier Shawn Barber, dem Brasilianer Thiago Braz da Silva, dem Griechen Konstandinos Filippidis und ihm selbst seien allein fünf Springer in diesem Jahr bereits über 5,90 Meter geflogen. Und höher. „Ich gehe davon aus, dass man in den Bereich auch springen muss, wenn es um die Medaillen geht.“

Holzdeppe geht nach einer klasse Saison aber ganz selbstbewusst in den Wettstreit der Weltbesten. Nach Olympia-Bronze 2012 in London und dem WM-Titel 2013 hatte er im vergangenen Jahr ein echtes Seuchenjahr, was Verletzungen anbelangt. Ende 2014 ging er von München, wohin er nach Olympia gewechselt war, den Weg zurück nach Zweibrücken – und zu seinem Heimtrainer Andrei Tivontchik, 1996 bei Olympia in Atlanta selbst mit Bronze dekoriert. Tivontchik bremste Anfang des Jahres immer wieder die Erwartungen an seinen lange verletzten Schützling, der viele Sprünge nachholen und sein Sprungsystem wieder festigen musste. Der Trainer sagte ständig: „Wartet es ab. Das klappt bald wieder.“

Und wie das klappte: Im Mai in Eugene/USA sprang Holzdeppe bereits wieder über 5,80 Meter, in Cheboksary/Russland im Juni 5,85 Meter, in Baku/Aserbaidschan am 21. Juni dann mit 5,92 Meter eine neue Bestleistung. Und die Krönung kam erst noch: Ende Juli holte sich der pfeilschnelle LAZ-Springer bei den deutschen Meisterschaften mit nur drei Sprüngen seinen ersten DM-Titel, flog über unglaubliche 5,94 Meter – und legte selbstbewusst noch drei Versuche über die deutsche Rekordhöhe von 6,02 Meter nach. Viel Zuversicht gab ihm auch sein letzter Wettkampf vor Peking am 5. August im südpfälzischen Jockgrim. „Das war ein richtiger Arbeitswettkampf. Ich hatte vorher viel trainiert, mein Körper war noch müde.“ Am Ende wurde er Zweiter mit übersprungenen 5,83 Metern. „Es ist schon länger her, dass ich mich so durchkämpfen musste. Das war eine gute Erfahrung, dass es auch so klappt“, meinte er zufrieden.

Man könne schließlich nie vorhersagen, wie es in China läuft. Vielleicht sei ja auch dort durchkämpfen angesagt, angesichts der starken Konkurrenz. „Und da dreht sich nicht alles nur um Renaud Lavillenie“, erwartet Holzdeppe. „Ob es mit der Titelverteidigung gelingt? Da möchte ich mich nicht festlegen. Aber eine Medaille will ich gewinnen, ich möchte nicht ohne eine Medaille nach Hause kommen“, meint er. Und schiebt erhobenen Hauptes nach: „In der Form dafür bin ich.“ Wetterprobleme wie beim DM-Frauen-Wettkampf in Nürnberg erwartet er indes nicht. „Es kann durch den Smog in Peking sicher ein bisschen schwül werden. Aber im Vogelnest gibt es keine Windproblematik – soweit ich mich erinnere“, sagt er verschmitzt.

Die Weltmeisterschaft von Moskau 2013 lebt in diesen Tagen noch einmal ganz besonders auf – logisch bei einem Goldmedailliengewinner, der zwei Jahre später zur Titelverteidigung antritt.

Raphael Holzdeppe auf dem Weg zum WM-Sieg 2013. Mit übersprungenen 5,89 Meter gewann der damals 23-Jährige den Titel.
Raphael Holzdeppe auf dem Weg zum WM-Sieg 2013. Mit übersprungenen 5,89 Meter gewann der damals 23-Jährige den Titel. (Foto: dpa)
Das Siegerpodest von Moskau, rechts Holzdeppe, der erste deutsche Stabhochsprung-Weltmeister überhaupt, links Silbermedaillengewinner Renaud Lavillenie. Der Franzose führt die Weltrangliste 2015 mit 6,05 Meter an.
Das Siegerpodest von Moskau, rechts Holzdeppe, der erste deutsche Stabhochsprung-Weltmeister überhaupt, links Silbermedaillengewinner Renaud Lavillenie. Der Franzose führt die Weltrangliste 2015 mit 6,05 Meter an. (Foto: dpa)
Momente des Ruhms. Mit dem WM-Gewinn rückte der Zweibrücker in den Fokus der Medien.
Momente des Ruhms. Mit dem WM-Gewinn rückte der Zweibrücker in den Fokus der Medien. (Foto: dpa)

Zugehörige Wettkämpfe

Datum Name Ort
22.–30.08.2015 Weltmeisterschaften 2015 Peking (China)