Liebe Leserinnen, Liebe Leser,

Weihnachten ist ein tolles Fest, darf aber an den „Saarländertag“ nicht tippen! In Zweibrücken oder den an unser Nachbarland angrenzenden westpfälzischen Einkaufsstädten hat dieser scherzhaft gemeinte Satz dennoch seine Tiefen. Kein Wunder also, dass zu Wochenbeginn schon die Vorbereitungen für den besonderen Samstag in die heiße Phase gehen: Im Saarland ist Feiertag, Mariä Himmelfahrt. In der Pfalz dagegen sind Geschäfte geöffnet, Handel und Handwerk gerüstet, den Besucheransturm zu stemmen. Stadt und Werbegemeinschaft haben sich allem Anschein nach bemüht, auch in diesem Jahr ein ansprechendes und abwechslungsreiches Rahmenprogramm auf die Beine zu stellen, das den Besuchern der Rosenstadt ein paar interessante, erlebnisreiche und vergnügliche Stunden bereitet. Jetzt muss nur noch das Wetter mitspielen – und auch da sehen die Prognosen ja sonnig aus.

Einer kriegt den Trubel nicht mit: Raphael Holzdeppe ist zu der Zeit ganz weit weg: In China, genauer in der Hauptstadt Peking, wo die Leichtathletik-WM stattfindet. Im Gespräch mit meiner Kollegin Svenja Kissel hat er ja schon in unserer Wochenendausgabe über seine Erwartungen gesprochen. Dass sein Name an dieser Stelle noch einmal auftaucht, ist weniger dem Blick nach vorne geschuldet, denn dem Blick nach hinten. Aus gutem Grund, ist es doch am Mittwoch exakt zwei Jahre her, dass der inzwischen 25 Jahre alte Zweibrücker Geschichte geschrieben hat. In Moskau gewann Holzdeppe den WM-Titel im Stabhochsprung – das hatte vor ihm noch kein deutscher Athlet in dieser Disziplin geschafft. Weshalb man es durchaus noch mal erwähnen und an die Bilder jenes Abends erinnern darf.

Stichwort Bilder: Die haben dem Vernehmen nach ja vor Jahrzehnten laufen gelernt – so sind dann die Filme entstanden. Heute werden Bilder neu bewertet, vor allem in ihrer Bedeutung. Ergab es sich zumindest vor ein paar Tagen im lockeren Plausch, als das Gespräch auf die Urlaubsfotos kam. Und darauf, wie und in welcher Form man denn heute die schönsten Wochen des Jahres für die Nachwelt festhält. Und ein wenig klang so etwas wie Melancholie in den Worten der beiden sich unterhaltenden Menschen, die beide schon im fortgeschrittenen Alter agieren, als die Rede auf die Sagen umwobenen Dia-Abende kam, die vor Jahren noch en vogue waren. Auch Sie können sich ganz sicher daran erinnern, wenn Sie denn zu den etwas reiferen Semestern zählen: Erst wurden Wände von allerhand sie zierendem Unrat befreit – ganz fortschrittliche Zeitgenossen bauten sogar einen Leinwandständer auf – dann wurden Magazine in den Dia-Projektor geschoben, die Bilder an die Wand geworfen und Interessierte wie Uninteressierte lernten die große bunte Welt in quadratischen Erinnerungen kennen. Oder mussten es jedenfalls, denn einen Dia-Abend abzusagen grenzte beinahe an Landesverrat. Und wir wissen seit den jüngsten Tagen, dass dies deutliche diplomatische und politische und arbeitsrechtliche Konsequenzen nach sich ziehen kann. Weshalb man dies nicht machte – zumindest vor Jahren.

Dia-Abende sind ausgestorben. In einer Zeit, da jeder sein Urlaubsgedächtnis auf dem Smartphone gespeichert hat. Wer dennoch seine Erlebnisse mit anderen in großer Runde teilen mag, der arbeitet mit der Überblendtechnik, mit Powerpoint und allerlei von allein laufenden Präsentationen. Der unschätzbare Vorteil: Da fällt es nicht mal auf, wenn der Präsentator selbst beim Bilderschauen einschläft...

Michael Klein, Chefredakteur Pfälzischer Merkur

Zugehörige Wettkämpfe

Datum Name Ort
10.–18.08.2013 Weltmeisterschaften 2013 Moskau (Russland)
22.–30.08.2015 Weltmeisterschaften 2015 Peking (China)