Was für ein schöner Sonntagmorgen. Ich bin spät ohne Wecker aufgewacht, weil ich auch spät ins Bett kam. Die Sonne schien ins Zimmer, und drüben auf dem City-Airport war nichts zu sehen und nichts zu hören. Nur im Hafenbecken trainierten die Ruderer. Ansonsten Sonntagsruhe. Kein Start, keine Landung. Wenngleich ich sagen muss: Sie können gerne mal eins von den rund zehn Hotels dort buchen, die dort aus dem Boden wuchsen, rundherum um das ExCel, wo bei Olympia so viele Entscheidungen fielen. Im Ringen, Fechten oder Gewichtheben.

Ich habe mir genüsslich die Stabhochsprung-Qualifikation von der Tribüne angesehen, immer an Raphael Holzdeppe geglaubt, in der Sonne sitzend, nachdem ich einen Ordner ausgetrickst hatte. Er wollte mich nicht zu Holzdeppe-Coach Andrei Tivontchik auf die Ränge lassen. Aber er wusste halt nicht, dass ich Pfälzer bin und so meinen Dickkopf habe ...

Gegenüber Olympia hat sich nichts verändert. Die Menschen, die bei dieser WM für Ordnung zu sorgen haben, sind ja so was von angenehm freundlich. Das Publikum: einzigartig. Umso mehr war ich geschockt, dass Justin Gatlin gerade von diesem Publikum, das für seine Fairness gepriesen wird, so gnadenlos ausgebuht wurde.

Ich kam auch deshalb spät ins Bett, weil ich mir die Pressekonferenz mit Bolt, Gatlin und Coleman nicht entgehen lassen wollte. Das Finale war um 21.50 Ortszeit herum, wir warteten bis 23.25 Uhr, da gab sich das Trio für 25 spannende Minuten die Ehre.

Die „magische Nacht, Usains Nacht“, das waren Gatlins Worte, hatte auch für mich, den ausgesprochenen Bolt-Fan, zauberhafte Züge. „The man“, wie Gatlin Supermann Bolt immer nur nannte, wirkte nachdenklich, ruhig, drehte seinen Kaffeebecher in der Hand. Wirkte ernsthaft. Ja, irgendwie menschlich. Er ist und war keine Maschine. Wie der seine Niederlage am Samstagabend wegsteckte! „Ich gab mein Bestes, aber es war nicht gut genug“, sagte er.

Unaufgeregt blieb er bis zu jenem Moment, als eine Journalistin die Frage stellte, ob die langsamen Finalzeiten mit einem erfolgreichen Anti-Doping-Kampf zu tun hätten. „Moment mal. Wie bitte?“, schäumte Bolt, „das ist respektlos. Es war langsam, aber wir haben eine gute Show geliefert“. Die Zielrichtung der Frage war klar: Justin Gatlin, dem Bolt zur Seite sprang: „Er hat die Pfiffe nicht verdient, er hat seine Zeit abgesessen“. Gatlin meinte, er sei kein „Bad Boy“, sei fair, gebe Interviews, arbeite hart, inspiriere die Jugend. „Und ihr“, sagte er zu den Journalisten, „sitzt rum und tippt auf eure Computer.“ Christian Coleman übrigens, der Youngster, war nur Zuhörer und meinte: „Ich bin stolz, mit den beiden auf einem Podium zu sein.“

Zugehörige Wettkämpfe

Datum Name Ort
04.–13.08.2017 Weltmeisterschaften 2017 London (England)