Karlsruhe. „Für mich war das ein perfekter Tag“, sagte Raphael Holzdeppe nach seiner Flugshow in Karlsruhe entspannt. Der 28 Jahre alte Stabhochspringer, Weltmeister 2013 und Olympiadritter 2012, hielt sich mit seiner Zufriedenheit nicht zurück, war sehr gesprächig: „Ich freue mich, dass ich so langsam wieder an Höhen anknüpfen kann, die ich auch draußen schon gesprungen bin“. Mit 5,88 Meter ist er momentan die Nummer eins in der Welt.

Aber die persönliche Bestleistung sei ihm wichtiger als die Führung in der Weltbestenliste, sagte er. Denn die ist vorübergehend, kann schon morgen Abend beim World Indoor Meeting in Düsseldorf gelöscht sein. Den eigenen Rekord aber nimmt ihm keiner mehr, den kann nur er selbst toppen.

„Die alte Marke ist ja schon ein paar Jährchen her, so 2012 oder 2013“, erinnerte er sich. So kann man sich im Eifer des Gefechts oder sagen wir im Hochgefühl der Freude täuschen. Vor genau zwei Jahren war er diese 5,84 Meter in Rouen gesprungen, vier Wochen später begann mit seinem schlimmen Sturz in den Einstichkasten von Leipzig ein Seuchenjahr. 2016 wurde ein Jahr zum Abhaken, und 2017 eigentlich auch. „Aufgrund von äußeren Einflüssen, die man nicht beeinflussen kann“, begründete Holzdeppe seine Missgeschicke. Im vergangenen Jahr gingen ihm zwei Stäbe im Training und einer im Wettkampf kaputt – mitten im Sprung.

Erst hat er gar nicht so darüber nachgedacht, „denn wenn man anfängt, darüber nachzudenken, dann wird Stabhochsprung unmöglich“. Es hatte sich aber schnell herumgesprochen, dass auch bei anderen Athleten die Stäbe nur so brachen. „Genau von derselben Marke. Dann hast du eigentlich nur eine Wahl: ein komplett neues Set von einem anderen Hersteller zu bestellen“, sagte Holzdeppe.

Das haben er und sein Trainer Andrei Tivontchik gemacht, aber, so sagt der Coach, der immer an Raphael glaubte: „Es dauert natürlich eine Weile, bis man sich an die neuen Stäbe gewöhnt.“

Die beiden feierten am Samstag den Sprung über 5,88 Meter auf ihre Weise: Tivontchik ließ einen lauten Brüller los, Holzdeppe hüpfte von der Matte und klopfte sich auf die Brust. Dann der Abklatscher an der Bande. Das war Freude pur. Ob Tivontchik in diesem Moment daran dachte, dass sein Schützling nun in der Halle drei Zentimeter höher gesprungen ist als er selbst vor genau 19 Jahren? Im Freien führt Tivontchik aber noch mit einem Zentimeter ...

Alles nur Statistik. Entscheidend ist für beide: Zwei frustrierende Jahre sind vorbei. Raphael Holzdeppe hat blitzsaubere, stabile Sprünge gezeigt, die viel Hoffnung für diese Saison geben: für die Hallen-WM in Birmingham, es wäre seine erste, und für die Freiluft-EM in Berlin.

Er brauche immer ein paar Wettkämpfe, bis er reinkomme. In Merzig wie in Berlin überflog er die 5,60 Meter, kam dann aber nicht weiter, obwohl er aufgrund seiner Trainingsleistungen genau wusste, was er drauf hat. In Karlsruhe platzte der Knoten in einem genialen Duell mit Renaud Lavillenie. Der ärgerte sich über die hoch überflogenen, aber gerissenen 5,88 Meter, schüttelte den Kopf, schaute ratlos zu seinem Coach, dachte an Revanche – in Clermont-Ferrand Ende Februar und dann in Birmingham.

Raphael Holzdeppe indes fuhr mit einem super Gefühl nach Hause, nur eine gute Stunde entfernt von Karlsruhe. „Das ist auch mal schön. Kein Flug, kein Reisestress. Ich hatte heute richtig Lust. Das Publikum hat seinen Beitrag zu meinem Sieg und zur WM-Norm geleistet“, sagte er. Und dass Sosthene Moguenara so stark sprang, 6,70 Meter in die Weitsprunggrube zauberte, ließ die Freude und den Stolz bei dem sympathischen Sportlerpärchen nur noch wachsen.

Jetzt wird wieder in die Hände gespuckt: Raphael Holzdeppe hat das Duell mit Renaud Lavillenie beherzt angepackt und für sich entschieden.
Jetzt wird wieder in die Hände gespuckt: Raphael Holzdeppe hat das Duell mit Renaud Lavillenie beherzt angepackt und für sich entschieden. (Foto: Kunz)
Zufriedenes Pärchen: Sosthene Moguenara und Raphael Holzdeppe.
Zufriedenes Pärchen: Sosthene Moguenara und Raphael Holzdeppe. (Foto: Kunz)

Zugehörige Wettkämpfe

Datum Name Ort
03.02.2018 Indoor Meeting Karlsruhe 2018 Karlsruhe (Deutschland)
01.–04.03.2018 Hallen-Weltmeisterschaften 2018 Birmingham (Vereinigtes Königreich)