Mainz. Der Landessportbund (LSB) Rheinland-Pfalz hat seine Meisterehrung im März, seine Landessportlerwahl im Januar und jetzt auch einen Sportler-Empfang im goldenen Herbst. „Wir wollen einen Rahmen schaffen, in dem wir zeigen können, wie gut wir aufgestellt sind“, sagte Karin Augustin, die LSB-Präsidentin, gestern in Mainz.

Und was macht der LSB, wenn seine „Leuchttürme“ (LSB-„Vize“ Werner Schröter) wie Peter Joppich, Miriam Welte, Richard Schmidt, Raphael Holzdeppe oder Kai Kazmirek verhindert sind und zu einer mitten ins Jahr platzierten Sportlerehrung nicht kommen können?

Kein Problem, er präsentiert seine superstarken Nachwuchsathleten wie Christin Hussong, Emma Hinze, Lisa Klein Oleg Zernikel oder Denis Kudla, die künftigen Leuchttürme, die allesamt mit WMund EM-Medaillen in der Juniorenklasse dekoriert sind, aber auch alte Hasen wie Paralympicssiegerin Hanne Brenner, die beiden Gewichtheber Almir Velagic und Jürgen Spies vom AV 03 Speyer oder Sabrina Mockenhaupt, die laufende Kabarettistin aus dem Westerwald.

Aus der Hüfte heraus versteht sie eine von langen Reden gelähmte Gesellschaft ins Schwingen zu bringen, indem sie einfach erzählt, weshalb sie den EM-Marathon, an letzter Stelle liegend, in Zürich wirklich aufgab. „Wer setzt sich schon bei einem EMMarathon in Ruhe auf das Dixi-Klo“, fragte sie lachend in die Runde, „das geht eigentlich gar nicht.“ „Mocki“ aber hat’s fertig gebracht, sie hatte keine andere Wahl außer diesem einen Busch, der da noch an der Strecke stand. Jaja, die „Mocki“. Mit allerlei Schmerzmitteln war sie nach dem 10.000-m-Lauf und Platz sechs vollgestopft worden, was dem Darm überhaupt nicht passte. Geschichten, die das Leben schreibt, und der Sport im Besonderen.

Wie auch diese Geschichte von Jürgen Spies (30), der nach schmerzhaften Jahren und einer unvermeidlichen Hüftoperation im Mai 2013 ein Jahr später wieder auf der Heberbühne stand und bei der EM in Tel Aviv Platz sieben eroberte. „Der Platz war mir völlig egal, für mich zählte die Leistung. Ich wollte sehen, was ich wieder bringen kann.“ Die Operation jedenfalls verlief erfolgreich, Spies bereitet sich wie der EM-Dritte von Tel Aviv, Almir Velagic, auf die WM im November in Kasachstan vor, und ist vor allem wieder guter Dinge.

LSB-Vizepräsident Werner Schröter stellte die jungen Athleten mit Empathie vor. „Ich bin begeistert, was sich in unserem kleinen Bundesland tut“, sagte der Pfälzer, „bei uns im Sport stimmt’s“. Als ein Beispiel führte er Denis Kudla (19) an. „Mit besonderer Freude darf der alte Ringer den jungen Ringer ehren“, sagte Schröter, „Denis ist das größte deutsche Ringertalent seit meinem unvergessenen Freund Wilfried Dietrich.“ Der gebürtige Pole, der mit elf von München in die Pfalz kam, steht schon wieder mitten in der Bundesligasaison – und vor einer hohen Hürde: 2015 wird sein erstes Jahr bei den Senioren sein, und da gilt es Farbe zu bekennen: die Qualifikation für Rio 2016 steht an. Das erste Turnier dafür ist die WM in Las Vegas. Seit er bei EM und WM jeweils „nur“ Silber gewonnen hatte, was ihn wurmte, sieht er sich von noch größerem Ansporn getrieben, will „mehr und härter trainieren“. Kudla brennt vor Ehrgeiz.

„Rio 2016“ – dieses Ziel wird nun oft genannt. Speerwerferin Christin Hussong hat es genauso auf der Rechnung wie Radsportlerin Lisa Klein, gerade als Fünfte von der Straßenrad-WM in Spanien zurückgekehrt. Für andere wie Oleg Zernikel, den Landauer Stabhochspringer oder Emma Hinze und Aaron Reiss, die Radsportler vom RSV Stelzenberg, könnte es noch zu früh kommen. Oder auch nicht, wenn sie Kudlas Maxime übernehmen. Für Jürgen Spies jedenfalls, den dann 32-Jährigen, ist Rio noch einmal ein großes Ziel. Es wären seine dritten Spiele.

Zugehörige Wettkämpfe

Datum Name Ort
05.–21.08.2016 Olympische Sommerspiele 2016 Rio de Janeiro (Brasilien)