Den Alten spielt der Körper einen Streich, den Jungen fehlt Erfahrung. Die deutsche Leichtathletik krankt. Noch sind’s drei Jahre bis Olympia.

Halbzeit bei der WM, gut die Hälfte der 47 Wettbewerbe ist entschieden: Die deutsche Mannschaft dümpelt mit einer Silbermedaille durch Carolin Schäfer im hinteren Mittelfeld herum. Nach dem Sprachduktus der Teamleitung ist das nicht schlimm, man wollte ja nicht nur Medaillen zählen. Klar, fünfte Plätze von Lisa Ryzih und Kristin Gierisch in der Welt sind was, Hut ab. Oder solche Auftritte, wie sie Gina Lückenkemper und Hanna Klein hinlegten. Und doch: Es ist ein Fingerzeig, der Sorgen macht und im Umgang mit der umstrittenen neuen Leistungssportförderung Diskussionsstoff gibt.

Vier Weltmeister waren in London am Start: Robert Harting (32), Katharina Molitor (33), David Storl (27), Raphael Holzdeppe (27). Große, verdiente Athleten, keine Frage, aber bei ihnen ist der Lack ab, die Karriere hinterließ Spuren im Körper. Der Vorsprung der Europäer und der Deutschen in den Wurfdisziplinen ist aufgebraucht. In den Laufdisziplinen kommen plötzlich Talente nach, aber die Jungen sind noch im Lernstadium. Was normal ist. Ein nacholympisches Jahr heißt auch: Es sind noch drei Jahre bis Olympia 2020.

Die Leichtathletik in Deutschland hat aber noch ein anderes Problem: Hierzulande schauen viele eben nur nach Medaillen. Bleiben diese aus, wird’s leider schnell uninteressant. Was dem Fußball noch mehr in die Karten spielt, der jetzt schon am Dienstag im ZDF die WM in London verdrängt hatte.

Zugehörige Wettkämpfe

Datum Name Ort
04.–13.08.2017 Weltmeisterschaften 2017 London (England)