Gold zu WM-Beginn durch Christina Schwanitz, Gold am WM-Ende durch Katharina Molitor: Die gesamte deutsche Nationalmannschaft stand gestern in der Zielkurve des „Vogelnestes“ in Peking wie eine Eins hinter den vier deutschen Speerwerferinnen und feierte dann Molitors letzten Versuch der Konkurrenz, der als goldener bei 67,69 Metern vom Himmel fiel.

„Einfach nur supergeil. Ich habe nicht damit gerechnet, dass man mit 67,69 Metern gewinnen kann und schon gar nicht mit Katharina, aber ich freue mich riesig für sie, weil sie schon zehn Jahre dabei ist und immer unter den ersten Acht war“, sagte ihr Trainer Helge Zöllkau, der schon Steffi Nerius zum WM-Gold 2009 und Linda Stahl zum EM-Gold 2010 führte. Bundestrainerin Maria Ritschel meinte direkt nach dem Goldwurf mit Tränen in den Augen: „Unglaublich, eins, vier und sechs hatten wir noch nie.“

Titelverteidigerin Christina Obergföll (35) kam mit ihren 64,61 Metern aus dem dritten Versuch auf Platz vier, Christin Hussong (21) vom LAZ Zweibrücken mit 62,98 Metern aus dem vierten Versuch auf Platz sechs. Linda Stahl belegte Rang zehn (59,88 m). „Ich bin super zufrieden. Erste WM mit 21 und dann Sechste, was will ich mehr? Ich hätte fürs Treppchen schon meine Bestleistung werfen müssen, von daher ist alles gut“, sagte Hussong. Die Bestleistung von 65,92 Metern hatte sie als Erste der Qualifikation geworfen, aber, so sagte sie: „Eine Qualifikation ist etwas anderes als ein Finale. Ich bin als Siebte hierhergekommen und fliege als Sechste heim.“ Außerdem war gestern das Wetter schlechter, die Athletinnen mussten sich bei Regen aufwärmen und einwerfen, wodurch sich das schwächere Niveau erklärt.

Katharina Molitor hatte sich mit ihrem dritten Versuch auf 64,74 Meter an die Spitze des Feldes gesetzt, was bedeutete, dass sie die nächsten drei Versuche immer als Letzte eines Durchgangs werfen konnte. „Das war ein Vorteil, ich konnte kontern, das war perfekt“, sagte sie.

Mit 65,79 Metern ging die Südafrikanerin Sunette Viljoen (31) im vierten Versuch in Führung, mit 66,13 Metern zog die Chinesin Lyu Huihui (26) an ihr vorbei. Die Chinesen feierten Lyu schon als Siegerin, als Katharina Molitor „alles in den letzten Wurf reinlegte. Es war in der Saison schon oft so, dass ich im letzten am weitesten geworfen habe. Das habe ich mir noch mal ins Bewusstsein gerufen“, sagte sie.

„Christina und ich sahen sofort, dass der Speer verdammt weit fliegen wird“, erklärte Zimmerkollegin Hussong. Zöllkau lobte: „Es war ein wunderschöner Wurf. Katharina hat versucht, das alles abzuwarten und nicht gleich draufzuballern.“ 31 ist sie, stammt aus Bedburg im Rhein-Erft-Kreis bei Köln und studiert Geografie und Sport auf Lehramt. Erst vor wenigen Wochen hatte sie ihre Bestleistung auf 66,40 Meter gesteigert und nach 2010 ihren zweiten deutschen Meistertitel geholt. 2005 hatte sie Silber bei der U23-EM gewonnen. Nebenbei spielt sie Volleyball in der Zweiten Liga: „Aber nicht während der Leichtathletiksaison, aber ich freue mich jetzt schon wieder auf den Winter.“

Die zurückhaltende Weltmeisterin gestand: „Ich habe im Vorfeld vielleicht von einer Medaille geträumt, aber dass es die goldene wird, daran habe ich nicht gedacht.“ Christin Hussong jedenfalls freute sich riesig mit Molitor: „Sie war so viele Jahre immer die Dritte im Bunde und nie ganz vorne dabei.“

Zugehörige Wettkämpfe

Datum Name Ort
22.–30.08.2015 Weltmeisterschaften 2015 Peking (China)