Zweibrücken. Nach Peking 2008 und London 2012 nimmt Raphael Holzdeppe in Rio de Janeiro bereits an seinen dritten Olympischen Spielen teil. Lange Zeit war ein Start des Stabhochspringers vom LAZ Zweibrücken ungewiss, eine Verletzung am Oberschenkel warf seine komplette Saisonplanung durcheinander. Mit Merkur-Redakteur Martin Wittenmeier hat sich der 26-Jährige über diese schwierige Phase unterhalten und einen Ausblick auf Rio gewagt.

Herr Holzdeppe, obwohl Sie die nationale Olympianorm (5,70 Meter) aufgrund einer Verletzung nicht erfüllen konnten, hat Sie der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) für die Olympischen Spiele nominiert. Wie erleichtert sind Sie, dass es nun doch mit Ihrer dritten Olympia-Teilnahme klappt?

Raphael Holzdeppe: Natürlich bin ich extrem erleichtert. Es war keine einfache Saison, vielleicht sogar die schwierigste, die ich in meiner Karriere bislang zu bestreiten hatte. Dass ich das große Ziel, bei Olympia starten zu können, mir jetzt doch noch erfüllen konnte, macht mich extrem glücklich.

Wie haben Sie von Ihrer Nominierung erfahren?

Holzdeppe: Ich habe das alles natürlich genau verfolgt und am Ende von meinem Verband auch die nötigen Informationen bekommen, als die Sachlage bekannt war, und vom DOSB letztendlich die Nominierung stattgefunden hatte.

Sie waren ziemlich lange verletzt, konnten kaum Wettkämpfe bestreiten. Wie würden Sie Ihre derzeitige Form beschreiben?

Holzdeppe: Das stimmt schon. Ich konnte aufgrund meiner Verletzung kaum Wettkämpfe bestreiten. Und die, die ich bestritten habe, musste ich zum größten Teil vorzeitig schon wieder abbrechen. Aber jetzt fühle ich mich wirklich topfit. Die letzten Wochen konnte ich sehr gut trainieren und sowohl mein Trainer als auch ich sind uns sicher, dass wir die Ziele, die wir uns gesetzt haben, nämlich mit einer sehr guten Form zu den Olympischen Spielen zu fahren, auch erreichen werden.

In welchen Bereichen können oder müssen Sie sich noch steigern? Oder sind Sie schon so weit, um in Rio ganz vorne mitspringen zu können?

Holzdeppe: Noch bin ich nicht so weit, um ganz vorne angreifen zu können. Aber mein Training zielt darauf aus, dass ich, wenn wir nach Rio fliegen, nämlich am 7. August, dann auch in absoluter Topform bin. So wie das Training die letzten Wochen gelaufen ist, bin ich sicher, dass ich dort in einer sehr guten Verfassung antreten werde.

Spüren Sie durch die Sonderregelung durch den DOSB mehr Druck, Ihre Nominierung für Rio rechtfertigen zu müssen?

Holzdeppe: Nö, es wurde zwar oft über eine Ausnahmeregelung gesprochen, aber im Grunde ist es eigentlich keine Ausnahmeregelung, die für mich vonseiten des DOSB stattgefunden hat. Zumal der DOSB den Qualifikationszeitraum erst zum 1. Mai 2015 begonnen hat. Dementsprechend hatte ich die IOC-Richtlinien für die olympische Norm durch meine Leistungen im letzten Sommer und in diesem Winter auch erfüllt gehabt.

Wer wird Sie nach Rio begleiten?

Holzdeppe: Nur mein Trainer (Andrei Tivontchik) und meine Verlobte (Weitspringerin Sosthene Moguenara, Anm.d.Red.), da sie ja auch für die Olympischen Spiele nominiert ist.

Ihre Eltern haben im vergangenen Jahr, als Sie Silber bei der WM in Peking gewonnen haben, beim Public Viewing in der Dieter-Kruber-Halle des LAZ Zweibrücken mitgefiebert. Ist für Ihren Wettkampf in Rio etwas Ähnliches geplant?

Holzdeppe: Ob ein Public Viewing geplant ist, kann ich noch gar nicht sagen, weil die Zeitverschiebung es in diesem Jahr extrem schwierig macht. Ich glaub, meine Qualifikation fängt um 1.20 Uhr deutscher Zeit mitten in der Nacht an, das macht ein Public Viewing zuhause etwas knifflig (lacht). Meine Eltern werden das bestimmt auf irgendeine Art und Weise mitverfolgen, aber nach Rio werden sie mich nicht begleiten. Das ist auch der Tatsache geschuldet, dass mein Startplatz wirklich auch erst so spät gesichert gewesen ist.

Mit welchen Zielen fahren Sie zu den Olympischen Spielen? Sie haben immer betont, dass Sie nicht als Olympia-Tourist nach Rio fahren wollen. Trauen Sie sich zu, um die Medaillen mitspringen zu können?

Holzdeppe: Auf jeden Fall, das war immer mein Ziel. So positiv, wie sich die letzten Wochen entwickelt haben, gerade trainingstechnisch – mein Körper hält alle Belastungen aus –, bin ich der festen Überzeugung, dass ich in Topform sein werde. Und in Topform kann ich auch um die Medaillen mitspringen.

Wie schätzen Sie die Konkurrenz ein? Wer gehört für Sie zu den Medaillenkandidaten?

Holzdeppe: Die internationale Konkurrenz hat dieses Jahr noch mal einen guten Sprung nach vorne gemacht. Natürlich muss man Renaud Lavillenie auf der Rechnung haben, er hält schließlich die Weltjahresbestleistung mit 5,96 Metern. Shawn Barber ist 5,91m schon gesprungen, läuft die letzten Wettkämpfe aber ein bisschen seiner Form hinterher. Aber auch ein Sam Kendricks, der amerikanischer Meister geworden ist, hat bereits 5,92 Meter gemeistert, und Thiago Braz da Silva, der ein Heimspiel hat, ist vor wenigen Tagen auch über die 5,90m drüber. Es wird bestimmt ein interessanter, aber auch harter Wettkampf werden. Aber so soll’s ja auch sein bei Olympia.

Was trauen Sie Ihren beiden deutschen Nationalmannschaftskollegen Tobias Scherbarth und Karsten Dilla zu?

Holzdeppe: Ich traue den beiden mindestens eine Endkampf-Teilnahme zu, das haben sie vom Potenzial definitiv drauf. Tobi Scherbarth ist zuletzt in London 5,65 Meter gesprungen und hat gute Sprünge gezeigt. Um ganz vorne um die Medaillen mitzuspringen, da fehlen vielleicht noch ein paar Zentimeter nach oben, aber eine gute Top-Ten-Platzierung ist für beide durchaus möglich.

Wie ist das Verhältnis untereinander? Sieht man sich als Konkurrenz oder versucht man, sich gegenseitig zu unterstützen?

Holzdeppe: Es ist ein Privileg, dass man nicht alleine zu den Olympischen Spielen fährt, sondern quasi als Dreierteam am Start ist, und da versucht man natürlich auch, sich zu unterstützen. Für mich sind es die dritten Olympischen Spiele, die Gegebenheiten sind etwas anders als bei Welt- oder Europameisterschaften, und da denke ich, dass ich den beiden auch das eine oder andere zeigen oder erklären kann, zum Beispiel wie die Abläufe sind. Aber im Wettkampf versuchen wir dann schon, uns auf uns selbst zu konzentrieren.

Für viele Sportler sind die Olympischen Spiele der Höhepunkt ihrer Karriere. Was macht Sie so besonders?

Holzdeppe: Allein schon aus dem Grund, dass sie nur alle vier Jahre stattfinden. Es ist schon etwas Außergewöhnliches, hier dabei sein zu dürfen. Weltmeisterschaften finden alle zwei Jahre statt, Europameisterschaften seit 2012 auch. Wenn man da mal ein Formtief hat oder einen schlechten Tag erwischt, hat man zwei Jahre später wieder die Chance, das Ganze zu korrigieren. Und allein dieser Reiz, mit so vielen Sportlern aus so vielen unterschiedlichen Sportarten auf engstem Raum im olympischen Dorf zusammenzuwohnen, macht die Olympischen Spiele einfach einzigartig. Man kommt dort auch mit Sportarten in Kontakt, für die man sich vielleicht privat vorher noch nicht interessiert hat und fiebert da plötzlich mit.

Mit Speerwerferin Christin Hussong hat sich noch weitere Sportlerin des LAZ Zweibrücken qualifiziert. Was trauen Sie ihr in Rio zu?

Holzdeppe: Die Leistungen waren natürlich herausragend. Bei den Deutschen Meisterschaften so souverän den Titel zu gewinnen und keinen Zweifel daran zu lassen, sich für Rio zu qualifizieren, war schon beeindruckend. Die Europameisterschaften sind dann leider nicht so gelaufen, wie sie sich das gewünscht hätte, aber wie sagt man so schön: Wenn die Generalprobe in die Hose geht, wird der Hauptwettkampf umso besser. Ich weiß, dass sie in den letzten Wochen sehr gut trainiert hat, und ich traue ihr wieder weite Würfe zu.

Werden Sie Ihr dann auch live im Stadion die Daumen drücken?

Holzdeppe: Zeitlich ist es auf jeden Fall möglich. Mein Finale ist ja schon zu Ende, wenn ihr Wettkampf beginnt. Aber gerade bei Finals bei Olympischen Spielen sind die Ränge immer sehr gut besucht und viele Wettbewerbe ausverkauft, ob ich da noch einen Platz im Stadion bekomme, weiß ich nicht. Ansonsten werde ich es mir in Ruhe im Fernsehen im Deutschen Haus anschauen.

Für Sie ist es die dritte Teilnahme an Olympischen Spielen. Welchen Ratschlag würden Sie Olympia-Neulingen mit auf den Weg geben?

Holzdeppe: Man sollte nicht versuchen, irgendetwas anders zu machen, als man es die Jahre davor auch gemacht hat. Viele Athleten, die bei den Olympischen Spielen antreten, haben auch schon andere große Meisterschaften bestritten und wissen eigentlich, was ihnen gut tut, worauf sie achten müssen, damit sie ihre Leistung abrufen können. Außerdem sollte man sich nicht von diesem großen Namen „Olympische Spiele“ beeindrucken lassen, sondern einfach sein Ding durchziehen, um dann am Ende mit einer guten Leistung rausgehen zu können.

Raphael Holzdeppes Sternstunde: Bei den Olympischen Spielen 2012 in London gewann der Zweibrücker im Stabhochsprung überraschend die Bronzemedaille.
Raphael Holzdeppes Sternstunde: Bei den Olympischen Spielen 2012 in London gewann der Zweibrücker im Stabhochsprung überraschend die Bronzemedaille. (Foto: Kappeler/dpa)
Verletzungspausen prägten bislang das Jahr des LAZ-Sportlers. In Rio will sich Holzdeppe wieder in Topform präsentieren.
Verletzungspausen prägten bislang das Jahr des LAZ-Sportlers. In Rio will sich Holzdeppe wieder in Topform präsentieren. (Foto: dpa)

Zugehörige Wettkämpfe

Datum Name Ort
05.–21.08.2016 Olympische Sommerspiele 2016 Rio de Janeiro (Brasilien)