Immer mehr Länder schneiden sich ein Stück vom großen Kuchen ab. Das Riesenreich China zählt in der Leichtathletik eher als ein kleines Land. Mehr als vier Medaillen gab es nie. Jetzt haben sie schon sechs. Das liegt auch, aber nicht nur daran, dass die Chinesen Gastgeber sind. Drei Weitspringer auf den Plätzen drei, vier, fünf, drei Kugelstoßerinnen im Finale, das gab’s noch nie, ihre Dominanz im Gehen freilich schon immer.

„Die weltweit agierende Leichtathletik wird sich global auf sehr hohem Niveau weiterentwickeln“, sagt der Leistungssportchef des Deutschen Leichtathletikverbandes, Thomas Kurschilgen. Leistungsplaner schauen weniger auf Medaillen als ein Innenminister, der für das Geld, das er in den Sport steckt, auch was zurückhaben will, am liebsten Medaillen. Leistungsplaner sind realistischer, weil sie von der Materie mehr Ahnung haben. Jener Verband, der einen Medaillenspiegel wie eine Monstranz vor sich herträgt, hat eh schon verloren bei Athleten und Trainern. Das erzeugt unnötig Stress und Druck.

Noch nie waren die Finalzugangsleistungen so hoch wie in diesem Jahr. Betrachtet man die Rolle Europas auf dem Globus, gibt es zwei weitere Erkenntnisse. In den Wurfdisziplinen waren Osteuropa und Deutschland führend, jetzt drängen immer mehr Länder aus Asien, Afrika und der Karibik nach vorne. Und gleichzeitig verlieren die Europäer in den Laufdisziplinen immer mehr an Vorsprung.

Deutschland wird künftig kleinere Brötchen backen müssen. Das hat weniger mit einer schlechten Ausbildung zu tun als vielmehr damit, dass andere auch was können, und das ist nicht aufs Dopen bezogen. Wie gesagt, die Leichtathletik agiert global. Kenias Speerheld Yego hat einen finnischen Manager und lebt fünf Monate im Jahr in Finnland. Die Chinesen haben den deutschen Diskusexperten Karl-Heinz Steinmetz, früher der Trainer von Lars Riedel, den Franzosen Damien Inocencio, der Renaud Lavillenie groß machte, oder den Amerikaner Randall Huntington, unter dem Mike Powell 1991 den Weltrekord auf 8,95 Meter stellte, geholt.

Huntington arbeitet seit November 2013 mit den Weitspringern zusammen. Junioren-Weltmeister Wang Jianan (18) gewann mit 8,18 Meter Bronze, es war die erste Weitsprungmedaille für Asien. Gerade bei den Chinesen kommt man gerne mit dem Thema Doping, aber es wäre falsch, es ungeprüft zu behaupten. „Die Kombination von ausländischem Knowhow und traditionellem chinesischen Trainingsfleiß trägt offenbar Früchte“, sagte Huntington stolz. Wang selbst meinte, der Trainer übe keinerlei Druck aus und habe eine gute Ansprache an die jungen Athleten.

Zugehörige Wettkämpfe

Datum Name Ort
22.–30.08.2015 Weltmeisterschaften 2015 Peking (China)