Leichtathletik: LAZ-Stabhochspringer Daniel Clemens hat WM-Ticket schon fast in der Tasche

Die eigene Bestleistung um 30 Zentimeter verbessert, die WM-Norm schon mehrfach geknackt und Lob von allen Seiten: Stabhochspringer Daniel Clemens könnte zum neuen Überflieger beim LAZ werden.

Zweibrücken. „Wenn er so weiter macht, wird er noch für viele Überraschungen sorgen. Wir können noch viel von ihm erwarten in dieser Saison“, ist sich Andrei Tivontchik sicher. Doch der Bundestrainer der Stabhochspringerinnen und Coach am Leichtathletik-Zentrum (LAZ) Zweibrücken spricht dabei nicht von seinem Schützling Raphael Holzdeppe. Gemeint ist Nachwuchsspringer Daniel Clemens. Der 17-Jährige war zuletzt beim Länderkampf im luxemburgischen Diekirch 5,30 Meter gesprungen und hatte damit die Norm für die U 18-Weltmeisterschaften um einen halben Meter übertroffen. Die geforderten 4,80 Meter bestätigte Clemens noch einmal gestern beim Wettkampf in Oberhaugstett bei windigen Bedingungen.

Auch wenn gestern zeitgleich noch zwei andere Qualifikationswettkämpfe stattfanden und die Junioren-Gala das Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) noch aussteht, bisher sprang keiner höher als der Mörsbacher. Tivontchik ist zwar Bundestrainer der Frauen, doch er ist sich sicher: „Der WM steht nichts mehr im Wege.“ Schließlich könne der DLV drei Athleten mit Normerfüllung nach Brixen (Italien) schicken.

„Mein großes Zeil für diese Saison ist die WM. Dass ich meine Bestleistung schon so verbessert habe, ist da eigentlich nur eine Nebensache“, sagt Daniel Clemens. Vor seinem Freiluft-Auftakt in Diekirch war er zuletzt in der Halle fünf Meter gesprungen. Seitdem haben er und sein Trainer Helmut Kruber einiges an seiner Technik umgestellt. „Ich habe meinen Anlauf um zwei Schritte verlängert. Außerdem nehmen wir jetzt längere Stäbe und ich habe noch zusätzlich die Griffhöhe verändert, fasse jetzt weiter oben zu“, erzählt der Mörsbacher. Doch trotz gleich dreier Veränderungen hat der Hofenfels-Gymnasiast die Technik gut im Griff, wie die „Explosion“ auf 5,30 Meter zeigt. Manch anderer Stabhochspringer hätte damit vielleicht mehr Probleme gehabt.

Dass er nicht nur sehr hoch springen, sondern seine Disziplin auch wunderbar erklären kann, beweist Daniel Clemens auch gleich. „Durch den längeren Stab und den höheren Griff bin ich beim Absprung weiter weg von der Matte. Beim Abdruck vom Stab in der Luft habe ich zudem einen höheren Punkt erreicht. Und dafür brauche ich mehr Geschwindigkeit, mehr Schwung“, erklärt der Elftklässler, der am Hofenfels-Gymnasium Sport als Leistungskursfach belegt. Der theoretische Unterricht im Sport habe ihm auch geholfen, sein eigenes Training besser zu verstehen, sagt der Blondschopf.

Beim Stabhochsprung ist Daniel Clemens mehr oder weniger durch Zufall gelandet. „Über einen Talentwettkampf bin ich 2001 zum LAZ gekommen und habe dort zunächst in einer allgemeinen Gruppe trainiert. Irgendwann war meine Trainerin Marianna Knöll dann mal nicht da. Da habe ich dann bei Helmut Kruber mittrainiert und dort Stabhochsprung probiert. Und dabei habe ich mich wohl sehr gut angestellt“, erzählt er mit einem Grinsen im Gesicht. Obwohl er manchmal zurückhaltend wirkt, weiß der 17-Jährige genau, worauf es ankommt und hält auch mit den Forderungen an sich selbst nicht hinterm Berg. „Man muss als Stabhochspringer einfach alles können. Du musst schnell sein, die Technik gut beherrschen und die nötige Kraft haben. Und du musst dich trauen.“

Mit seinen guten Leistungen hat es der LAZ-Athlet im vergangenen Jahr bereits in den erweiterten Junioren-Bundeskader geschafft, wurde zudem Süddeutscher Vizemeister und stand in der DLV-Bestenliste auf Rang drei. „Nur bei der Deutschen Jugendmeisterschaft bin ich Zehnter geworden. Da sind die Nerven mit mir durchgegangen“, erzählt der B-Jugendliche, und das Grinsen verwandelt sich in ein leicht gequältes Lächeln. Die Nerven zu behalten, darum geht es auch im Schlussspurt für die WM-Qualifikation. Seine guten Leistungen muss er weiter bestätigen, bei den Rheinland-Pfalz-Meisterschaften an diesem Wochenende und der Junioren-Gala in Mannheim eine Woche später.

Stabhochspringer Daniel Clemens
Den Stab hat Daniel Clemens bestens im Griff. Mit 5,30 Metern hat er die Norm für die Junioren-WM in Brixen bereits um einen halben Meter übertroffen. Foto: voj