Zweibrücken hat zwei Vereine, die auf nationaler und internationaler Ebene zu den sportlichen Botschaftern gehören. Das ist einerseits das Leichtathletikzentrum (LAZ) Zweibrücken und andererseits die Wassersportfreunde (Wsf) Zweibrücken. Indiz dafür ist, dass der Verein seit gestern mit der Rekordzahl von zehn Schwimmern an den Deutschen Meisterschaften in Berlin vertreten ist. Diese Teilnehmerzahlen kommen nicht von ungefähr, denn die Philosophie des Vereins basiert schon seit Jahren darauf, eine breite Basis zu legen. Daraus entwickelt sich kontinuierlich eine Spitze, die sowohl national auch international erfolgreich ist.

Doch bekanntlich haben die Götter vor den Erfolg den Schweiß gesetzt. Einer dieser Erfolgsgaranten ist der erst vor wenigen Wochen verstorbene Ehrenvorsitzende, Paul Roller. Er hat schon vor Jahren ein Fördersystem entwickelt, das mit den Wassergewöhnungsübungen im Lehrschwimmbecken des Hofenfels-Gymnasiums beginnt.

Was hier spielerisch ohne jeglichen Druck eingeübt wird, steigert sich aber in den folgenden Jahren. Behutsam, ohne dass die Zielsetzung verloren geht, wird der Nachwuchs der Wassersportfreunde peu à peu in Sphären herangeführt, die immer mehr leistungssportliche Züge annehmen. Dabei trennt sich gewollt oder ungewollt die Spreu vom Weizen, wobei weniger die persönliche Wahrnehmung als die gestoppten Zeiten den Gradmesser liefern.

Das erleichtert den Schwimmtrainern natürlich die Argumentationen gegenüber den Eltern, denn bei den Zeiten gibt es kein Schönreden. Hier zeigt sich bereits in einem Alter von knapp zehn Jahren, ob es beim Talent geblieben ist oder ob der Nachwuchs eventuell höheren Ansprüchen genügt. Mehrmaliges Training in der Woche ist in diesem Alter im Zweibrücker Badeparadies schon die Regel.

Bereits in Zweibrücken zeigt sich, wer über die notwendige Trainings- und Wettkampfhärte verfügt. Doch scheinen die Wassersportfreunde, trotz der ständig steigenden Anforderungen, ein wahrer Jungbrunnen von Talenten zu sein, wobei Thomas Roller in die Fußstapfen seines Vaters getreten ist und das Training koordiniert.

Im Gegensatz zu vielen anderen Sportarten akzeptieren die Eltern nicht nur die sukzessive steigenden Trainingsanforderungen in Zweibrücken, sondern sind anschließend auch gewillt, in Fahrgemeinschaften ihre Schützlinge nach Saarbrücken zu fahren. Und das täglich.

Ist erst einmal der Sprung nach Saarbrücken zu den Landestrainern Hannes Vitense und Ralf Steffen gelungen, so müssen alle Hobbys und Freizeitaktivitäten dem Schwimmen untergeordnet werden, müssen Schule und Training unter einen Hut gebracht werden.

Um diesen Anforderungen gerecht zu werden, bleibt oftmals nur der Wechsel auf das Sport-Gymnasium Rotenbühl in Saarbrücken. Hier wird bei den schulischen Anforderungen auf den Leistungssport Rücksicht genommen, wird den Kaderathleten Nachhilfe gewährt oder Klassenarbeiten verschoben. Der mehrfache Deutsche Polizeimeister und Europameister sowie Deutsche Jahrgangsmeister, Brustspezialist Frank Schmidt, hatte als einer der Ersten diesen Schritt gewagt. Ihm haben sich später der Lemberger Sebastian Lotze oder zuletzt die Dietrichingerin Marlene Hüther angeschlossen.

Doch, dass es auch ohne Schulwechsel geht, haben die Gebrüder Neil und Till Pallman oder Florian Schmidt gezeigt.

Eines wird allerdings ersichtlich. Das Schwimmen gehört sicherlich zu den Sportarten, die einen sehr hohen zeitlichen Trainingsaufwand nach sich ziehen. Da dürfen sich die Schwimmer auch nicht vor Trainingszeiten in aller Herrgottsfrühe gegen sechs Uhr im Zweibrücker Badeparadies zu schade sein, um auf die von den Landestrainern gewünschten Trainingseinheiten zu kommen. Dabei ist absolute Disziplin erforderlich, da hier lediglich die vorgegebenen Trainingspläne eigenhändig abgearbeitet werden.

Allerdings muss manchmal angesichts der schulischen Anforderungen das Training etwas zurückstecken. So hatten Neil Pallmann, heute Maschinenbau-Student an der TU Kaiserslautern, oder jüngst Sebastian Lotze jeweils während der Abiturvorbereitungen oder -prüfungen das Pensum zurückgefahren. Dies wird sofort offensichtlich bei den Leistungen, und deshalb startet Sebastian Lotze in Berlin nur in den Staffeln der Start-Schwimm-Gemeinschaft Max Ritter.

Florian Schmidt wagt gar den Versuch, Leistungssport und Beruf zu koordinieren. Der 19-Jährige, der eine Ausbildung bei der Gewobau in Zweibrücken macht, muss aber schon Abstriche machen. Nach schwerer körperlicher Arbeit fällt ihm auch das Training schwerer.

Doch in all den Jahren haben sich die Wassersportfreunde Zweibrücken zu einem verlässlichen Partner des Saarländischen Schwimmbund entwickelt, das Talente in Serie liefert. Dank einer ausgezeichneten Kommunikation, die zunächst durch Paul Roller als langjähriger Vizepräsident des SSB und nunmehr durch den Vater von Sebastian Lotze, Johannes, an gleicher Funktionärsstelle gewährleistet wird, sind die Wsf eine verlässliche Quelle an Talenten, die unerlässlich sprudelt, geworden.

Zweibrücken ist ein gutes Beispiel dafür, dass die Rahmenbedingungen stimmen müssen, um dem Anspruch einer Kaderschmiede, wobei das Wort nicht falsch verstanden werden darf, gerecht zu werden.