Für Speerwerferin Christin Hussong und Stabhochspringer Raphael Holzdeppe ist die DM am Wochenende eine der entscheidenden Stationen auf dem Weg nach Rio. Sprinterin Sina Mayer hofft aufs A-Finale.

Zweibrücken. Die Olympianorm hat Christin Hussong in der Tasche. Das Ticket für Rio damit aber noch lange nicht. Zu eng liegen die vier besten deutschen Speerwerferinnen, neben der LAZ-Athletin Christina Obergföll, Linda Stahl und Katharina Molitor, zusammen. Um einen weiteren Schritt Richtung Brasilien zu machen, sind die Deutschen Meisterschaften am Wochenende in Kassel entscheidend. Wenn es da vorrangig auch erstmal um die Podestund damit die Startplätze für die EM Anfang Juli in Amsterdam geht. Und einen davon will die Herschbergerin auf jeden Fall. "Bei einer Meisterschaft geht es weniger um die Weite als die Plätze, die Norm hab’ ich abgehakt, der Druck ist weg. Aber ich will unter die ersten Drei.“ Und auch wenn Hussong in dieser Saison bereits zwei Mal über die geforderten 62 Meter geworfen hat, hofft sie endlich auf den einen Ausreißer nach oben. "Bislang hatte ich einfach kein Glück“, erklärt sie. Entweder flog der Speer beim Einwerfen am weitesten oder der Versuch war ungültig. "Aber ich weiß genau, was ich kann – wenn alles passt, wird der Ausreißer kommen“, ist Hussong zuversichtlich.

Während Hussong die Olympianorm bereits abgehakt hat, steht die bei LAZ-Stabhochspringer Raphael Holzdeppe noch aus. Nachdem der 26-Jährige am Sonntag seinen geplanten Saisoneinstieg beim vereinseigenen HimmelsstürmerCup vor Ort kurzfristig wegen Problemen mit dem Oberschenkelbeuger abblasen musste (wir berichteten), setzt er nun voll und ganz auf den Saisoneinstieg in Kassel. Nach seinem ersten DM-Titel im vergangenen Jahr, "möchte ich hier natürlich Olympianorm springen, auf der anderen Seite werde ich auch versuchen, meinen Titel zu verteidigen“, erklärt er. Der Weltmeister von 2013 ist zuversichtlich, so fit zu sein, um die 5,70 Meter – und damit die Norm für Rio – drauf zu haben. Sollte das Wetter keinen Strich durch die Rechnung machen, "denke ich, es wird ein spannender Wettkampf“. Bislang hat lediglich Tobias Scherbarth aus dem deutschen Lager die Norm für Rio in der Tasche. Die DM kann mit Blick auf Olympia schon entscheidend sein. Fehlen wird in dem Feld LAZler Daniel Clemens (Bänderriss Fuß). Die sind für Sina Mayer derzeit keine Option. Für die Sprinterin steht mit Kassel der Saisonhöhepunkt an. Doch ausgerechnet jetzt ist die 21-Jährige nicht zu 100 Prozent fit. "In den vergangenen zwei bis drei Wochen habe ich mit Fußschmerzen zu kämpfen und habe mich so durchgewurschtelt“, erklärt die LAZlerin, dass sie sich gewundert hat, bei den letzten Auftritten in Weinheim und Regensburg dennoch konstant 11,50er-Zeiten über die 100 Meter gelaufen zu sein. Doch das Training konnte sie nicht wie geplant durchziehen. Nicht die besten Voraussetzungen vor der nationalen Meisterschaft, wo Mayer "auf die Zähne beißen“ will. "Ich hoffe dennoch, dass es für das A-Finale reicht, auch eine neue Bestzeit will ich schon laufen.“ Danach folgt erst einmal eine kleine Pause, der Fuß soll geschont werden. Für die U23-DM in Bochum Ende Juli will Mayer nämlich wieder fit sein.

Während Hussong, Holzdeppe und Mayer auch schon ein gutes Stück weiter planen als die DM, wird Kassel für Stabhochspringerin Kristina Gadschiew, die im Juli ihre Karriere beendet, das letzte nationale Kräftemessen sein. "Ich will einfach noch mal ein paar gute Sprünge abliefern und nicht durchlaufen“, sagt die 31-Jährige. An eine mögliche Olympianorm (4,50 Meter) verschwende sie trotz einer Freiluft-Bestmarke von 4,61 Metern keine Gedanken mehr – dafür fehle einfach die Konstanz.