Das Leichtathletikzentrum (LAZ) Zweibrücken ist „ein mittelständisches Unternehmen“. Dies erklärte beim jüngsten Merkur-Stammtisch der Vorsitzende Josef Scheer. Würde es zu den börsennotierten Unternehmen zählen, so könnten ohne Bedenken Aktienpakete des Bundesleistungszentrums geordert werden. Der Kurs ist in den vergangenen Jahren stetig gestiegen. Dies belegen die elf Kaderathleten des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) nach zuvor neun im Jahre 2009.

Als Expertise darf die Aussage des Technischen Direktors des DLV, Jan Kern, gewertet werden, der Zweibrücken zu den wenigen Zentren in Deutschland zählt, an denen qualifiziertes Hochleistungstraining in den technisch besonders anspruchsvollen Disziplinen, wie Stabhochsprung, Speerwerfen oder im Hürdenlauf, betrieben wird. In diesen Bereichen hätten die Zweibrücker Sportler Weltklasse-Niveau erreicht, wie dies Till Wöschler mit seinen 82,52 Meter mit seinem Titel bei der U 20-WM im Juli nachhaltig unterstrichen hat. Zugleich haben die Stabhochspringer Raphael Holzdeppe und Kristina Gadschiew mit ihren Bestleistungen von 5,80 beziehungsweise 4,60 Meter den Sprung ins Top-Team für die Olympischen Spiele 2012 in London geschafft.

Nicht zu vergessen sind die Hürdenläufer Marlon Odom und Jens Werrmann, die in der deutschen Bestenliste mit 13,50 und 13,51 Sekunden die Plätze zwei und drei einnehmen. Eine enorme Leistungsentwicklung hat auch die Mittelstrecklerin Aline Krebs genommen, die zu den Spitzenläufern des DLV über 800 Meter zählt. Hinzu kommen noch die C-Kaderathleten Daniel Clemens und Michaela Donie aus der Stabhochsprungszene und Speerwerferin Sara-Cathrin Krieg. Mit Lukas Hallanzy und Franziska Kappes gehören zwei weitere Stabhochspringer dem D/C-Kader an.

Fürwahr eine stolze Entwicklung für Zweibrücken und das LAZ, das im 21. Jahr seines Bestehens die Volljährigkeit in vollen Zügen erlangt hat. Besonders sticht heraus, dass das Bundesleistungszentrum in einem Atemzug mit dem USC Mainz und Schlau.com Saar 05 Saarbrücken, mit Vereinen aus den Hauptstädten der Bundesländer, genannt wird.

Doch kommt dies nicht von ungefähr. Die Erfolge sind das Ergebnis einer kontinuierlichen Aufbauarbeit. Sie wurde von Professor Dieter Kruber begonnen, dessen Vermächtnis sich in der Leichtathletikhalle widerspiegelt, und wird heute vom Sportlichen Leiter Karl-Heinz Werle, der zu den Gründungsmitgliedern gehört, und dem seit 2006 amtierenden Vorsitzenden Josef Scheer fortgesetzt.

Mit den qualifizierten Trainern Andrei Tivontchik, auch Bundestrainer der Damen, und Matthias Brockelt ist es zugleich gelungen, auch Perspektiven für die Zukunft aufzuzeigen. Nicht umsonst werden die Voraussetzungen im Westpfalzstadion, zumindest für die Stabhochspringer, mit den vielfältigen Anlagen zu den Weltbesten gezählt.

Die Erfolge des LAZ haben dazu geführt, dass die Vereinsführung im ständigen Dialog mit dem Ministerium in Mainz und dem Landessportbund, aber auch dem Sportbund Pfalz steht, wo die finanziellen Weichen gestellt werden, dass Leistungssport in dieser Größenordnung in Zweibrücken überhaupt möglich ist. Auch die Kooperation der Partnerschule des Sports mit dem Hofenfels-Gymnasium ist ein weiteres Mosaiksteinchen des positiven Bildes.

Damit ist der duale Weg der LAZ-Spitzenathleten vorgezeichnet. Das belegen Raphael Holzdeppe und Till Wöschler mit der Zugehörigkeit zur Sportförderkompanie der Bundeswehr, Jens Werrmann als Bundespolizist sowie und Kristina Gadschiew und Aline Krebs als Studentinnen.

Das birgt auch eine gewisse Verpflichtung für die LAZ-Verantwortlichen, die größten Wert darauf legen, dass die Athleten nach ihrer sportlichen Karriere nicht in ein tiefes Loch fallen. Deshalb ist der LAZ-Vorsitzende bestrebt, mit Firmen in Zweibrücken und Umgebung Kontakt aufzunehmen, um den qualifizierten Sportlern auch berufliche Ausbildungsmöglichkeiten und Perspektiven aufzuzeigen.

In diesem Zusammenhang wird auch das Netz der Sponsoren ständig ausgeweitet, um das mittelständischen Unternehmen LAZ auch finanziell weiter abzusichern. Deshalb hat das LAZ vorsorglich mit seinen Spitzenathleten Zwei-Jahres-Verträge abgeschlossen. Das gibt den Athleten finanzielle Sicherheit und das Bundesleistungszentrum kann mit einem abgestimmten Zeitraum mit seinen Spitzenathleten gezielt werben.

Um weiterhin diese Erfolge zu gewährleisten, müssen sehr viele Räder beim LAZ mit seinen rund 450 Mitgliedern ineinandergreifen, das sportlich noch nie so breit aufgestellt war. Bewährt hat sich die Philosophie des Bundesleistungszentrums, keine Luftschlösser zu bauen, sondern sich auf das Machbare zu versteifen. Der Erfolg hat den Verantwortlichen des Bundesleistungszentrums Recht gegeben. Die wirtschaftliche Talsohle hat den sportlichen Höhenflug des mittelständischen Unternehmens nicht bremsen können.