Erfolg und Misserfolg liegen im Sport nah beieinander. Das haben auch einige Zweibrücker Ausnahmeathleten in den vergangenen zwölf Monaten zu spüren bekommen. So wurde 2017 – auch ohne Olympia und Fußball-WM – zu einem ereignisreichen Wettkampfjahr mit vielen Aufs, aber auch einigen Abs.

Eine Saison der besonders positiven Art hat Sina Mayer hinter sich. Die Sprinterin des LAZ Zweibrücken ist nicht nur in der nationalen Spitze angekommen, sie war mit ihrer Bestleistung von 11,25 Sekunden 2017 die fünftschnellste Frau Deutschlands, sondern hat mit Überraschungs-Bronze bei den U23-Europameisterschaften in Polen auch ihre erste internationale Medaille feiern können – den größten Erfolg ihrer Karriere. „Die EM war mein erster Einzelstart bei internationalen Wettkämpfen überhaupt. Dass ich es ins Finale geschafft habe, war schon eine Riesensache. Am Ende mit Bronze nach Hause zu fahren, ist überragend. So ein Erfolg gibt enorm viel Selbstvertrauen und hat mir gezeigt, dass ich auch mit der internationalen Konkurrenz mithalten kann.“ Dabei war mit dem großen Sprung zu diesem Zeitpunkt nicht unbedingt zu rechnen. Nach einer schweren Fußverletzung war die 22-Jährige ein Jahr zum Zuschauen verdammt. Davor hatte sie zwar angedeutet, dass sie mehr drauf hat, als die Zeit von 11,51 Sekunden. Dass diese Saison allerdings – trotz des Fehlstarts bei der Aktiven-DM – zur erfolgreichsten überhaupt werden würde, hatte sie selbst nicht erwartet. Das i-Tüpfelchen war der Start bei der Universiade, den Weltsportspielen der Studenten, in Taipeh. Nach der ersten internationalen Medaille arbeitet Mayer nun hart daran, sich in Zukunft bei den Aktiven durchzusetzen. Alles ist auf die Heim-EM im Sommer in Berlin ausgerichtet – allerdings ist selbst die nationale Konkurrenz so stark wie nie.

Genau auf diesen Saisonhöhepunkt arbeiten zwei weitere Aushängeschilder des LAZ, Stabhochspringer Raphael Holzdeppe und Speerwerferin Christin Hussong, hin – die beide eine durchwachsene Saison hinter sich haben. Holzdeppe erlebte bei der WM eine der bittersten Stunden seiner Karriere. Im Finale, für das sich der 28-Jährige so viel vorgenommen hatte, leistete er sich einen Salto nullo. Entsetzt, kopfschüttelnd, enttäuscht schlich er nach dem dritten Fehlversuch über die Anfangshöhe von der Bahn. Mehr Debakel ging nicht für den Weltmeister von 2013 und Vize-Weltmeister von 2015. Holzdeppe hatte im Vorfeld von Gold gesprochen. Trotz der bis dahin holprigen Saison. Zuerst hatte er mit Materialproblemen und Stabbrüchen zu kämpfen, dann wurde er krank. Bei der DM musste sich der Zweibrücker dem 18-jährigen Bo Kanda Lita Baehre geschlagen geben. Eigentlich hatte er nur Ende Juni mit 5,80 Metern beim Meeting in Hof geglänzt, dort die WM-Norm geknackt. Die Saison beendete Holzdeppe nach London ohne weiteren Wettkampf. „Ich will mich auf die EM in Berlin konzentrieren.“

Sich dort wieder von ihrer besten Seite zeigen zu können, darauf hofft auch Christin Hussong. Bei der Universiade in Taipeh hatte sie auf einen versöhnlichen Saisonabschluss gehofft. Doch mit 60,59 Metern verfehlte sie eine Medaille, landete auf Rang fünf. Es passte zu dem Jahr, „das einfach nicht meins werden wollte“, erklärte die Herschbergerin. Dabei hatte die Saison gut begonnen. Sehr früh hakte sie die WM-Norm ab. Danach allerdings wollte der Speer nicht mehr richtig ins Fliegen kommen. Bei der DM blieb sie unter der 60-Meter-Marke, musste ihren Vorjahrestitel abgeben. Gewann aber Silber. Der Sieg beim Meeting in Luzern mit der viertbesten Weite ihrer Karriere (64,18m) machte Hussong Hoffnung für den Saisonhöhepunkt. Doch in London scheiterte sie bereits in der Quali. „Die Vorbereitung lief bis April super. Dann haben sich Fehler eingeschlichen.“

Auch Stabhochspringer Daniel Clemens hatte in dieser Saison zu kämpfen. Nach einjähriger Verletzungspause meldete er sich mit dem Sieg bei der Hochschul-DM (5,20) ordentlich zurück. An seine Bestmarke von 5,60 kam der Zweibrücker allerdings nicht heran und verpasste die Quali für die DM.

Für seine erste Aktiven-DM in der Halle hatte sich der Landesmeister und süddeutsche Vize Nicolas Dietz mit starker Bestleistung von 5,30 Metern qualifiziert. Bei dem Höhepunkt musste er dann allerdings passen. Die Norm für die nationalen Titelkämpfe, die der U20, meisterte LAZ-Sprinter Jonas Klein. Im Mai lief er Bestzeit über die 200 Meter (22,11 sec). Noch besser lief es bei den Rheinland-Pfalz-Meisterschaften über die 100 Meter: Zwei Bestzeiten, erstmals unter elf Sekunden und überraschend Bronze. Auch die Staffel, neben Klein mit Nils Crauser, Nils Voigt und Simon Kauf feierte mit Bronze einen großen Erfolg. Um den Start beim Saisonhöhepunkt musste Klein dann bangen. Mit muskulären Problemen lief er über die 100 Meter erneut unter elf Sekunden in den Zwischenlauf, auf den Start über die 200 Meter musste er verzichten. Ihren bislang größten Erfolg hat Helena Noll bei der U16-DM im Stabhochsprung gefeiert. Bei ihren ersten nationalen Meisterschaften gewann sie Bronze, wurde zudem in den DLV-Nachwuchskader aufgenommen.

„Ein perfekte Saison“ lieferte Timo Bernhard ab. Der Motorsportprofi gewann nicht nur den Titel in der Langstreckenserie WEC, sondern sicherte Arbeitgeber Porsche auch den ersehnten Sieg bei den legendären 24 Stunden von Le Mans.

Sehr ereignisreich war das abgelaufene Jahr für Wsf-Topschwimmerin Marlene Hüther. Die Dietrichingerin musste ebenso wie Moritz Bartels und Jean-Marc Emser Abitur und Spitzensport unter einen Hut bringen. Bei den deutschen Langbahn-Meisterschaften in Berlin sicherte sie sich mit der 200-Meter-Freistilstaffel Gold, über die Einzelstrecken verpasste sie jedoch den Sprung aufs Podest – und zugleich die Quali für die WM. Besser lief es zum Jahresende bei der Kurzbahn-DM. Nach schwächerem Auftritt über die 200 Freistil zeigte sich Hüther über die Lagenstrecken unfassbar stark. In neuer Bestzeit (1:00,67 min) sicherte sie über 100 Meter Gold – und damit ihren ersten Titel in der offenen Altersklasse. Über die 200-Meter-Distanz gewann sie zudem Silber. Als klares Langzeitziel bleibt die Quali für Olympia in Tokio 2020. Dann allerdings nicht mehr als Athletin des saarländischen Stützpunktes. Sie folgt Landestrainer Hannes Vitense nach Neckarsulm und wird ab 2018 für den dortigen Verein starten.

Eine weitere DM-Goldmedaille gab es durch Wsf-Schwimmer Jean-Marc Emser mit der 4x200-MeterFreistil-Staffel. Eine überragende Ausbeute hat Freiwasserspezialist Moritz Bartels bei der DM gemacht. Bei den Junioren sicherte er bei drei Starts drei Mal Gold über die fünf, zehn sowie 3x1,25 Kilometer. Durch das gute Abschneiden sicherte er einen Startplatz über zehn Kilometer bei der EM in Frankreich. Danach ging es für den 18-Jährigen in die USA, wo er in Michigan studiert – und weiterhin schwimmt. Der ältere Bruder Felix zeigte sich bei der Freiwasser-DM ebenfalls in starker Form, sicherte bei den Männern Bronze über zehn Kilometer.

Schwierig verlief das Jahr für Judoka Jasmin Külbs. Die Schwergewichtlerin des JC Zweibrücken verzichtete bewusst auf die EM. Der Fokus der 26-Jährigen lag auf der WM in Budapest. Von dort wollte sie eine Medaille mitbringen. Doch nach zwei Kämpfen war Schluss für Külbs. Enttäuscht kehrte sie im November auch von der wieder aufgenommenen WM der offenen Klasse zurück. In Marokko scheiterte sie gleich in ihrem Auftaktkampf.

Karateka Nadja Stuchlik aus Homburg feierte 2017 nationale und internationale Erfolge. Sie wurde deutsche Teammeisterin im Kumite, mit dem Nationalteam gewann sie zudem Silber bei den Titelkämpfen in Maastricht. Auch bei der JKA-WM im irischen Limerick waren mit Stuchlik und Minh Doan zwei Kämpfer von Shotokan Homburg vertreten.

Weiter von Knockout-Sieg zu Knockout-Sieg eilt der Zweibrücker Boxer Senad Gashi. Der GPU-Weltmeister im Schwergewicht wurde von der Stadt für seine Erfolge und Verdienste mit der Ehrensportlerwürde ausgezeichnet.

Ein Auf und Ab hat Muaythaiboxer Jakob Styben erlebt. Bei der WM in Weißrussland feierte er Bronze. Zudem wurde der Zweibrücker als erster deutscher Muaythaiboxer für die World Games nominiert. An einer Medaille ist er dort vorbeigeschrammt. Bei der EM im Oktober in Paris schied er gleich im ersten Kampf aus.

Starke Leistungen zeigte Wsf-Kanute Ulf Jung. Bei der Junioren-DM gewann er Gold mit dem Team. Nach seinem dritten Rang beim Deutschland-Cup wurde der 17-Jährige in den Bundeskader berufen.

LAZ-Sprinterin Sina Mayer läuft bei der U23-DM überraschend zu Bronze über die 100 Meter.
LAZ-Sprinterin Sina Mayer läuft bei der U23-DM überraschend zu Bronze über die 100 Meter. (Foto: Birkenstock/pm)
Bitteres Aus: Raphael Holzdeppe leistet sich im Stabhochsprungfinale der WM einen Salto nullo.
Bitteres Aus: Raphael Holzdeppe leistet sich im Stabhochsprungfinale der WM einen Salto nullo. (Foto: dpa)
Bitteres Aus: Bei der WM ist für Christin Hussong in der Speerwurf-Quali Schluss.
Bitteres Aus: Bei der WM ist für Christin Hussong in der Speerwurf-Quali Schluss. (Foto: dpa)