LEICHTATHLETIK: Der Himmelsstürmer-Cup des LAZ Zweibrücken am Wochenende war erneut einer mit Superlativen. Es war das Stabhochsprung-Meeting mit dem schlechtesten Wetter. Es war aber auch wieder eines mit neuen sportlichen Bestmarken und einem Starterfeld, das in der Qualität erneut zugelegt hat. Der Sieger bei den Männern, Tobias Scherbarth, erfüllte wie Silke Spiegelburg, Dritte bei den Frauen, die Olympia-Norm. Weltmeisterin Yarisley Silva siegte mit neuem Meeting-Rekord.

Zweibrücken. „Ich hätte nicht gedacht, dass nach der Woche, dem Samstag und den Vorhersagen noch so viele Leute kommen“, sagte LAZ-Vorsitzender Bernhard Brenner gestern Nachmittag zufrieden. Rund 400 Zuschauer bildeten im Männerfinale eine stimmungsvolle Kulisse und genossen nach den Wetterkapriolen den Sonnenschein und die schwüle Wärme im Westpfalzstadion. „Man muss den Veranstalter und das Kampfgericht loben“, sagte Männer Bundestrainer Jörn Elberding, „hier wird ein Stabhochsprung-Meeting von Fachleuten betrieben, sie holen das Optimum für die Springer raus.“

Dazu passt, dass das Meeting wieder mit Spitzenleistungen aufwarten konnte. Als die 29-jährige Kubanerin Yarisley Silva kurz nach Mittag und ganz kurz vor dem größten Regenguss des Tages über 4,65 Meter flog, zeigte sie deutlich, warum sie 2015 Weltmeisterin geworden war. Das war souverän, das war neuer Meeting-Rekord. Dass Silva nach der Regenunterbrechung ihre Stäbe einpackte, sich entschuldigte und für die große Unterstützung dankte, stieß bei den Zuschauern auf Verständnis. „Ich möchte nichts riskieren“, sagte sie mit Blick auf die nasse Tartanbahn, die zwar von den fleißigen Helfern rasch vom Regen befreit wurde, die aber nicht trocken war. Silva rechnet sich für die Olympischen Spiele etwas aus. Diesen Traum wollte sie nicht in Zweibrücken aufs Spiel setzen. Monaco und London sind ihre nächsten Stationen; wenn es passt, möchte sich auch noch einmal in Jockgrim (18./19. Juli)springen.

In Jockgrim will sich Kristina Gadschiew von den großen Meetings verabschieden. Sie lässt ihre Karriere in diesem Jahr ausklingen. Gestern schaffte sie im dritten Versuch ihre Einstiegshöhe von 4,15 Metern und ließ den Salto Nullo vom Samstag vergessen. „Kein Kommentar von mir“, sagte die Hornbacherin lachend. Gar nicht zum Lachen zumute war Anna Felzmann. Die Rheinland-Pfalz-Meisterin vergoss bittere Tränen, weil sie ohne gültigen Versuch wohl die Chancen auf den Start bei der deutschen Meisterschaft verspielte. „In Zweibrücken will man zeigen, was man kann. Es gibt minimale Hoffnungszeichen, aber ich glaube eher nicht, dass ich starten darf“, sagte sie geknickt. „Man darf sich nicht unterkriegen lassen“, fügte die 24-Jährige aber trotzig an.

Zufrieden war dagegen Silke Spiegelburg, die mit übersprungenen 4,50 Metern Dritte wurde, zum ersten Mal in dieser Saison Olympia-Norm sprang. Nach einer Verletzung nimmt sie rechtzeitig vor den deutschen Meisterschaften Fahrt auf. Die Trainingspendelei von ihrem Wohnort Stuttgart nach Zweibrücken hat die für Bayer Leverkusen startende 30-Jährige aufgegeben. „Ich habe das physisch und psychisch nicht mehr gepackt“, räumte sie ein, dass das Leben aus dem Koffer zu viel Substanz gekostet hat. „Mir hat die Erholung gefehlt. Und die ist für ältere Athleten besonders wichtig.“ Gestern wurde sie von ihrem Bruder Richard gecoacht. „Ich hab’ ihn gefragt, er meinte, dass man das probieren kann“, erzählte sie. Mit dem Resultat ist sie zufrieden. „Es war super, so familiär“,erinnerte sie sich an die ersten Einheiten, „es läuft echt gut, er treibt mich an.“ Zu Frauen-Bundestrainer Andrei Tivontchik hat sie immer noch Kontakt, „er guckt sich auch Videos mit meinen Sprüngen an“, sagte sie.

Der Männerwettkampf lebte gestern Nachmittag vom packenden Duell zwischen Tobias Scherbarth und Valentin Lavillenie. Da ging es nicht nur um Olympia-Normen, da wurde am Ende sogar um persönliche Bestleistungen gekämpft. Und das bei Top-Bedingungen mit Sonnenschein und förderlichem Rückenwind. Das war spannender Spitzensport. Der Sieg ging an den 32-jährigen Leverkusener Scherbarth, der weniger Versuche benötigte als Lavillenie. Der 25-jährige Franzose pushte sich selbst, gab zwischendurch den „Zornnickel“, wie Moderator Michael Werling einen Wutausbruch kommentierte, kämpfte und hätte im dritten Versuch fast 5,81 Meter überwunden. Das wären neuer Meeting-Rekord, persönliche Bestleistung und der Sieg gewesen, weil Scherbarth nicht hätte kontern können. „Stabhochsprung ist zu 60 Prozent mental,zu 40 Prozent körperlich“, sagte der, „nach dem Erreichen der Olympia-Norm fielen ein paar Prozent ab.“ Zweimal lief er bei 5,81 Meter durch, den dritten Versuch trat er, nachdem Lavillenie gescheitert war, gar nicht erst an. „Vor einigen Jahren wärst du mit 5,70 Metern nicht zu Olympia gefahren“, ordnete er seine Leistung ein. Am Sonntag in Kassel gehört er jetzt zu den Favoriten. „Die deutsche Meisterschaft war mein Ziel“, sagte er, „jetzt weiß ich,dass ich gewinnen kann.“

In Kassel wird er auf Raphael Holzdeppe treffen. Der Lokalmatador verzichtete gestern nach muskulären Problemen beim Einspringen auf den Start. Heute geht er zum Arzt, den DM-Start in Kassel sieht er nicht als gefährdet an. „Ich bin mir sicher, dort 5,70 Meter springen zu können – wenn die Muskulatur mitspielt“, sagte er. Dass er nach seiner Sprunggelenks-Operation so schnell wieder auf den Beinen war, nötigte Jörn Elberding Respekt ab. „Zu jeder Zeit war er positiv. Er hat sich von Tag zu Tag nach vorne gepusht. Raphael ist ein Vorbild für alle deutschen Stabhochspringer“,sagte er.Trotzdem gilt auch für Holzdeppe in Sachen Olympia, was für alle anderen gilt: „Die 5,70 Meter muss er springen.“

Wörtlich:

Rund ums Stadion:

„Zuerst hatten wir überlegt, nur in die LAZ-Halle zu gehen und zu trainieren.“

Stabhochspringerin Lilli Schnitzerling zu den zunächst arg nassen Bedingungen am Samstag

„Ich bin gar nicht richtig vorne angekommen.“

Stabhochspringerin Franziska Kappes zum Kraftverlust im Wettkampf nach drei Wochen Verletzungspause

„It’s raining men!“

Musikalisch passender Einspieler von Jan Rio Krause beim ersten Wolkenbruch während der Männer-B-Konkurrenz am Samstag

„Jetzt ist Sommer. (...) Sommer ist, was in deinem Kopf pas- siert.“

Krauses gleich darauf folgende Song-Aufmunterung.

„Man kann sie schon sehen die Copacabana, da hinten.“

Meeting-Moderator Michael Werling, als Tobias Scherbarth 5,70 Meter – die Olympia-Norm - übersprungen hatte.

„In Zweibrücken gewinnen ist auch ein Lebenstraum von mir gewesen.“

Scherbarths Erklärung, warum nach gesprungener Olympia-Norm und Meeting-Sieg die Luft draußen war und er über 5,81 Meter keinen dritten Versuch mehr springen wollte.

„Hab’ Spaß, der Rest kommt von alleine.“

Silke Spiegelburgs Motto für die Olympia-Saison.

Zugehörige Wettkämpfe

Datum Name Ort
11.–12.06.2016 Himmelsstürmer-Cup 2016 Zweibrücken (Deutschland)