Mit dem allerletzten Wurf eines verrückten Wettkampfs hat Katharina Molitor WM-Gold aus dem Feuer gerissen. Christina Obergföll ist mit dem Finale ebenso zufrieden wie die Zweibrückerin Christin Hussong.

Peking. Mit einem breiten Lachen, gleichzeitig einem Schulterzucken, verabschiedet sich Christin Hussong von ihrer ersten Aktiven-WM. Der Blick geht zu Vater und Trainer Udo Hussong auf der Tribüne. Mehr ist gestern im Speerwurf-Finale von Peking nicht drin gewesen, scheint ihre Miene zu sagen. Mit 62,98 Metern belegt die Athletin des LAZ Zweibrücken Rang sechs. „Das ist eine grandiose Leistung bei der großen internationalen Meisterschaft“, betont LAZ-Vorsitzender Bernhard Brenner, der mit rund 50 Vereinskameraden in der Dieter-Kruber-Halle beim Public Viewing mitfiebert. Sie alle verfolgen, wie angespannt die Werferin im Stadion, wie nervös ihr Vater auf der Tribüne nach dem zweiten Wurf über 59,98 Meter sind. Der Dritte entscheidet darüber, ob die 21-Jährige als eine der besten Acht noch weitere drei Versuche bekommen würde. Ein banger Blick dem Speer hinterher. 62,94 Meter reichen.

Ein kleines Stück weiter geht es dann noch. „62,98 Meter ist meine drittbeste Weite dieses Jahr und die viertbeste meiner Karriere“, sagt Hussong zufrieden, auch, wenn sie gerne noch einmal Bestleistung geworfen hätte – wie am Freitag mit den 65,92 Metern als Quali-Beste. „Das erste Mal in einem WMFinale zu stehen, ist aber schon was anderes.“

Nach ihrem sensationellen Gold-Wurf fiel unterdessen Katharina Molitor erst ihrer Vorgängerin Christina Obergföll um den Hals, dann schnappte sich die Überraschungs-Weltmeisterin eine DeutschlandFahne und posierte stolz für die Fotografen. Und immer wieder schüttelte sie ungläubig mit dem Kopf. „Gold? Daran hätte ich nie gedacht. Das ist unglaublich, unbeschreiblich“, sagte Molitor.

Speerwurf-Gold hatten ihr vor der WM in Peking nur die allerwenigsten zugetraut. Im letzten Versuch bewies die deutsche Meisterin aber totale Nervenstärke und verdrängte mit persönlicher Bestleistung und Jahres-Weltbestweite von 67,69 Meter Lyu Huihui aus China (66,13) noch auf den Silberrang. „Ich wusste, dass ich noch kontern kann“, sagte Molitor.

Bronze gewann Sunette Viljoen (65,79/Südafrika). 14 Monate nach der Geburt ihres Sohnes Marlon wurde Titelverteidigerin Christina Obergföll (64,61/ Offenburg), die Frau des ehemaligen WM-Dritten Boris Obergföll (ehemals Henry), Vierte. Und auch sie war zufrieden. „Ich habe das Maximum rausgeholt“, sagte Obergföll, die Molitors Coup ebenfalls begeisterte: „Ich bin froh, dass wir das Ding mit nach Hause nehmen, das ist der Hammer.“

Mit 31 Jahren krönte Molitor endlich ihre Karriere und trat aus dem Schatten von Obergföll heraus. Die Lehramtsstudentin (Geografie und Sport) war schon oft bei großen Meisterschaften dabei – doch für einen Wurf auf das Treppchen hatte es nie ganz gereicht. Bei der EM 2010 war sie dicht dran, musste sich dann aber doch mit dem undankbaren vierten Platz zufrieden geben.

Jetzt steht Molitor plötzlich ganz oben – dabei wollte sie doch nur „unter die Top Acht kommen“. Molitor, die im Winter in der 2. Bundesliga noch Volleyball spielt, sorgte somit für die achte Medaille des deutschen Teams.

Zugehörige Wettkämpfe

Datum Name Ort
22.–30.08.2015 Weltmeisterschaften 2015 Peking (China)