Das Leichtathletikzentrum (LAZ) Zweibrücken gehört zu den sportlichen Aushängeschildern der Stadt, und seine Sportler sind bei ihren nationalen oder internationalen Starts Botschafter. Der Name Zweibrücken wird unentgeltlich, wenn man einmal von der Vereinsförderung absieht, beworben und ist deshalb auch kein weißer Fleck mehr auf der Landkarte, zumindest auf der sportlichen. Dies hat in der vergangenen Woche der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) nachhaltig unter Beweis gestellt. Zum Top-Team-Kader für die Olympischen Spiele 2012 in London gehören mit den Stabhochspringern Kristina Gadschiew und Raphael Holzdeppe und Speerwerfer Till Wöschler gleich drei LAZ-Athleten. Das ist der verdiente Lohn der Drei, die bereits zum DLV-Aufgebot für die WM in Daegu (Südkorea) Ende August gehört hatten. Allerdings musste Till Wöschler wegen einer Ellenbogenverletzung passen, da sein langfristiges Ziel die Olympiade ist und er dieses Unterfangen unter keinen Umständen gefährden wollte. Vielleicht kann sich die Zahl noch auf vier erhöhen, denn der Hürdensprinter Marlon Odom steht ebenfalls in den Startlöchern. Der 28-Jährige gehört technisch zu den besten deutschen 110-Meter-Hürdenläufern.

Diese Erfolge kommen nicht von ungefähr. Denn vor über 20 Jahren, genau genommen im Jahre 1988, wurde von dem mittlerweile verstorbenen LAZ-Vorsitzenden Professor Dr. Dieter Kruber die Idee entwickelt, in Zweibrücken auf die Karte Leistungssport zu setzen. Zusammen mit dem früheren stellvertretenden Vorsitzenden und ehemaligen sportlichen Leiter Karl-Heinz Werle hat er, allen Unkenrufen zum Trotz, seine Vorstellungen umgesetzt und heute gehört das LAZ zu den führenden Vereinen in Deutschland. Das LAZ kann sich in Rheinland-Pfalz nicht nur mit den traditionellen Vereinen, wie dem USC Mainz und ABC Ludwigshafen messen, sondern hat sie mit der Anzahl seiner Kaderathleten gar überholt.

Zweibrücken gehört zu den Keimzellen für den Frauenstabhochsprung, hier hat Dieter Kruber mit seinem Sohn Helmut Pionierarbeit geleistet und diesen Wettbewerb nicht nur salonfähig gemacht, sondern mit seiner Entwicklung dafür gesorgt, dass er auch bei Olympischen Spielen einen festen Platz einnimmt. Mit der Verpflichtung von Stabhochsprungtrainer Wladimir Ryshich aus Weißrussland ist Dieter Kruber in den 90er-Jahren der nationale und internationale Durchbruch gelungen. In seine Fußstapfen ist nach Ryshichs Wechsel zu ABC Ludwigshafen Andrei Tivontchik getreten. Der Dritte der Olympischen Spiele von Atlanta 1996 hat nach einem Trainerintermezzo in Katar in Zweibrücken wieder Fuß gefasst und ist mittlerweile zum Bundestrainer der Damen und Kaderathleten avanciert. Er ist nicht nur der Heimtrainer von Kristina Gadschiew und Raphael Holzdeppe, sondern im Nachwuchsbereich haben Daniel Clemens und Lukas Hallanzy bereits internationale Erfahrung bei Welt- und Europameisterschaften in ihren Altersklassen gesammelt. Gleichzeitig schicken sich Anna Felzmann und Michaela Donie, die das LAZ bei den Olympischen Jugendspielen 2010 vertrat, an, in die nationale Spitze vorzudringen.

Das ursprüngliche Konzept des LAZ basierte aber nicht nur auf dem Stabhochsprung, sondern auch auf der Sparte Lauf und Hürdenlauf unter Trainer Karl-Heinz Werle. Für internationales Aufsehen sorgte einst Hürdensprinter Jens Werrmann, der seit diesem Jahr für das LAZ Leipzig startet, als Sechster bei der EM 2006 in Göteborg. In seine Fußstapfen ist nun Marlon Odom getreten, dem allerdings noch etwas die Konstanz fehlt.

Die Sparte Wurf unter dem zweiten hauptamtlichen Trainer des LAZ, Matthias Brockelt, wird derzeit vom Überflieger Till Wöschler dominiert. Der U 20-Weltmeister des vergangenen Jahres hat sich bei der U 23-Europameisterschaft auf über 84 Meter gesteigert und sich damit innerhalb von zwei Jahren um über 17 Meter verbessert.

Unter dem Vorsitzenden Josef Scheer, der seit 2006 an der Spitze steht, sind die Voraussetzungen geschaffen worden, dass in Zweibrücken Leistungssport auf hohem Niveau betreiben werden kann. Finanziell können wohl keine Höhenflüge wie bei den Stabhochspringern und Speerwerfern gestartet werden, da die Unterstützung vom Landesportbund zunehmend bröckelt. Zudem drücken fixe Kosten, die durch den Betrieb der vereinseigenen Leichtathletikhalle entstehen.

Darunter haben bisher die Leistungen nicht gelitten. Zumindest soll aber mit dem Ausbau des Westpfalzstadions die Infrastruktur verbessert werden. Auch soll die Zusammenarbeit mit dem Hofenfels-Gymnasium ausgeweitet werden, an dem unter anderem Till Wöschler und Daniel Clemens ihr Abitur abgelegt haben.

Nach rund 23 Jahren darf gesagt werden, dass das Konzept des LAZ, sich auf das Machbare in den verschiedenen Leichtathletik-Sparten zu konzentrieren, aufgegangen ist. Und Till Wöschler kann nur beigepflichtet werden, der sich damit brüstet, in Zweibrücken alles vorzufinden, was ein Hochleistungssportler zu seiner positiven Entwicklung braucht.