Muskelverletzung hat LAZ-Stabhochspringer Raphael Holzdeppe zurückgeworfen – DM letzte Chance

LAZ-Stabhochspringer Raphael Holzdeppe, der wegen einer Muskelverletzung erst verspätet in die Saison eingestiegen ist, versucht am Samstag bei der DM in Ulm, sich noch die WM-Fahrkarte zu sichern.

Zweibrücken. „Mir fehlt einfach die Sprungpraxis“, bringt es Raphael Holzdeppe auf den Punkt. Der ambitionierte Stabhochspringer des Leichtathletikzentrums (LAZ) Zweibrücken musste wegen einer Oberschenkelverletzung im Trainingslager in Cesenatico rund acht Wochen auf jegliches Sprungtraining verzichten und stieg verspätet in die WM-Saison ein. „Mir fehlen allein rund 120 Trainingssprünge, wenn ich von wöchentlich zwei Sprungeinheiten ausgehe“, listet der 19-jährige Abiturient auf.

Das hat gravierende Folgen nach sich gezogen, wie der Olympia-Achte von Peking erkannt hat. Denn er konnte erst Anfang Juni in die WM-Saison einsteigen und hat bis zur Deutschen Meisterschaft in Ulm an diesem Samstag gerade einmal sechs Wettkämpfe bestritten.

Wohl hat sich der U 20-Weltmeister und zweifache Junioren-Weltrekordler mit einer Bestleistung von 5,80 Metern kontinuierlich von 5,40 Metern in Ingolstadt auf 5,60 Meter bei der Junioren-Gala in Mannheim gesteigert. Doch hinkt er immer noch der WM-Norm von 5,70 Metern, wie vom Deutschen Leichtathletik-Verband gefordert, hinterher. Darüber kann auch die Deutsche Juniorenmeisterschaft am vergangenen Wochenende mit 5,50 Metern nicht hinwegtäuschen. Ursache ist, dass „ich meinen Rhythmus noch nicht gefunden habe“, erklärt er. Was bedeutet, dass ihm die Sicherheit beim Absprung fehlt. „Bis zur Hälfte meines 16-Schritte-Anlaufes ist alles noch normal. Doch bei den letzten drei Schritten vor dem Absprung fehlt die Feinabstimmung.“ Das verunsichert.

In dieser Dimension habe er die Folgen der Verletzung nicht erwartet. „Zunächst war ich einmal froh, dass ich überhaupt wieder springen konnte“, blickt er zurück. Zunächst musste er mit der Situation fertig werden. „Entweder war ich bisher gesund und konnte die ganze Saison über springen, oder ich war verletzt und musste die Saison abhaken.“ Als Seiteneinsteiger hat der Nachwuchssportler des Jahres 2008 keine Erfahrung.

Dennoch hat er die Hoffnung noch nicht aufgegeben. „Die WM ist mein erklärtes Ziel. Und um das zu erreichen, werde ich am Samstagnachmittag in Ulm mein Bestes geben.“ Noch gut in Erinnerung ist ihm die Situation des vergangenen Jahres, als er sich als Dritter mit 5,75 Metern in Nürnberg noch die Fahrkarte für die Olympischen Spiele in Peking sicherte. „Warum soll mir in Ulm nicht Ähnliches gelingen?“, fragt er rhetorisch zurück.

Während er sich selbst nicht unter Druck setzt – „ich habe keine schlaflosen Nächte“ – ist die Erwartungshaltung durch seine Erfolge des Vorjahres im Umfeld doch gestiegen. Er selbst hatte sich zu Beginn des Jahres einen Plan zurechtgelegt. Für das Abitur opferte er die Wintersaison, um dann frei von jeglichem schulischen Ballast in die Sommersaison einzusteigen. „Bis zur Verletzung in Italien ist mein Plan super aufgegangen“, resümiert er. „Doch durch die Verletzung sind alle Pläne über den Haufen geworfen worden.“ Da die anderen deutschen Stabhochspringer, außer Alexander Straub (LG Filstal), bisher „noch nicht so richtig in Fahrt“ gekommen sind, wittert Raphael Holzdeppe noch seine Chance. „Voraussetzung ist allerdings, dass ich am Samstag die Norm erfülle.“ Um das zu erreichen, ist heute noch eine Technik-Einheit mit Trainer Andrei Tivontchik vorgesehen. „Ansonsten laufen wir viel, nachdem wir in den vergangenen Wochen einige Krafteinheiten für den Oberkörper eingestreut hatten.“

Deshalb beruhigt ihn auch sein Trainer: „Noch ist nichts verloren.“ Dennoch weiß der 19-Jährige, dass er am Samstag alles riskieren muss. „Falls es nicht gelingt, springe ich auf jeden Fall bei der U 20-EM in Serbien Ende Juli. Ansonsten drücke ich den deutschen Athleten bei der WM in Berlin von der Tribüne aus die Daumen.“

Raphael Holzdeppe bei den Olympischen Spielen
Bilder des jubelnden Raphael Holzdeppe, wie hier bei den Olympischen Spielen, waren im vergangenen Jahr Standard. In diesem Jahr hat den 19-Jährigen eine Verletzung zurückgeworfen. Foto: pma