Bottenbach. Am Montag nahm er tagsüber eine Auszeit, war erst abends wieder erreichbar. Entspannen mit Freunden am Haspelschieder Weiher bei Bitsch, neudeutsch chillen, stand auf dem Programm. Den freien Tag hatte sich Nicolas Dietz redlich verdient: Am Samstag hatte der Stabhochspringer des LAZ Zweibrücken in Jena einen dicken Coup gelandet, sich den Titel des Deutschen Meisters in der Altersklasse U20 gesichert.

„Ja, irgendwie schon“, sagt Nicolas Dietz lachend auf die Frage, ob der Entspannungstag in Frankreich eine Art Belohnung für den Titelgewinn darstellte. Gestern war nämlich schon wieder Training mit Coach Bernhard Brenner angesagt, diesmal zwar nicht bei Riesenhitze, aber immerhin. Der DM-Titel kam nach Dietz’ Aussage etwas überraschend, „aber ich habe auch gemerkt, dass ich gut drauf bin“. Die Bedingungen in Jena waren gut, das Einspringen dagegen noch nicht; da stimmte der Anlauf noch nicht zu hundert Prozent. „Und die Stabauswahl auch nicht“, meint der Bottenbacher.

Nicolas Dietz liefert bei der DM einen perfekten Wettkampf ab, springt alles im ersten Versuch.

Doch dann kam’s. „Ich hab’ gemerkt, dass die Konkurrenten keinen optimalen Wettkampf erwischt haben“, sagt Dietz mit Blick auf die im Vorfeld schärfsten Gegner und Teilnehmer der U20-Europameisterschaft (Mitte Juli) im schwedischen Eskilstuna, Tim Jäger und Maximilian Paul Knief. Denn Jäger schied bei seiner Anfangshöhe von 4,80 Meter gleich aus, Knief brauchte bei 4,50 und 4,70 Meter bereits fünf Versuche. Dietz dagegen nahm alle Höhen im ersten Anlauf: 4,70 Meter, 4,80 Meter und 4,90 Meter. Vielleicht auch ein Erfolgsrezept: „In den zwei Wochen davor habe ich für mich trainiert, bin nur einmal überhaupt gesprungen. Der Kopf war völlig frei.“

„Die Sieghöhe von 4,90 Meter wirkt vielleicht nach außen hin nicht so gut“, meinte Dietz’ Trainer Brenner, „aber er ist alles im ersten Versuch gesprungen, hat einen perfekten Wettkampf abgeliefert“. Zudem habe Dietz bei 4,80 und 4,90 Meter mit „deutlicher Überhöhung“ die Latte überquert. Und auch der zweite, gerissene Sprung über 5,10 Meter sah sehr gut aus. Brenner ist stolz auf seinen Schützling, der Ende Juni bei der wichtigen Junioren-Gala in Mannheim einen gebrauchten Tag erwischt und die Normhöhe für die U20-EM (5,10 m) verpasst hatte. „Der DM-Titel ist schon eine Genugtuung für ihn. Von den deutschen U20-Stabhochspringerin hat er in diesem Jahr eigentlich das Meiste erreicht“, findet Brenner mit Blick darauf, dass Jäger und Knief bei der U20-EM in der Qualifikation ausgeschieden waren.

„Bernhard hat mich nach dem Sprung über 4,80 Meter weiter aufgebaut. Da ist das Selbstbewusstsein gestiegen, und ich hatte richtig Spaß“, sagte Dietz, der weiß, dass sein Trainer bei seinen Sprüngen fast noch angespannter ist als er selbst. Auch seine Eltern Peter und Barbara fieberten in Jena mit, „wie bei allen deutschen Meisterschaften, an denen ich teilgenommen habe“. Die Eltern, in Mannheim im Juni vor Ort, hätten sich riesig gefreut, die Mama habe sogar Tränen in den Augen gehabt.

Nach der Schule ist vor der Schule: Dietz leistet ein FSJ an seiner alten Pirmasenser Penne.

Die Saison hat Dietz jetzt beendet: „Ich wollte mit dem guten DM-Gefühl rausgehen und das nicht durch mögliche schlechte Sprünge noch versauen“, räumt er freimütig ein. Urlaub ist für den ehemaligen Schüler des Pirmasenser Hugo-Ball-Gymnasiums, der in diesem Jahr sein Abitur bestanden hat, aber nicht mehr angesagt. „Ich war im März, direkt nach dem Abi, schon mit ein paar Kumpels in Lloret de Mar“, verdeutlicht er. Mit dem Schulanfang kehrt er sogar zurück an seine alte Penne: Am Hugo-Ball-Gymnasium leistet er ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) ab. „Die Schule wird Ganztagsschule. Da beaufsichtige ich morgens die jüngeren Schüler, helfe im Sportunterricht den Lehrern und biete eine Fitness-AG an“, erzählt er. Lehrer will aber danach nicht werden, mittlerweile will er lieber zur Kriminalpolizei.

Zugehörige Wettkämpfe

Datum Name Ort
31.07.–02.08.2015 Deutsche Jugend-Meisterschaften 2015 (U20/U18) Jena (Deutschland)