Beim LAZ Zweibrücken ist nach einem verbalen Schlagabtausch bei der außerordentlichen Mitgliederversammlung am Freitagabend die Luft wieder weitestgehend sauber. Aus den Querelen zwischen Mitgliedern und Vorstand sollen Lehren für die weitere Zukunft gezogen werden.

Zweibrücken. „Reden ist Silber, schweigen ist Gold“, heißt ein Sprichwort. Doch die Umsetzung ist bisweilen trügerisch, wie sich am Freitagabend in der außerordentlichen Mitgliederversammlung des Leichtathletikzentrum (LAZ) Zweibrücken herauskristallisierte (wir berichteten). Denn die 57 Mitglieder machten in großen Teilen dem Vorsitzenden Josef Scheer und dem Beisitzer Hans-Joachim Scherer klar, dass sie sich bessere Informationen bezüglich der Finanzen seitens des Vorstandes wünschen. In der Mitgliederversammlung im Dezember waren noch einige Fragen aus dem umfangreichen Zahlenwerk offengeblieben. Daran entzündeten sich auch am Freitagabend einige Emotionen, wobei aber in der Quintessenz festgestellt werden kann, dass die Existenz des Vereins in keiner Weise gefährdet ist. Hier stehen den Aderlässen genügend Aktiva des Vereins (Fonds) gegenüber. Unverkennbar war aber, dass sich die Fahrkosten von 2009 auf 2010 fast verdoppelt haben.

Der Vereinsvorsitzende verschwieg aber nicht, dass die wirtschaftliche Rezession an dem Verein nicht spurlos vorübergegangen ist, was sich vor allem im Bereich des Sponsorings negativ bemerkbar gemacht hat. „Uns fehlen rund 20 000 Euro“, redete der Vorsitzende bei der Vorstellung der Bilanzen mit einem Volumen von über 200 000 Euro auch nicht um den heißen Brei. Doch zeigte er sich optimistisch, dass er in naher Zukunft die finanzielle Lücke durch neue Verträge mit der Karlsberg Brauerei oder der Sparkasse Südwestpfalz etwas schließen kann. Angesichts dieses Etats wäre es sicher sinnvoll, dass das LAZ einen hauptamtlichen Geschäftsführer beschäftige. Eine Position, die unter dem ehemaligen Vorsitzenden Professor Dieter Kruber lange Jahre Günter Vollmar innehatte, ehe sie von Christine Sprengard übernommen wurde.

„Das LAZ ist ein Leuchtturm im Land.“

LAZ-Mitglied

Finanzielle Gründe werden für die Vakanz vorgeschoben, obwohl diese Aufgabe nun von einem Steuerbüro in Pirmasens übernommen werden muss. Unbenommen davon hat sich das Bundesleistungszentrum durch seine erfolgreichen Athleten national und international zu „einem Leuchtturm“ in Rheinland-Pfalz und darüber hinaus entwickelt, erklärte ein Vereinsmitglied nach der Sitzung.

Dieses Mitglied, das nicht genannt werden will, ist sich auch sicher, dass diese Querelen dem Verein nicht schaden werden. Die sportliche Fassade, die von den neun Kaderathleten und dem hoffnungsvollen Nachwuchs gestützt wird, wird nicht bröckeln. Das haben auch wieder die zahlreichen Titel bei den Pfalzmeisterschaften am Wochenende belegt. Dazu sind die sportlichen Pflöcke, die im Lauf der 22-jährigen Geschichte des Bundesleistungszentrums in den Boden gerammt worden sind, zu fest verankert.

Mit aller Vehemenz verwahrte sich der LAZ-Vorsitzende am Freitagabend gegen „irgendeine Geheimniskrämerei“ des Geschäftsführenden Vorstandes. Doch auch die von Hans- Joachim Scherer vorgelegten Bilanzen, die anhand von Schautafeln erläutert wurden, haben nicht alle Irritationen aus der Dezembersitzung beseitigt. Dazu hatte auch geführt, dass Kassenprüfer Jürgen Sturm erst fünf Tage vor der Sitzung am 10. Dezember die Unterlagen zugesandt wurden, während der zweite Kassenprüfer Harry Brendamour die E-Mail gar nicht erhalten hatte.

Für diese Verzögerung machte Josef Scheer das Steuerbüro des Vereins aus Pirmasens verantwortlich, das nach einer Umstrukturierung im Unternehmen erst verspätet geliefert hatte. Gleichzeitig wurde aber auch seitens des LAZ-Vorsitzenden versprochen, dass die kommende Mitgliederversammlung fristgerecht bis zum Ende des zweiten Quartals (30. Juni) einberufen werde.

Gleichzeitig soll hier eine weitere Verjüngung der Vorstandschaft vorgenommen werden, nachdem bereits am Freitagabend der 23-jährige Bernhard Brenner als stellvertretender Vorsitzender gewählt worden ist. Er ist Nachfolger von Karl-Heinz Werle, der im Dezember zurückgetreten war. Er hatte noch die Position des Sportlichen Leiters inne.

Dieser Verjüngungsprozess soll mit Ann-Katrin Schwarz aus Rieschweiler fortgesetzt werden, die bereits jetzt schon im erweiterten Vorstand mitarbeitet. Josef Scheer hofft auch auf die Mitarbeit von Karl-Heinz Welker aus Wolfersheim, der am Freitagabend „mehr Transparenz“ gefordert hatte, um künftig dieses „Hauen und Stechen“, wie von Josef Scheer befürchtet, zu verhinderen.

Hoffnungsvoll stimmt ihn, dass die Mitgliederzahlen mit 428 (1. Januar 2011) zu 425 (2010) fast konstant geblieben sind. Gleichzeitig mahnte er an: „Wenn das LAZ in Zukunft auf diesem hohen Niveau existieren will, dann müssen wir uns von den Träumen der Vergangenheit verabschieden.“ Doch ist er sich sicher, „dass der Verein gut dasteht“. Allerdings gestand er ein, dass der Verein finanziell am Tropf der Verbände hänge. Den fixen monatlichen Kosten von 12 000 Euro stünden die Zuschüsse der Verbände in oft unregelmäßigen Abständen gegenüber.

Josef Scheer hofft, dass das LAZ Zweibrücken „aus dieser Krise gestärkt hervorgeht. Sie bietet die Chance, künftig etwas besser zu machen“.

Kristina Gadschiew
Das könnt ihr Euch doch an den fünf Fingern abzählen, dass ich Pfalzmeisterin werde, scheint die Geste der Titelträgerin im Stabhochsprung, Kristina Gadschiew, auszudrücken. Sie gehört zum Perspektivkader des DLV für die Olympischen Spiele in London 2012 Foto: Kruber