Zweibrücken. Eigentlich hätte die Sommersaison von Stabhochspringer Raphael Holzdeppe ganz anders verlaufen sollen: Einstieg am 12. Mai beim Meeting in Athen, dann Diamond-League-Meetings in Shanghai, in Eugene/USA und im norwegischen Oslo. Doch die Fußverletzung von der Hallen-DM Ende Februar in Leipzig und die anschließende Operation bremste den 26-Jährigen aus. Nun gibt er am Sonntag ab 15.25 Uhr bei der deutschen Meisterschaft in Kassel seinen Saisoneinstand – immer auf der Jagd nach der EM- und Olympia-Norm.

Eigentlich wollte er ja spätestens am vergangenen Sonntag beim Himmelsstürmer-Cup seines Vereins LAZ Zweibrücken erstmals in diesem Sommer im Wettkampf springen, doch da kam eine Muskelverhärtung dazwischen. „Ich bin beim Einspringen auf der Oberschenkelrückseite fest geworden und wollte kein Risiko eingehen“, erklärt Holzdeppe seinen spontanen Startverzicht. „Ich war dann beim Arzt,um zu sehen,ob mich mein Gefühl hinsichtlich der Verhärtung nicht trügt, und es nicht doch schlimmer ist.“Laut Arzt hatte er aber richtig gelegen, am Donnerstag sollte das Problem wieder behoben sein.

Koordination und Kraft standen laut Heimtrainer Andrei Tivontchik auf dem Wochenplan. Gesprungen ist Holzdeppe im Training nicht mehr, um auch hier kein Risiko einzugehen. „Die letzten Wochen waren ziemlich trainingsintensiv“, verdeutlicht Holzdeppe, warum er sich trotz der kleinen Blessur gut fühlt. „Die letzte Sprungeinheit war sehr, sehr gut“, finden sowohl der Trainer als auch sein Athlet und sind deshalb hinsichtlich der deutschen Meisterschaft am Wochenende in Kassel relaxt. „Mein Leistungsniveau liegt bei 5,70 oder 5,75 Meter“, glaubt Holzdeppe – in etwa die Norm für die EM in Amsterdam vom 6. bis 10. Juli (5,65 m) und Olympia in Rio de Janeiro im August (5,70 m). Bisher hat das mit dem Leverkusener Tobias Scherbarth erst ein Deutscher geschafft.

Sein Fuß sei schon länger ausgeheilt, eine stützende Manschette brauche er nicht mehr, so Holzdeppe. „Ich trainiere jetzt wie vorher. Seit etwa drei Wochen bin ich wieder bei 100 Prozent“, sagt er. Die Belastung sei Stück für Stück gesteigert worden. „Wir haben super trainiert und versucht, alles aufzuholen“, sagt Andrei Tivontchik dazu. Die Zeit war aber schon knapp bemessen, die Vorbereitung arg komprimiert, weiß der Trainer, der für seinen Athleten in Kassel vor allem auf gute äußere Bedingungen hofft.

„Ich springe bei der DM noch nicht aus dem vollen Anlauf mit 18 Schritten, sondern aus 14 Schritten“,erklärt Holzdeppe, der in Kassel – ohne Saisonhöhe bisher – mit einer Ausnahmegenehmigung starten darf. Der kürzere Anlauf sei kein Problem, findet Tivontchik; im Winter sei Holzdeppe im Zelt in Merzig aus 14 Schritten auch über 5,70 Meter gesprungen. „Ich würde natürlich in Kassel gerne meinen Titel verteidigen, aber im Vordergrund steht: die Norm springen“, blickt dieser voraus. „Hoffentlich kann ich nach dem Wochenende einen Haken dahinter machen.“

Falls es damit und mit einem EM-Start nicht klappen sollte, hat er in dieser „Schlag-auf-Schlag-Saison“ noch einen Plan B. „Bis Donnerstag nächste Woche beim Meeting in Madrid bin ich verplant. Sollte es mit der EM nicht klappen, habe ich eine Liste mit Wettkämpfen, die ich stattdessen angehe.“ Und Tivontchik meint: „In Sachen Olympia ist bis nach der EM ja noch alles offen".