Leichtathletik: Eine tolle Flugshow mit zwei neuen Meeting-Rekorden boten gestern die Stabhochspringer beim vierten Himmelsstürmer-Cup des LAZ Zweibrücken, vor allem die Männer. 800 Zuschauer verfolgten im Westpfalzstadion wie Sieger Carlo Paech mit ganz starken 5,80 Metern eine neue Bestleistung sprang, Weltmeister Raphael Holzdeppe zurück zu alter Stärke findet – und mit viel Spaß die klasse Rekordsprünge von Hichem Cherabi.

Zweibrücken. „Wahnsinn, Neunter mit 5,50 Metern. Woanders gewinnt man damit Meetings“, meinte Stadionsprecher Michael Werling gestern bei der Ehrung von LAZ-Springer Daniel Clemens. Damit brachte er es auf den Punkt: Der vierte Himmelsstürmer-Cup des Leichtathletik-Zentrums Zweibrücken (LAZ) gestern im Westpfalzstadion war eine klasse Veranstaltung. Der Leverkusener Carlo Paech gewann in neuer Bestleistung mit 5,80 Metern bei den Männern, seine Vereinskameradin Silke Spiegelburg mit deutscher Jahresbestleistung von 4,60 Meter bei den Frauen.

Dass der gebürtige Berliner Paech, Deutscher Hallenvizemeister, Lokalmatador Raphael Holzdeppe ausstach, die 5,80 Meter im dritten Anlauf überwand, während der bis dahin führende Holzdeppe dreimal riss, tat der tollen Stimmung keinen Abbruch. „Ich bin zum ersten Mal hier gesprungen, das wird mir in guter Erinnerung bleiben“, sagte der 22-Jährige, der von Bundestrainer Jan Elberding trainiert wird. Kein Wunder: Angereist war der Sportsoldat mit einer Bestleistung von 5,70 Meter, gestern legte er noch zehn Zentimeter drauf. „Das war ein elendig langer Wettkampf, am Anfang mit hohen Temperaturen, das schlaucht schon“, erzählte er.

Deshalb verzichtete er darauf, drei weitere Sprünge über eine Höhe nach Wunsch zu absolvieren. „Ich muss das erst mal sacken lassen“, sagte er auf die Frage nach seinen Zielen. Das WMTicket scheint zum Greifen nah, darüber reden will er nicht. „Ich will mich in den Höhen um 5,70 Meter stabilisieren. Entschieden wird das bei der deutschen Meisterschaft Anfang Juli. Bis dahin sag ich nichts“, fügte er an.

Seinen Startplatz bei der Weltmeisterschaft hat Raphael Holzdeppe als Titelverteidiger sicher. Sie ist sein großes Ziel. „Bis dahin will ich so in Form kommen, dass ich Sprünge von 5,80 bis 5,90 Meter anbieten kann“, sagte er. Mit den gestern gezeigten Sprüngen und der erreichten Höhe war er zufrieden. „5,70 ist eine Höhe, mit der man vorne mitspringen kann“, bemerkte er, „mein Ziel ist es, so viele Sprünge wie möglich zu machen“.

„Wenn man zweimal nicht zur deutschen Meisterschaft fahren kann, weil man wegen Verletzungen die Saison beenden muss, dann fehlen sehr viele Sprünge, die kann man nicht in drei, vier Monaten aufholen“, erklärt der 25-Jährige, der sich jetzt im „Wettkampfrhythmus“ fühlt. Schon am Wochenende startet er in Russland bei der Team-EM für Deutschland, „da will ich meinen nächsten Schritt machen“. Den Heimwettkampf hat er sichtlich genossen, schrieb am Ende viele Autogramme und posierte für Fotos. „Das war ein super Feld, das hat Spaß gemacht.“

Spaß hat es auch Daniel Clemens gemacht, obwohl er seine Leistung „mit einem lachenden und einem weinenden Auge“ sah. 5,50 Meter schaffte er im dritten Versuch – endlich mal wieder. „Wie viel Luft bei 5,50 noch war, eigentlich muss da auch eine 5,60 gehen. Vielleicht war ich übermotiviert“, bemerkte er. Für seine Versuche über 5,50 Meter griff er zu einem härteren Stab. „Den hatte ich schon länger nicht mehr in der Hand“, sagte er. Es war der Stab, der ihn vor zwei Jahren über 5,60 Meter katapultierte.

„Da ist immer ein kleines bisschen Unsicherheit dabei und ein Nervenkitzel. Im dritten Versuch muss man das durchziehen“, fügte er an. Ein bisschen geknickt war Clemens, dass er gestern die letzte Gelegenheit verpasste, sich für die Universiade in Südkorea zu qualifizieren. Seine Lebensgefährtin Anna Felzmann hat die Universiade-Norm von 4,40 Meter einmal übersprungen, gestern scheiterte sie an 4,32. „Es wäre heute wichtig gewesen, nächste Woche wird nominiert“, sagte sie. „Ich wäre gerne gut gesprungen. Das Einspringen war klasse, die Sprünge über 4,12 und 4,22 Meter gut. Ich wollte das unbedingt machen“, fügte sie an. Vielleicht klappt es ja noch mit dem Ticket nach Südkorea.

Das WM-Ticket für Peking dürfte für die deutsche Rekordhalterin Silke Spiegelburg nur Formsache sein. Gestern sprang sie aus verkürztem Anlauf sicher 4,60 Meter und gewann souverän, von 4,70 Meter ist sie nicht weit entfernt. „Es geht immer weiter bei ihr“, sagte Andrei Tivontchik, der sie seit Anfang des Jahres in Zweibrücken trainiert. „Bis zur Weltmeisterschaft werden wir den Anlauf verlängern, das passt schon“, bemerkte er. Zuversichtlich ist Tivontchik auch bei Holzdeppe. „Vom Sprung her hat alles gepasst. Wir werden mit härteren Stäben springen. Alles gut. Mit den 5,80 Metern in Eugene ist der Knoten geplatzt.“

Großes Lob zollte Tivontchik Publikumsliebling Hichem Cherabi. Der Algerier verbesserte sich mit vom LAZ geliehenen Stäben um 40 Zentimeter und stellte mit 5,50 Meter einen neuen Landesrekord auf. „Unglaublich. Er ist sehr gut gesprungen, vom Typ ein Leichtathlet. Nicht so groß, aber dynamisch gesprungen“, sagte er.

Große Freudensprünge konnten gestern auch die LAZ-Organisatoren machen. „Gutes Wetter, super Bedingungen, tolles Publikum. Es war keine schlechte Entscheidung, das Meeting ins Westpfalzstadion zu verlegen“, sagte Alexander Vieweg, Sportlicher Leiter des LAZ. „Wenn man sieht, welche Hochkaräter hier bei freiem Eintritt zu sehen waren, dann sieht man, was möglich ist“, richtete er seinen Dank an die Sponsoren.

Zugehörige Wettkämpfe

Datum Name Ort
13.–14.06.2015 Himmelsstürmer-Cup 2015 Zweibrücken (Deutschland)