Die vergangene Woche hat mir richtig Spaß gemacht. Es war die Woche der Leichtathletik-Europameisterschaft in Barcelona, in der die deutsche Mannschaft schwach anfing, aber dann einen unglaublichen Lauf hinlegte mit vier goldenen sowie jeweils sechs silbernen und bronzenen Medaillen. Eine wirkliche Freude.

Leichtathletik hat in meiner Teenagerzeit einen großen Platz in meinem Leben eingenommen, neben der Schule wohl den größten. Ich habe es geliebt, Rennen zu laufen, und habe genauso gern dabei zugesehen. Die Sprintspikes hängen jetzt schon neun Jahre am Nagel. Doch die Freude am Zusehen, das Mitfiebern und Mitzittern, das Jubeln über Erfolge und das Analysieren des Guten und des weniger Guten – das ist mir zum Glück erhalten geblieben. Im Privaten versteht sich, denn Neutralität ist eines der obersten Prinzipien im Journalismus.

Die Leichtathletik-EM in Barcelona ist ein sportliches Großereignis weit weg von Zweibrücken. Doch die Teilnahme von Stabhochspringer Raphael Holzdeppe hat die EM auch ein gutes Stück hierher geholt. „Die Jugend der Welt“, wie es früher so schön bei den Olympischen Spielen hieß, trifft sich rund um den Globus. Und sie bringt ein Stück der weiten Welt mit zurück nach Hause. Früher, als Reisen noch problematischer war als heute, noch viel mehr.

Auch wenn diese EM für Raphael Holzdeppe nicht mit der erhofften Medaille endete, sondern auf Rang neun ein eher frustrierendes Ende fand, ist die Teilnahme dennoch ein großer Erfolg. Man darf nicht vergessen, dass der Athlet des LAZ Zweibrücken erst 20 Jahre alt ist. Dennoch ist er Junioren-Weltrekordhalter, war der Beste bei Junioren-Welt-und Europameisterschaft, nahm an den Olympischen Spielen und jetzt eben der Europameisterschaft der Erwachsenen teil. Und das in einer Disziplin, die in Deutschland hart umkämpft ist. Die Leistungsdichte im Stabhochsprung ist in Deutschland so hoch, wie in kaum einer anderen Disziplin. Sein Trainer Andrei Tivontchik hat also vollkommen recht, wenn er sagt, dass Raphael Holzdeppe die Zukunft gehört.

Aber auch eine andere EM-Teilnehmerin hat den Fokus unfreiwillig auf Zweibrücken gelenkt. Lisa Ryzih gewann die Bronzemedaille im Stabhochsprung der Frauen, der vom Zweibrücker Tivontchik als Bundestrainer betreut wird. Dass die 21-Jährige jetzt in Grünstadt wohnt und seit 2004 für den ABC Ludwigshafen startet, störte die Kollegen der Deutschen Presse-Agentur dpa wenig. Sie verorteten Ryzih weiterhin nach Zweibrücken. Und so las sich dann Lisas Erfolg am Samstag in ganz Deutschland als Medaille für eine Zweibrückerin. Die war sie auch einmal, machte hier beim LAZ Zweibrücken ihre ersten Sprungversuche mit dem Stab. Gelenkt von Vater Wladimir, damals Stabhochsprungtrainer beim LAZ, und angespornt durch die Erfolge ihrer großen Schwester Nastja (heute Anastasija Reiberger), die unter anderem 1999 Hallen-Weltmeisterin wurde. Ende 2003 trennten sich dann die Wege des LAZ und der Familie Ryzih, nicht im Guten. Dennoch bleibt der Erfolg von Lisa Ryzih auch einer des LAZ.

Die Leichtathletik hat das Glück, dass jedes Jahr eine große internationale Meisterschaft ausgetragen wird. Alle zwei Jahre eine WM, in den Jahren dazwischen entweder eine EM oder die Olympischen Spiele. Es gibt also jedes Jahr eine Chance, sich für so einen Wettbewerb zu qualifizieren und Medaillen zu holen. Auch für Kristina Gadschiew, die die EM-Qualifikation ja leider knapp verpasste, gibt es dann eine neue Chance. Und wenn die nächste Europameisterschaft in vier Jahren naht, hat vielleicht auch schon der Zweibrücker Nachwuchs den Anschluss an die deutsche und vielleicht auch die europäische Spitze geschafft. Kandidaten gibt es mit dem frischgebackenen U 20-Weltmeister Till Wöschler oder den Stabhochspringern Daniel Clemens und Michaela Donie genug. Und ganz ehrlich, wenn einheimische Sportler bei internationalen Meisterschaften antreten, macht das Zuschauen und Mitfiebern noch viel mehr Spaß!