Christin Hussong erzielt in der Speerwurf-Qualifikation mit 65,92 Metern nicht nur einen neuen Deutschen U23-Rekord, sondern auch die größte Weite der gesamten Konkurrenz. Drei weitere Deutsche stehen im Finale.

Peking. Etwas ungläubig blickte Christin Hussong zunächst noch hoch zur Anzeigetafel. Als dann die Ziffernfolge 65,92 im Pekinger „Vogelnest“ aufleuchtete, huschte ein breites Grinsen über das Gesicht der 21-Jährigen und sie klatschte sofort mit Teamkollegin Linda Stahl ab. Im letzten Durchgang feuerte die U23-Europameisterin nicht nur eine persönliche Bestleistung und einen Deutschen U23-Rekord raus, sondern auch die größte Weite der gesamten Konkurrenz. „So spannend wollte ich es eigentlich nicht machen . . . aber egal! Ich steh im Finale mit unfassbaren 65,92 m“, schrieb die Speerwerferin vom LAZ Zweibrücken kurz nach der Qualifikation auf ihrer Facebook-Seite. „Vor dem dritten Versuch war mein Puls auf 200“, gestand sie.

„Vor dem dritten Versuch war mein Puls auf 200.“

Christin Hussong

Hin und weg nach Hussongs Hammerwurf war auch Disziplin-Kollege Alexander Vieweg. „Total geil. Sie kann jetzt völlig ohne Druck ins Finale gehen“, schwärmte der sportliche Leiter des LAZ.

Erleichtert und überglücklich war auch Weltmeisterin Christina Obergföll. „Das war echt krass! Das war schon ein Riesenstein, der mir da vorhin vom Herzen gefallen ist“, sagte die 34-Jährige am Freitag nach ihrem ersten Auftritt bei den Leichtathletik-Weltmeisterschaften. Neben Obergföll (Offenburg/64,10 Meter) kämpfen auch Linda Stahl (Leverkusen/63,52) und die deutsche Meisterin Molitor (Leverkusen/63,23) an diesem Sonntag um die Medaillen.

64,10 Meter im dritten und letzten dem Drama in drei Akten hatte Obergföll ihr erstes Ziel zwar erreicht, ihr WM-Comeback zwei Jahre nach dem Goldgewinn in Moskau wäre um ein Haar in die Hose gegangen. Und der wütende Schrei passte dann auch ins Bild: „Scheiße!“, brüllte sie nach dem zweiten Durchgang, vorher hatte sie den verkorksten Wurf ungültig gemacht. Auch der erste ging völlig daneben: Der Speer stieg viel zu steil an und landete fünf Meter außerhalb des Sektors.

„Da geht dir nach dem zweiten Wurf ganz schön der Senkel. Denn du denkst: Wenn der dritte jetzt nicht passt, dann ist es vorbei“, erklärte die Athletin von der LG Offenburg. Ihr Ehemann und Trainer Boris Obergföll fieberte auf der Tribüne mit, helfen konnte der ehemalige Weltklasse-Speerwerfer seiner Christina aber nicht. „Wenn ich wüsste, was da los war. Ich hab’ einen ganz schönen Puls gehabt, bis der Wurf raus war“, sagte der Bundestrainer. „Gott sei Dank hat es dann geklappt.“

Auch Molitor musste zunächst einmal zittern. Und an das Jahr 2013 denken. „Bei der WM in Moskau bin ich auch knapp gescheitert“, sagte die 31-Jährige. Sieben Zentimeter fehlten ihr damals zum Finale. Im Pekinger „Vogelnest“ steigerte sich Molitor im dritten Versuch noch auf 63,23 Meter Finale.

Der entscheidende Wurf: „So spannend wollte ich es eigentlich nicht machen“, gestand Christin Hussong. Die U23-Europameisterin steht damit in Peking im WM-Finale.
Der entscheidende Wurf: „So spannend wollte ich es eigentlich nicht machen“, gestand Christin Hussong. Die U23-Europameisterin steht damit in Peking im WM-Finale. Foto: Lee Jin-man/dpa

Zugehörige Wettkämpfe

Datum Name Ort
22.–30.08.2015 Weltmeisterschaften 2015 Peking (China)