Ludwigshafen. Gehen die beiden deutschen Hallen-Titel im Stabhochsprung in die Pfalz? Nichts liegt näher als diese Annahme. Auch wenn Raphael Holzdeppe und Lisa Ryzih bei den nationalen Titelkämpfen am Wochenende in Dortmund klar favorisiert sind – gerade eine Meisterschaftsentscheidung im Stabhochsprung hat ihre eigenen Gesetze.

Lisa Ryzih, die 29 Jahre alte Titelverteidigerin vom ABC Ludwigshafen, geht ohne einen Wettkampf in dieser Saison an den Start. „Das ist das erste Mal, die Erfahrung habe ich noch nie gemacht“, sagte die Diplom-Psychologin, die gerade an ihrer Doktorarbeit schreibt, „aber ich fühle mich mit all meiner Erfahrung dieser Situation gewachsen“.

Geplant war das so nicht. Sie wollte am vergangenen Wochenende einen Wettkampf in Dijon bestreiten, aber kurzfristig hatten ihr Vater und Trainer Wladimir und sie entschieden, lieber eine konzentrierte Trainingseinheit mehr in ihrer gewohnten Trainingshalle in Ludwigshafen zu absolvieren als sich den Reisestress aufzuladen. „Das Tingeln kostet Kraft. Wir entschieden uns für diese Art von Vorbereitung, weil ich mich auch gesundheitlich nicht ganz fit fühlte“, erläuterte Ryzih. Morgen wird sie in Ludwigshafen ein Abschlusstraining machen und dann nach Dortmund reisen, ihr Wettkampf ist am Samstag.

Über die Erfüllung der WM-Norm von 4,71 Meter vor Ort muss sie sich keine Sorgen machen: „Ich habe ja die 4,73 Meter aus dem letzten Sommer stehen, die zählen auch für die Hallen-WM in Birmingham.“ Nichtsdestotrotz: Es ist eine Meisterschaft, da entwickelt die Hallen-EM-Zweite von Belgrad 2017 schon den Ehrgeiz zu siegen. „Ich will mich gut präsentieren, ich weiß aber auch, dass so eine deutsche Meisterschaft mit viel Gewimmel im Innenraum megaaufregend sein kann“, sagte die dreimalige Hallenmeisterin (2011, 2015, 2017). Ihre härtesten Konkurrentinnen dürften Katharina Bauer, Friedelinde Petershofen und Anjuli Knäsche sein.

In Hab-Acht-Stellung wird auch Raphael Holzdeppe sein. Der 28 Jahre alte Weltmeister von 2013 vom LAZ Zweibrücken weiß, wie es ist, wenn ein Jüngling daherkommt und dem renommierten Routinier die Butter vom Brot holt: Bo Kanda Lita Baehre hatte ihm im vergangenen Sommer den Freilufttitel weggeschnappt.

Holzdeppe hat nun mit seinen 5,88 Meter von Karlsruhe zwar ganz klar die Favoritenrolle inne, aber es zwickte in der vergangenen Woche mal wieder in der Wade. Den Start in Madrid sagte er ebenso ab wie den vor eigenem Publikum in Zweibrücken. „Mein Trainer Andrei Tivontchik und ich waren uns einig, keine große Verletzung riskieren zu wollen“, sagte Holzdeppe, der Titelverteidiger in der Halle, der bei der Hallen-EM in Belgrad Fünfter geworden war. Noch immer sehnt er sich nach seinem ersten Start bei Hallen-Weltmeisterschaften. Die Norm für Birmingham (1. bis 4. März) hat er natürlich in der Tasche, jetzt gilt es nur, gesund zu bleiben. Vor dem Start am Sonntag in der Helmut-Körnig-Halle soll am Donnerstag der Start beim World-Tour-Meeting im polnischen Torun stehen. Gordon Porsch (5,61 Meter) und Bo Kanda Lita Baehre (5,60) sind weitere Medaillenkandidaten. Auch die Trainingspartner Holzdeppes, Karsten Dilla (5,60) und Daniel Clemens (5,50), werden um Medaillen mitspringen wollen.

Aus gesundheitlichen Gründen hat LAZ-Sprinterin Sina Mayer die Hallensaison bereits wieder abgebrochen. Sie erholte sich nicht richtig von Erkältungen, die sie seit Weihnachten mit sich herumschleppt.

Als Drittplatzierte der Bestenliste geht die Edenkobenerin Hanna Klein (SG Schorndorf) in den Titelkampf über 1500 Meter, als Viertplatzierte versucht Ricarda Lobe (MTG Mannheim), die Hürdensprinterin aus Landau, wie im Vorjahr aufs Treppchen zu kommen und sich für einen Start in Birmingham zu empfehlen. Die Hürdenentscheidung zwischen Pamela Dutkiewicz und Cindy Roleder gehört zu den spannendsten in Dortmund.

Mit einer Finalteilnahme liebäugelt Hürdler Felix Schulze (1. FC Kaiserslautern).

Zugehörige Wettkämpfe

Datum Name Ort
17.–18.02.2018 Deutsche Hallenmeisterschaften 2018 Dortmund (Deutschland)