Bitburg. Gute Reise nach Rio! Die Präsidentin des Landessportbundes (LSB), Karin Augustin, und Sportminister Roger Lewentz verabschiedeten gestern Abend in Bitburg das Team Rio des rheinland-pfälzischen Sports zu den Olympischen Spielen und den Paralympics in Brasilien.

Von Medaillenerwartungen war nicht die Rede, und das ist ja eigentlich gut so. Aber vielleicht bringt ja doch der ein oder andere Athlet eine Plakette in dem apfelgrünen Koffer mit, die der LSB gestern seinen Sportlern mit auf den Weg gab, gefüllt mit Reiseführern, Kopfhörern, Sonnenbrillen und Badelatschen. Für das eigene Sport-Equipment ist schließlich jeder selbst verantwortlich.

Zuckerhut, Copacabana, Maracana – all das ist Rio. Aber wie das nun mal so ist bei Empfängen oder Verabschiedungen, zuerst einmal geht es um Getränke. Nein, Caipirinha wurde nicht ausgeschenkt, sondern Bier und Wein. Und der Sekt, der wurde von zwei Brasilianerinnen aus Polch serviert, von Edineuza und Luisa. Im Haus der Bitburger Braugruppe wehte zuerst der Hauch von Olympia und dann der Duft von Gegrilltem. Es gab Alkolholfreies, und Ralf Anselmann aus Edesheim stellte jenen trockenen Riesling neben die brasilianischen Fähnchen auf den Tisch, den er schon auf den Weg nach Rio verschickte, um ihn dann im Deutschen Haus in Barra di Tijuca auszuschenken.

Doch genug von Bier und Wein. Zum Sport: Zwei Leichtathleten standen Moderator Christian Döring Rede und Antwort. Einer hat schon eine Olympiamedaille zuhause, die Bronzene aus London, der andere will in Rio nachziehen. Aber Raphael Holzdeppe gab dem aussichtsreichen Zehnkämpfer Kai Kazmirek mit auf den Weg: „Medaillen kann man erhoffen, aber nicht wirklich planen. Man kann über sich hinauswachsen, aber das kann die Konkurrenz auch.“ Der Stabhochspringer aus Zweibrücken, weiß, dass „ich noch nicht zu hundert Prozent in Rio bin. Es wäre schon besser, wenn ich die Norm bei der EM in Amsterdam springe.“ Nächste Woche also gilt’s.

Unter den rund 150 geladenen Gästen saß ein ganz Großer des rheinland-pfälzischen Sports, der vor über 20 Jahren aus dem Vogtland in die Pfalz kam. Ronny Weller, der 46 Jahre alte Hochdorfer, der mittlerweile bei Lotto in Koblenz arbeitet, ist mit seinen vier Medaillen bei vier Olympischen Spielen (1988–2000) noch immer der erfolgreichste Olympiagewichtheber der Welt. Und wenn er 2004 in Athen nicht von seiner Schulterverletzung geplagt worden wäre, wer weiß... Gestern Abend frohlockte er: „Das ist meine achte Olympiaverabschiedung. Ich hab viele kommen und gehen gesehen, ganz toll finde ich, alte Mitstreiter wie Joelle Franzmann zu treffen“. Die ehemalige Triathletin, Olympiateilnehmerin 2000 und 2004 die jetzt Tesche heißt und zwei Kinder hat, war da, andere aber nicht, vor allem solche nicht, die das Ticket in der Tasche haben. Leider.

Aber Sport und Geselligkeit, das passt eben nicht immer zusammen. Schon gar nicht 35 Tage vor der Eröffnungsfeier im Maracana-Stadion von Rio de Janeiro. Christof Palm vom LSB sagte: „Es ist ein schmaler Grat, einen solchen Abend zu planen. Das Zeitfenster in der Vorbereitung der Sportler ist eng, wir müssen Absagen akzeptieren“. Jürgen Spieß und Almir Velagic wollten wirklich kommen, aber ihr Sportdirektor Frank Mantek behielt sie in Leimen, schließlich stehen sie heute in Heidelberg auf der Heber-Bühne.

Die Olympiasiegerin von London, Miriam Welte, wird heute den Grand Prix von Colorado, mitten in ihrem Höhentrainingslager, bestreiten. Wie vor vier Jahren, damals fuhr sie Weltrekord über 200 Meter. Und Florettfechter Peter Joppich, der in Rio seine vierten Olympischen Spiele fechten wird, fuhr statt nach Bitburg mit seiner Lebensgefährtin Ina in die Klinik. Ob sie Eltern wurden, war gestern Abend nicht durchgedrungen. Eine aber, die Judoka Jasmin Külbs vom JC Zweibrücken, bekam von ihrem Bundestrainer die Erlaubnis, einen Tag später ins Trainingslager nach Spanien zu fliegen. Sie brachte das heimliche olympische Motto ins Spiel: „Ich fliege nicht nach Rio, um nur dabei zu sein. Es kann alles oder nichts drin sein. Ich hoffe auf alles.“

Ein lockerer Abend ging kurzweilig zu Ende. Nicht ohne das Schlussbild. Raphael Holzdeppe halbierte kurzerhand die Christus-Statue Cristo Redentor. Nicht die auf dem Corcovado, sondern die auf der Olympiatorte in Bitburg.

Olympia ist ihr Thema: Raphael Holzdeppe, Kai Kazmirek, Joelle Tesche, Alexander Vieweg und Altmeister Ronny Weller (von links) gestern Abend in Bitburg.
Olympia ist ihr Thema: Raphael Holzdeppe, Kai Kazmirek, Joelle Tesche, Alexander Vieweg und Altmeister Ronny Weller (von links) gestern Abend in Bitburg. (Foto: Kunz)

Zugehörige Wettkämpfe

Datum Name Ort
05.–21.08.2016 Olympische Sommerspiele 2016 Rio de Janeiro (Brasilien)