Mit Stabhochspringer Raphael Holzdeppe und Speerwerferin Christin Hussong haben zwei Athleten des LAZ Zweibrücken die WMNorm abgehakt. Und obwohl beide zuletzt mit technischen Schwierigkeiten zu kämpfen hatten, können beide gestärkt in die nächsten Wettkämpfe gehen.

Zweibrücken. Entspannter kann Raphael Holzdeppe die kommenden Aufgaben angehen. Nach holprigem Beginn scheint die Saison des LAZ-Stabhochspringers so langsam den erhofften Verlauf zu nehmen. Mit den 5,80 Metern aus Hof (wir berichteten) ist der 27-Jährige zurück in der Spur Richtung Weltmeisterschaften in London (5. bis 13. August). Die Norm hat Holzdeppe damit abgehakt – auch unabhängig vom Ausgang der DM am 8./9. Juli in Erfurt dürfte dieses Höhe schon das WM-Ticket für den Vize-Weltmeister bedeuten. In der deutsche Jahresbestenliste hat er sich nach vorne geschoben. Außer Torben Leidig (WGL Schwäbisch Hallnoch), der Anfang April in Austin/USA überraschend die 5,70 Meter meisterte, kam bislang kein weiterer DLV-Springer in diesem Jahr über die WM-Quaqlihöhe. Das Leverkusener Nachwuchstalent Bo Kanda Lita Baehre hat ebenso wie seine Teamkollegen Hendrik Gruber und Tobias Scherbarth bislang 5,60 Meter stehen. „Wir sehen uns in London“, schrieb Raphael Holzdeppe nach seinem Flug über die 5,80 Meter auch schon selbstbewusst und erleichtert über Instagram.

Durch die wiedergewonnene Sicherheit nach zuvor zwei Wettkämpfen ohne gültigen Versuch kann der Zweibrücker mit Rückenwind und vom Druck befreit in die nächsten Wettkämpfe starten. Ein nächster Gradmesser im Vergleich mit der Weltelite steht für den Schützling von LAZ-Trainer Andrei Tivontchik am Samstag beim Diamond-League-Meeting in Paris an. Dort bekommt er es etwa mit Sechs-Meter-Springer Sam Kendricks (USA), dem französischen Weltrekordhalter Renaud Lavillenie, dessen Bruder Valentin, Weltmeister Shawn Barber (Kanada) und Pawel Wojciechowski (Polen) zu tun.

Schon länger befreit von dem Druck, die WM-Norm noch meistern zu müssen, ist LAZ-Speerwerferin Christin Hussong. Mit den 61,91 Metern aus Halle hat die U23-Europameisterin bereits im Mai die Qualiweite früh in der Saison gemeistert. Die richtig großen Weiten sind bislang, obwohl die Herschbergerin konstant über 60 Meter wirft, aber noch ausgeblieben. Am Mittwoch landete die 23-Jährige beim Meeting Pro Athlé de Nancy mit 60,06 Metern hinter der lettischen Siegerin Anete Kocina (63,37 m) auf Rang zwei. „Mit dem Wettkampf bin ich eigentlich zufrieden. Ich hatte in den vergangenen drei, vier Wochen technische Probleme. Aber den bekommen wir langsam in den Griff“, erklärt Christin Hussong, die gemeinsam mit ihrem Vater und Trainer Udo täglich hart auf den Saisonhöhepunkt in London hinarbeitet. Nancy hätten die beiden als Trainingswettkampf dazwischengeschoben, um vor der DM in acht Tagen noch einmal sechs Würfe unter Wettbewerbsbedingungen gemacht zu haben.

Und auch wenn der Ausreißer nach oben in diesem Jahr noch fehlt, lässt sich Christin Hussong nicht nervös machen. „Es nervt zwar, dass man es im Wettkampf nicht zeigen kann, aber ich weiß, was ich drauf habe. Deshalb glaube ich weiter an mich“, sagt die Herschbergerin. Auch daran, ihren DM-Titel verteidigen zu können. „Ich bin überzeugt davon, weit werfen zu können. Wir sind nur auch keine Maschinen. Aber wir haben den Fehler ja jetzt gefunden und können daran arbeiten“, ist sich die LAZ-Athletin sicher, ihren Speer auch wieder weit über die 60 Meter katapultieren zu können Um dann – nach dem Karriereende von Christina Obergföll und Linda Stahl, mit denen sie sich im vergangenen Jahr einen packenden Kampf um das Olympiaticket geliefert hatte – als beste deutsche Speerwerferin nach London zu reißen. Derzeit führt allerdings die amtierende Weltmeisterin Katharina Molitor die Jahresbestenliste mit 62,26 Metern an. Noch bleibt Hussong Zeit, das zu ändern. Und selbst wenn nicht, kann die 23-Jährige entspannt bleiben: Das WM-Ticket hat sie allemal in der Tasche.