Julian Derstroff hat es geschafft. Der 20-Jährige hat sein Debüt in der Ersten Bundesliga beim 1. FC Kaiserslautern in München gefeiert. Ein Traum ist für den Zweibrücker in Erfüllung gegangen. Nach seinem Fachabitur an den Berufsbildenden Schulen in Zweibrücken im vergangenen Sommer hat er den Sprung in den Profi-Fußball gewagt. Der erste Schritt ist ihm mit der Einwechslung in der Allianz-Arena nach 64 Minuten gegen Bayern München gelungen. Bei Trainer Marco Kurz hat er einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen, und Werbung in eigener Sache hat er mit einer eindrucksvollen Leistung in der zweiten Halbzeit gegen Mönchengladbach betrieben. Er hat das Sturmspiel belebt. Getrübt wurde seine Glücksgefühle allein durch die 0:2- und die 1:2-Niederlagen bei den Bayern beziehungsweise gegen die Gladbacher.

Dem Stürmer ist es gelungen, wovon viele Fußball-Talente träumen, Profi zu werden und den Sprung in die Bundesliga zu schaffen. Er ist ein echter „Betze-Bub“, der die Westkurve aus dem Effeff kennt. Und der FCK-Vorstandsvorsitzende Stefan Kuntz hat das Talent mit einem Profi-Vertrag an seinen Verein gebunden.

Aber, was auf den ersten Blick so glänzend aussieht, hat beim zweiten auch eine Geschichte. Seine ersten fußballerischen Gehversuche hat Julian Derstroff beim SV Ixheim absolviert, ehe er 2002 zum FCK wechselte. Hier durchlief er alle Nachwuchsmannschaften und schaffte auch den Sprung in die Auswahlmannschaften des Südwestdeutschen Fußball-Verbandes. Hinter dieser eindrucksvollen Karriere steckt eine Reihe von Entbehrungen, stecken unzählige Fahrten von Ixheim auf den Betzenberg oder ins FCKTrainingszentrum Fröhnerhof, wo der talentierte Fußballer gefördert worden ist. Hier wurde der Grundstein gelegt, wurde das Talent Julian Derstroffs von qualifizierten Trainern gefördert. Die Krönung war im Sommer die Unterschrift unter den Profivertrag. Was Julian Derstroff neben seinen fußballerischen Fähigkeiten auszeichnete – sein Bruder Florian spielt beim Bezirksligisten VB Zweibrücken – dass er seinem Wunschziel alles unterordnete. Fast tägliches Training erfordert ein Zeitmanagement, in dem auch den schulischen Belangen Rechnung getragen werden musste. Das erfordert Konsequenz. Aber auf zwei Schultern Wasser zu tragen, das ist nur schwer unter leistungssportlichen Gesichtspunkten zu stemmen. Daraus hat er seine Lehren gezogen und nach dem Fachabitur den Sprung in den Profi-Zirkus gewagt. Aber schon zu Beginn hat er einen Rückschlag erlitten. Eine schwere Fußverletzung hat ihn die gesamte Vorrunde gekostet. Dabei hat er gespürt, wie schnell eine Karriere zu Ende sein kann, ehe sie erst richtig begonnen hat. Deshalb hat beim jüngsten Merkur-Sportstammtisch der Vorsitzende des Leichtathletikzentrums Zweibrücken, Josef Scheer, noch einmal betont, dass die LAZ-Spitzenathleten eine duale Ausbildung anstreben, um sich ein zweites berufliches Standbein zu schaffen. Diesen Ratschlag nehmen Stabhochspringer Raphael Holzdeppe und Speerwerfer Alexander Vieweg ernst. Sie sind an der Fern-Uni in Ansbach eingeschrieben. Dabei genießen sie als Leistungssportler zweifellos Privilegien und brauchen sich über Regelstudienzeiten keine Gedanken zu machen.

Dass Hochleistungssport und Studium durchaus zu verbinden sind, zeigt auch Stabhochspringerin Kristina Gadschiew. Die 27-Jährige steht kurz vor dem Abschluss ihres Lehramtsstudiums für Chemie und Sport an der TU in Kaiserslautern. Sie hat beim Sportstammtisch hinlänglich darauf hingewiesen, dass sie nur in äußersten Notfällen auf Verschiebung von Klausuren wegen unaufschiebbarer Trainingslager oder internationaler Wettbewerbe gepocht habe. Dies sei aber immer mit den Professoren abgestimmt worden. Und mit dieser Methode sei sie gut gefahren. Deshalb hatte sie bisher auf ein Urlaubssemester verzichtet. Wenn es allerdings der Vorbereitung auf die Olympiade in London dienlich wäre, würde die Hornbacherin Überlegungen anstellen.

Ähnlich verhalten sich auch die Schwimmer der Wsf Zweibrücken, wie etwa Frank Schmidt als Polizeikommissar oder sein Bruder Florian, der eine Lehre bei der Gewobau in Zweibrücken absolviert. Neil Pallmann hat wegen seines Studiums sein Trainingspensum teilweise reduziert, während Marlene Hüther, Nele Suthoff und Vanessa Dehaut das Sportgymnasium Rotenbühl besuchen, um Leistungssport und Schule zu vereinbaren.

Wohl ist der Fußball mit der Leichtathletik und dem Schwimmen, was die finanzielle Entlohnung betrifft, nicht zu vergleichen. Bei fast gleichem Trainingsaufwand klaffen gewaltige Unterschiede. Zudem haben der Leichtathlet oder die Schwimmer als Einzelsportler ein höheres Risiko zu tragen. Während sich der Fußball-Profi in wenigen Jahren eine Existenz aufbauen kann, braucht der Leichtathlet schon einen Olympiasieg. „Dann hätte ich ausgesorgt“, erklärt Raphael Holzdeppe.

Voraussetzung ist beim Fußball-Profi wie beim Leistungssportler, dass er gesund bleibt. Sein Körper ist sein einziges Kapital, das er verzinsen kann.