Merkur-Interview mit Josef Scheer, dem Vorsitzenden des LAZ Zweibrücken

Zweibrücken. Die Athleten des Leichtathletikzentrums (LAZ) Zweibrücken eilen von Erfolg zu Erfolg. Bei der U 18-WM in Brixen und der U 20-EM in Kaunas ist LAZ-Nachwuchs vertreten. Geichzeitig ist Kristina Gadschiew für die WM in Berlin qualifiziert. Merkur-Redakteur Werner Kipper sprach mit dem Vorsitzenden des LAZ, Josef Scheer (Foto: pma).

Sind Sie stolz, Vorsitzender des Bundesleistungszentrums in dieser erfolgreichen Phase zu sein?

<blockquote><strong>Scheer:</strong> Da geht es mir wie bei einem Ehegelöbnis „in guten wie in schlechten Zeiten“. Das LAZ erlebt 2008 und 2009 sehr gute Zeiten. Dies macht sehr zufrieden und zuversichtlich. Von Stolz möchte ich weniger sprechen, wir bleiben auf dem oft genannten Teppich. Allerdings weiß ich, dass das LAZ und seine Athleten und Trainer ein deutsches Marken- und Qualitätszeichen geworden sind. Das bedeutet Freude und Verpflichtung!</blockquote>

Was sind für Sie die Gründe des Erfolgs?

Josef Scheer
Josef Scheer
<blockquote><strong>Scheer:</strong> Der Erfolg hat viele Väter. Wir haben eine ausgezeichnete Basis aus der Vergangenheit, wir haben das Glück über hervorragende Trainer und Übungsleiter zu verfügen. Die menschliche und soziale Komponente der Kaderathleten sind weitere Bausteine des Erfolgs. Die Stimmung ist sehr gut.</blockquote>

Wie werden die Erfolge Ihrer Athleten im Umfeld registriert?

<blockquote><strong>Scheer:</strong> Ich kann nur immer wieder sagen, das LAZ Zweibrücken ist eine Größe sowohl in der Region als auch in Deutschland und in der Welt. Unsere Athleten sind ständig bei nationalen und internationalen Meetings unterwegs.</blockquote>

Stehen die Sponsoren nun Schlange?

<blockquote><strong>Scheer:</strong> Die anhaltende und weltweite Wirtschaftskrise greift auch in das Sponsoring ein. Im Sponsoring werden wir neue Wege gehen müssen. Hier gilt es, gegenseitigen Nutzen gut abzuwägen, nicht allein nach dem schnellen Geld zu schielen, das wiederum schnell verloren gehen kann. Wir verhandeln hier mit drei potenten Unternehmen.</blockquote>

Ist nur mit Hilfe der Sponsoren die Wirtschaftlichkeit des LAZ zu sichern?

<blockquote><strong>Scheer:</strong> Das LAZ steht auf soliden Füßen. Allerdings recht dies nicht aus, um große Sprünge zu machen. Ich wünsche mir besonders eine bessere Vergütung für unsere ehrenamtlichen Übungsleiter und Trainer, die für einen „Knopf und einen Klicker“ fleißig arbeiten. Ein weiteres Charakteristikum des LAZ ist eine gewisse Bescheidenheit in finanziellen Dingen. Hier muss ich aber auch auf die großzügige Hilfe des Landessportbundes (LSB) verweisen. Hier erfolgt eine typische Synergie: Das LAZ vertritt das Land Rheinland-Pfalz, das Land fördert die LAZ. Wir werden mit Hilfe der aktuellen und künftigen Sponsoren sicher komfortabler leben können, bleiben aber wie wir sind.</blockquote>

Welche Voraussetzungen müssen weiter geschaffen werden, um das LAZ auf diesem sportlichen Niveau zu halten?

<blockquote><strong>Scheer:</strong> Wir sind auf dem besten aller Wege unterwegs. Talente und Kaderathleten der nächsten Jahre zeichnen sind schon ab, unsere aktuellen Athleten sind jung und haben Zukunft, wir verfügen über ein optimales Netzwerk zu Verbänden, Schulen, Universitäten, regionalen und internationalen Unternehmen. Wir sind dabei, eine optimale Satzung für einen Verein im Spitzensport zu schaffen, ohne unsere Verantwortung im Bereich Kinder und Jugendliche zu vernachlässigen. Wir sind dabei, das LAZ im Bereich Training und Management zu verjüngen.</blockquote>

Wie hat sich die Kooperation mit dem Zweibrücker Hofenfels-Gymnasium als Partnerschule des Sports entwickelt?

<blockquote><strong>Scheer:</strong> Grundsätzlich positiv, Verbesserungen sind immer notwendig und möglich. Die Kontakte zu der Fachschaft Sport des HFG sind sehr gut, nicht zuletzt durch die Kontakte, die Matthias Brockelt pflegt und lebt. Wir werden im neuen Schuljahr eine zweite Trainingsgruppe aus dem HFG haben. Marc Brendamour, Till Wöschler sind Asse des LAZ und Schüler des HFG.</blockquote>

Der Ausbau des Westpfalzstadions ist für das kommende Jahr avisiert. Welche Veränderungen bringt das für das LAZ mit sich?

<blockquote><strong>Scheer:</strong> Das LAZ beansprucht für sich im Prinzip eine taugliche Ausstattung für den Spitzensport in der Leichtathletik und ein besseres Ambiente für einen Bundesstützpunkt mit einem Bundestrainer (Andrei Tivontchik), einen Landesstützpunkt, den Teil eines Olympia-Stützpunkts. Dies ist auch zugesagt. Zudem will das LAZ näher an die Bürger der Stadt und der Region herantreten und Kontakte herstellen. Besonders wichtig ist mir die Kooperation mit dem Partner im Stadion, dem SVN.</blockquote>

Sie gelten als Lehrer als Verfechter der dualen Ausbildung. Brauchen wir in Zweibrücken ein Sport-Gymnasium?

<blockquote><strong>Scheer:</strong> Die aktuellen Veränderungen in den weiterführenden Schulen und Hochschulen gehen alle auf Kosten des Sports und der Freizeit. Dazu geht die Zahl der jungen Menschen drastisch zurück. Hier muss der Sport, aber auch die Politik in Zweibrücken neue Wege suchen und gehen, dazu gehört auch ein Sport-Gymnasium, das ja in der Partnerschule HFG auf den Weg gebracht wurde. Zu einer dualen Ausbildung gehört aber auch ein Partnerunternehmen, das Sportlern auch eine andere wichtige Ausbildung geben kann, die Lehre.</blockquote>
Stabhochspringerin Kristina Gadschiew
Stabhochspringerin Kristina Gadschiew hat den internationalen Durchbruch geschafft. Foto: pma