Mit hohen Erwartungen war Raphael Holzdeppe zur WM nach London gereist – konnte sie aber nicht erfüllen. Dementsprechend groß ist auch die Enttäuschung bei seinem Heimverein LAZ Zweibrücken.

Zweibrücken. Ein kollektiver Aufschrei, dann sekundenlange Stille. Enttäuschung spiegelt sich in vielen Gesichtern wider. Damit hat keiner gerechnet. Rund 80 Vereinskameraden haben sich am Dienstagabend in der Dieter-Kruber-Halle versammelt, um gemeinsam „ihrem Raphi“ die Daumen zu drücken. Aber anders als vor zwei Jahren, als Raphael Holzdeppe in Peking zu Silber flog, müssen sie diesmal eine Bruchlandung des Ex-Weltmeisters mit ansehen. Der Wettkampf ist kaum gestartet, da kann der Ausnahmespringer des LAZ Zweibrücken seine Stäbe schon wieder wegpacken: Salto nullo. Dreimal scheitert er an seiner Einstiegshöhe von 5,50 Metern. „Im Endeffekt habe ich es einfach nicht hinbekommen“, zeigt sich der 27-Jährige nach seinem verpatzten Auftritt selbstkritisch. „Das ist sehr frustrierend.“ Die durchwachsene Sommersaison beendet Raphael Holzdeppe, wie bereits zuvor geplant, ohne einen weiteren Wettkampf. „Ich will meinem Körper nach zwei anstrengenden Jahren eine Pause geben, um mich auf die EM nächstes Jahr in Berlin vorzubereiten“, sagt er.

Als einer der ersten in der LAZ-Halle findet Bernhard Brenner wieder Worte. „Natürlich hatten wir uns das anders vorgestellt. Raphael hat im dritten Durchgang alles versucht, aber es hat leider nicht geklappt. Vielleicht war heute einfach nicht sein Tag, sowas gehört zum Sport dazu“, sagt der LAZ-Vorsitzende.

„Sehr, sehr groß“ ist die Enttäuschung auch bei Vater Dieter Holzdeppe, der wie schon 2015 den Wettkampf mit Ehefrau Rita nicht live vor Ort in London, sondern in der Dieter-Kruber-Halle mitverfolgt. Nervös laufen die beiden immer wieder auf und ab, nur um dann bei den Sprüngen ihres Sohnes gebannt auf die Leinwand zu blicken. „Entweder reißt Raphael direkt dreimal oder er kommt unter die ersten Sechs“, hat Dieter Holzdeppe noch kurz vor dem Beginn des Finals prophezeit – und rechtbehalten. Zusammen mit Alexander Vieweg, dem sportlichen Leiter des LAZ Zweibrücken, grübelt er anschließend darüber, warum es diesmal – ausgerecht beim Saisonhöhepunkt – nicht funktioniert hat. „Na klar sind wir sehr enttäuscht, aber bei Raphael wird der Frust heute Abend noch viel größer sein. Er liebt, was er tut. Das dauert jetzt ein, zwei Tage, aber dann beginnt schon die Vorbereitung auf Berlin. Er hat in der Vergangenheit gezeigt, dass er solche Rückschläge wegstecken und zurückkommen kann, da machen wir uns keine Sorgen“, betont Vater Dieter.

Ähnlich zuversichtlich zeigt sich auch Brenner: „In den vergangenen Jahren sind wir mit Erfolgen belohnt worden, diesmal hat es nicht sein sollen. 2013 hat Raphael mit seinem WM-Sieg etwas Tolles auf die Beine gestellt und wir haben uns tierisch mit ihm gefreut. Jetzt werden wir ihn auch wieder aufbauen, so gut es geht. Das gilt natürlich auch für Christin (Speerwerferin Christin Hussong, Anm. d. Red).“

Denn auch für die zweite LAZ-Athletin sind die Weltmeisterschaften in London alles andere als optimal verlaufen. Hussong kam in der Qualifikation lediglich auf 60,86 Meter und verpasste das Finale der besten Zwölf am Dienstagabend. „Christin ist für ihre 23 Jahre schon extrem weit. Sie wird ihren Weg weiter gehen, das Potenzial ist da“, sieht Brenner keinen Grund zur Sorge.

Zugehörige Wettkämpfe

Datum Name Ort
04.–13.08.2017 Weltmeisterschaften 2017 London (England)