Der Körper ist das Kapital eines jeden Leistungssportlers. Entsprechend pfleglich geht er damit um. Deshalb hinkt der Vergleich des Hürdensprinters des Leichtathletikzentrums (LAZ) Zweibrücken, Jens Werrmann, keineswegs, als er seinen Körper mit einem Formel-1-Fahrzeug verglichen hat.

Damit wollte er lediglich ausdrücken, dass jede kleine Einschränkung die Leistungsfähigkeit nachhaltig beeinflussen kann. Damit keine Einbußen entstehen, müssen auch bei ihm viele Schrauben ständig nachjustiert werden. Doch im Gegensatz zu einem Formel-1-Fahrzeug sind hier keine Mechaniker am Werk. Stattdessen stützt sich der Leistungssportler auf seinen Trainer, Arzt, seinen Physiotherapeuten und Ernährungsberater. Das sind wichtige Bezugspersonen in einem erfolgreichen Kreislauf.

Jedoch bedarf es eines Reifeprozesses des Athleten, um zu erkennen, dass er es letztlich ist, der den Erfolg maßgeblich beeinflusst. Diese Entwicklung geschieht nicht von heute auf morgen, wie auch Jens Werrmann eingesteht. Obwohl er in den vergangenen zwei Jahren schon leidvolle Erfahrungen gemacht hat, als sein Körper nicht funktioniert hat, nicht funktionieren konnte. Verletzungen warfen ihn immer wieder aus der Bahn.

Doch diese Odyssee durch zahlreiche Arztpraxen und Krankenhäuser, gepaart mit einigen Operationen, haben die Einstellung von Jens Werrmann entscheidend verändert. Dazu hat sicherlich auch sein ständiger Wechsel zwischen den Trainingsorten Zweibrücken mit seinem Heimtrainer Karl-Heinz Werle und Bundestrainer Idriss Gonschinska in Leipzig beigetragen. Wohl war dem EMSechsten von Göteborg 2006 schon immer klar, dass viele Rädchen ineinandergreifen müssen, damit es, wie bei einem Formel-1-Fahrzeug, rund läuft.

Deshalb ist der 24-Jährige froh, dass er sich durch seine Ausbildung bei der Bundespolizei ein zweites berufliches Standbein geschaffen hat. Er hat nicht nur auf die Schiene Sport gesetzt. Das war ihm zu riskant. Er fürchtete das berufliche Loch bei einem Scheitern im Sport.

Ist der Athlet gesund, ist er für sich selbst verantwortlich. Dafür kann und muss er selbst ein gerüttelt Maß beitragen. Das fängt mit der Vor- und Nachbereitung des Trainings an, führt über die Intensität der Übungseinheiten bis hin zur gesunden Ernährung. Das erfordert Disziplin. Denn all diese Mosaiksteinchen ergeben in der Summe einen erfolgreichen Leistungssportler. Wird in einigen Nuancen geschludert, so hat das postwendend negative Konsequenzen.

Deshalb muss alles Tun dem Beruf, dem Sport, untergeordnet werden. Das fällt umso leichter, wenn sich daraus auch Erfolge ableiten lassen. Dies zahlt sich nicht sofort in barer Münze aus, erleichtert aber zumindest das Akquirieren von Sponsoren. Und das wiederum ist das Zubrot, auf das kein Leistungssportler verzichten kann.

Bis es allerdings so weit ist, geht ein langer Entwicklungsprozess über Jahre voraus, in dem auch immer wieder Nackenschläge, Niederlagen, sportliche Tiefs zu verbuchen sind. Doch erst diese Erfahrungen stählen einen erfolgreichen Athleten. Erst dann ist er sich seines Körpers bewusst, muss auch einmal vom Gas gehen oder die Handbremse ziehen, wenn Gefahr in Verzug ist.

Das ist reine Kopfsache und basiert auf Erfahrenswerten. Wie Michael Schumacher unterstellt wird, dass er mehr Gefühl in seinem Hinterteil hätte als andere Fahrer, um sein Rennauto haarklein auf ihn abzustimmen, so weiß der bewusste Leistungssportler um die Dosierung seiner Trainingseinheiten. Bisher ist Jens Werrmann, der stellvertretend für alle Leistungssportler steht, dieser Spagat zwischen Anspruch und Verwirklichung gelungen.

Deshalb habe ich den LAZHürdenläufer, den ich nun schon seit Jahren beobachte, selten so konzentriert gesehen. Das resultierte zum einen in der Vorbereitung auf die Hallen-DM am Wochenende und zum andern in dem Reifeprozess des Athleten. Jens Werrmann hat im gemeinsamen Training mit den übrigen Kaderathleten in Leipzig gelernt, dass er in jeder Übungseinheit über die Leistung sein Potenzial seinen Trainingskameraden andeuten muss. Das ist keine Einschüchterungstaktik, vermittelt aber ein Gefühl von Stärke. Genau dieses Gefühl von Stärke, eine gewisse Selbstsicherheit, strahlt der gebürtige Waldgrehweiler aus.

Erfolg ist planbar. Der stellt sich aber nur ein, wenn das Formel-1-Fahrzeug, der Körper, auf alle Impulse anspricht, wenn die Ventile richtig eingestellt sind, und der Tank voller Adrenalin ist. Der Dritte der DM, Jens Werrmann vermittelt, dass sein Körper richtig getunt ist.