Ist das Leichtathletikzentrum (LAZ) Zweibrücken ein erstes Opfer der Wirtschaftskrise? Diese Frage darf durchaus gestellt werden, nachdem in der vergangenen Woche der Hochsprung-Cup in Zweibrücken vom Meeting-Organisator Jürgen Sturm unter anderem aus wirtschaftlichen Gründen abgesagt worden war. Doch wäre dies zu kurz gedacht. Sicherlich basierte der Hochsprung-Cup, der die deutsche Elite bei den Frauen und dem Nachwuchs in Zweibrücken auf dem Kleinen Exe oder dem Westpfalzstadion präsentierte, auf der Unterstützung von Sponsoren.

In den vergangenen Jahren gab es da keine Probleme. Doch nun kämpft auch Sturm mit der wirtschaftlichen Talfahrt. Das gibt der Meeting-Organisator offen zu. Denn 15 000 Euro, so viel hat die Veranstaltung gekostet, sind in der derzeitigen Situation kein Pappenstil.

Die Entscheidung, Zweibrücken vorerst den Rücken zu kehren, habe wesentlich beeinflusst, dass die Unterstützung seitens des LAZ bei der Sponsorensuche gefehlt habe. Die Chemie zwischen beiden Veranstaltern soll nicht gestimmt haben. Deshalb ist das Abwandern zum Pfingstsportfest des LC Asics Rehlingen durchaus verständlich. Den Hochsprung-Cup in ein Sportfest einzubetten ist immer einfacher, als das finanzielle Risiko alleine zu tragen.

Den LAZ-Verantwortlichen einen Vorwurf zu machen, dass Zweibrücken eine hochkarätige Leichtathletik-Veranstaltung verloren hat, ist nicht gerechtfertigt. Es wurden allerlei Anstrengungen unternommen, was schon die verschiedenen Veranstaltungsorte zeigen. Doch die Zuschauerresonanz war jeweils frustrierend. Nach dem Motto: „Die deutsche Hochsprung-Elite sprang in Zweibrücken und keiner ging hin.“ Es fehlte die Identifikation mit einer Veranstaltung, die normalerweise durch lokale Größen gewährleistet wird. Und da hinkt das LAZ im Hochsprung der deutschen Spitze hinterher, seit sich Dagmar Kulma, eines der größten Talente in Deutschland, mit ihrer profilierten Trainerin Elena Schromm 2002 vom Leistungssport zurückgezogen hat. Und in absehbarer Zeit ist diese Lücke, trotz einer Alexandra Reinking oder Janine Vieweg, nicht zu schließen.

Deshalb ist es verständlich, dass der LAZ-Vorsitzende Josef Scheer der Veranstaltung keine Krokodilstränen nachweint. Er darf mit seiner Mannschaft für sich in Anspruch nehmen, dass es in Zweibrücken probiert worden ist, doch die Gratwanderung sich nicht ausgezahlt hat. Dass das Hochsprung-Meeting derzeit eine zu vernachlässigende Größe ist.

Stattdessen will sich das LAZ, analog dem ehemaligen Stabhochsprung-Meeting in der Westpfalzhalle, auf die eigenen Stärken besinnen. Und da führt nun einmal kein Weg dran vorbei: Das Vermächtnis des verstorbenen LAZ-Vorsitzenden Dieter Kruber ist nun einmal der Stabhochsprung bei den Männern wie den Frauen. Die Erfolge dieser Athleten, allen voran der Olympia-Achte und zweifache Junioren-Weltrekordler Raphael Holzdeppe, haben Zweibrücken national und international bekannt gemacht. Hier gilt es den Hebel anzusetzen, die lokalen Größen noch stärker in den Vordergrund zu spielen. Dabei soll die Kooperation mit dem Hofenfels-Gymnasium als Partnerschule des Sports bei Veranstaltungen genutzt werden.

Dazu gehört zweifellos auch, dass mit der Ernennung von Andrei Tivontchik zum Bundestrainer der Frauen im A- und B-Kader, von der Rekordhalterin Silke Spiegelburg (Bayer Leverkusen) abgesehen, die gesamte Stabhochsprung-Elite in Zweibrücken trainiert. Deshalb ist es verständlich, mit diesen Pfunden vor Ort zu wuchern. Hier gilt es in naher Zukunft mit dem Ausbau des Westpfalzstadions ein Konzept zu entwickeln, wie die leichtathletische Weltklasse, darunter auch der Hürdensprint, in Zweibrücken präsentiert werden kann.

Der Schwerpunkt soll auf der lokalen Präsentation liegen. So schwebt es den LAZ-Verantwortlichen in Absprache mit dem SV Niederauerbach als weiterem Nutzer des Westpfalzstadions vor. Hier ist die Identifikation mit Zweibrücken vorprogrammiert, hier liegen noch Ressourcen, die bisher brach lagen.