Yeah!! Geschafft! Ganz cool hatte ich mit den Kollegen vereinbart, dass ich mal einen freien Vormittag nehme. War ja eh nichts los im Stadion. Meine 25-Minuten-Fahrt führte mich zur U-Bahn-Halte „Bank“, von dort zu Fuß zum „Monument“. Soll ich da hoch? Oder doch zum „Walkie Talkie“ walken, wie die Londoner den „Sky Garden“ gleich mal tauften? So heißt der 160 Meter hohe, im November 2014 eröffnete imposante Glasbau, der gar für die Einheimischen noch neu und deshalb attraktiv ist und für den man inzwischen Liftkarten im Internet zwei Wochen im Voraus bestellen muss.

Kurzum, ich bin auch ohne reingekommen. Es gibt da so einen Geheimtipp, den ich öffentlich natürlich nicht verrate, sonst ist es ja keiner mehr. Nur so viel: Frühaufstehen lohnt sich, wie eigentlich immer im Leben.

Sagenhafte Aussicht auf Tower und Tower Bridge und auf den gegenüberliegenden, noch höheren „The Sharp“. Im 35., 36. und 37. Stock des „Sky Gardens“ gibt es ein paar Cafés. Es ist Londons höchstgelegener Park, ziemlich großzügig und grün, diese Aussichtsplattform. Ein Cappuccino und ein Croissant kosten 5,10 englische Pfund, umgerechnet sechs Euro. Geschenkt, dafür, dass der Einritt kostenfrei ist.

Dass er den Carbuncle Cup bekommen hat, den Preis für das hässlichste Gebäude och, sei’s drum, ich fand’s trotzdem geil. Das „Monument“, die dorische Säule (61 Meter), die zur Erinnerung an den Stadt-Großbrand von 1666, rumsteht, wäre im Vergleich nur ein Pups gewesen. Klar: immer schneller, höher, stärker.

Passt ganz gut zu dem, was mir in diesen Tagen so oft durch den Kopf ging. Muss kurz ausholen: Citius, altius, fortius – dies hat Pierre de Coubertin bei der Gründung des IOC 1894 als Motto vorgeschlagen. Norbert Müller, der Olympia-Professor, ein gebürtiger Speyerer und immer noch in Kaiserslautern lehrend, hat sich in seinem Lebenswerk mehrfach darüber ausgelassen und in diesem Zusammenhang auch den in Landau geborenen Michel Bréal, den Erfinder des modernen Marathonlaufs, erwähnt, der sich als Freund Coubertins für dieses Motto starkgemacht hat.

Also: Speyer, Landau, dazu passen die fünf Pfälzer Leichtathleten hier in London. Für sie galt und gilt: schneller, höher, stärker. Nur mal so: Bei den Pfalz-Hallenmeisterschaften 2007 in Ludwigshafen, also vor zehn Jahren, holten Raphael Holzdeppe (5,40 Meter) Lisa Ryzih (4,10), Christin Hussong (10,54 mit der Kugel, W14), Hanna Klein (2:26,35, W14) und Ricarda Lobe (9,47 60-Meter-Hürden, W14) die Titel. Ich hatte darüber berichtet, und jetzt stehen wir uns in der Mixed Zone der WM in London gegenüber. Ich finde das, mit Verlaub, irre.

Mit der so sympathischen und cleveren Hanna Klein verbindet mich eine besondere Geschichte: Gegen sie musste immer meine gleichaltrige Tochter Maxi antreten. Schon als Elfjährige. In Kaiserslautern, Eisenberg, Bergzabern und anderswo. Hanna gewann immer. Wir haben an ihr hochgeschaut. Und diese Hanna hat hier so grandios aufgetrumpft. Glückwunsch, du Pfälzer Mädel!

Zugehörige Wettkämpfe

Datum Name Ort
04.–13.08.2017 Weltmeisterschaften 2017 London (England)