Beim Leichtathletikzentrum (LAZ) Zweibrücken wird Leistungssport betrieben. Das besagt nicht nur die Satzung nach ihrer Änderung bei der jüngsten Mitgliederversammlung, sondern das ist seit über 20 Jahren der Anspruch des Vereins. Dabei ging die Taufe des LAZ nicht reibungslos vonstatten. Professor Dieter Kruber, der mit dem heutigen sportlichen Leiter des LAZ, Karl-Heinz Werle, den Schritt wagte, hatte mit allerlei Geburtswehen zu kämpfen. Doch sie hatten nicht mit der Beharrlichkeit und dem Durchsetzungsvormögen von Dieter Kruber gerechnet. Bis zu seinem Tod im Juli 2005 hatte er „sein LAZ“, sein Lebenswerk, mühsam aufgebaut, und mit der gleichnamigen Halle im Westpfalzstadion ehrt der Verein sein Vermächtnis.

Mit der Leichtathletikhalle im Ensemble mit dem Westpfalzstadion wurde erst der Grundstein gelegt, ganzjährig in Zweibrücken zu trainieren. Wurde damit ein einzigartiges Trainingszentrum in Zweibrücken geschaffen, dessen Strahlkraft seine Wirkung nicht verfehlt hat.

Zunächst weitestgehend auf Stabhochsprung kapriziert, versammelten sich ein Mal jährlich die nationalen und internationalen Asse in der Westpfalzhalle beim „Stabhochsprung-Meeting der Weltelite“. Peu à peu entwickelte sich ein Verein, dessen Leistungen national und international Bahn brachen.

Was viele bereits vergessen haben, Zweibrücken ist die Wiege des Frauenstabhochsprungs. Denn Dieter Kruber und sein Sohn Helmut sind missionarisch durch die Welt gezogen und haben für diese Sportart geworben. Mit sehr viel Herzblut hat der Sportwissenschaftler an der Uni Landau in Zweibrücken etwas aufgebaut, das seinesgleichen sucht. Dass der Frauenstabhochsprung heute olympische Sportart ist, ist der Invasion aus Zweibrücken zu verdanken. So sprang beispielsweise Andrea Müller, „ein Kind des LAZ“, am 5. August 1995 mit 4,18 Metern Weltrekord.

Die Anerkennung blieb Dieter Kruber nicht versagt, denn Zweibrücken erhielt den Status eines Bundesleistungszentrums, das an den Olympiastützpunkt Rheinland-Pfalz/Saarland angegliedert worden ist. Vor einigen Jahren auf wackligen Beinen wurde der Aufbauarbeit des Professors Rechnung getragen, und heute ist das LAZ als leichtathletischer Nährboden nicht mehr wegzudenken. Bei den Sportverbänden, im rheinland-pfälzischen Innenministerium in Mainz und beim Deutschen Leichtathletikverband (DLV) – Präsident Helmut Digl hielt zum Zehnjährigen die Laudatio in der Karlskirche – ist das LAZ eine feste Größe.

Die ersten sportlichen Pflöcke, abgesehen von den deutschen Jugendmeisterschaften 1989 von Heiko Heintz (100 Meter) und Margot Kruber (Speerwurf), rammte Andrei Tivontchik unter Trainer Wladimir Ryshich 1996 ein. Der heutige Bundestrainer der Stabhochsprung-Damen sicherte sich 1996 bei den Olympischen Spielen in Atlanta die Bronzemedaille mit 5,95 Metern. Und Ryshichs Töchter Nastja und Lisa ließen den Hallen-WMTitel und den Jugend-WM-Titel 2003 folgen. Der Erfolg war in Zweibrücken angekommen.

Als nach dem Zerwürfnis mit Wladimir Ryshich das sportliche Gerüst etwas ins Wanken geraten war, schaffte es Kruber mit der Verpflichtung Andrei Tivontchiks, der ein kurzes Trainergastspiel in Katar gegeben hatte, das LAZ wieder zu etablieren. Dessen Schüler Raphael Holzdeppe schaffte es, als zweifacher Junioren-Weltrekordler und Olympia-Achter bei den Olympischen Spielen in Peking international für die Aufbauarbeit in Zweibrücken ein Zeichen zu setzen.

Der 19-Jährige steht stellvertretend für die mittlerweile breit gefächerte, akribische Nachwuchsarbeit der Athleten, aus der auch die WM-Zehnte von Berlin im Stabhochsprung, Kristina Gadschiew, erwachsen ist. Komplettiert wird das Erfolgstrio durch den Hürdensprinter Jens Werrmann, dem EM-Sechsten 2006 von Göteborg. Nach zweijähriger Verletzungspause ist es dem Schützling von Karl- Heinz Werle gelungen, wieder Anschluss an die nationale Spitze zu finden.

Doch mit Speerwerfer Till Wöschler und den Stabhochspringern Daniel Clemens sowie Natasha Benner steht schon die nächste Generation in den Startlöchern. Unter der neuen Vereinsführung mit Josef Scheer an der Spitze wird den Athleten ein optimales Umfeld unter dem zweiten hauptamtlichen Trainer Matthias Brockelt, dazugehört auch noch Helmut Kruber als Trainer der ersten Stunde, angeboten.

Im Gegensatz zu den Anfängen ist das LAZ mit seinen über 400 Mitgliedern heute breiter aufgestellt, hat sich weitere Standbeine geschaffen, wenngleich die größten Erfolge auf dem Stabhochsprung basieren. Aus „dem kleinen Nest“, wie es einmal ZDF-Reporter Peter Leisl nannte, schlüpfen ständig neue Spitzenathleten. Der LAZ ist ein erfolgreicher Botschafter Zweibrückens. Die Beharrlichkeit und der Weitblick von Dieter Kruber haben sich ausgezahlt.

Das ist für Josef Scheer und sein Team Verpflichtung, wenngleich sich die finanziellen Rahmenbedingungen in den vergangenen Jahren entscheidend geändert haben.