Mainz. Volles Haus in Mainz: 120 der rund 200 rheinland-pfälzischen Sportlerinnen und Sportler, die sich im vergangenen Jahr Meriten verdienten, sind gestern Abend dem Ruf des Landessportbundes (LSB) gefolgt. Und das offenbar sehr gerne. Der Anlass: Die Sportfamilie des Landes traf sich traditionell zur Meisterehrung.

Wenn etwas zum 52. Mal auf dem Programm steht, dann muss es wichtig sein. Eigentlich sogar unverzichtbar. Der Landessportbund weiß, was er an seinen Sportlerinnen und Sportlern hat und zeigt es ihnen: Ehre, dem Ehre gebührt. Eine Urkunde, die Meisterschaftsnadel in Gold, ein Geschenk – und dann eben noch ein Büffet zum gemütlichen Plausch. Muss sein.

Geladen werden Medaillengewinner bei Welt- und Europameister und deutsche Meister. Wie beispielsweise Sophia Attilo (22) aus Grünstadt, die angehende Polizeikommissarin, die in Chemnitz deutsche Meisterin im Gewichtheben in der Klasse bis 58 Kilo wurde. „70 kg im Reißen und 83 kg im Stoßen“, verriet sie Moderator Christoph Pietsch ihre Bestleistungen, „aber so langsam sollte ich mich steigern“. Sie hebt derzeit für Schifferstadt in der Zweiten Bundesliga, die Titelverteidigung steht im Oktober an.

In der Jugend hatte sie einige Meisterehrungen mitgemacht, bei den „Aktiven“ war sie gestern zum ersten Mal dabei. „Ich komme immer sehr gerne. Ich finde auch richtig gut, dass der LSB unsere Leistungen auf diese Weise anerkennt“, sagte Sophia Attilo.

Für die Meisterstaffel des AV 03 Speyer war nur ein Hebertrio gekommen: Björn Günther, Marcel Schwarz und Christian Spindler, die auf der Bühne ihre Kollegen entschuldigten: „Der Rest weilt auf Teneriffa mit der Nationalmannschaft, um sich für die Europameisterschaften vorzubereiten.“ Ein guter Grund!

Auch bei den Speyerer Judoka gab’s Lücken, und auch das mit guten Grund: „Der Großteil der Mannschaft ist gerade in Düsseldorf bei einem Grand-Prix-Turnier“, erklärte Trainerin Nadine Lautenschläger, die sich trotzdem stolz zeigte: „Die Stimmung war bei uns ja schon immer gut, aber so langsam trägt unser Konzept Früchte, unsere Mädels puschen sich gegenseitig so richtig toll“. Der Lohn in 2015 war der deutsche Mannschaftsmeistertitel.

Keine Frage: Der Sport, der Wettkampf, das Trainingslager gehen eben doch vor. Gerade in diesem Jahr. Es ist eine ganz besondere Saison. Olympia steht vor der Tür. Noch 167 Tage bis Rio.

Diejenigen, die auf dem Weg dorthin sind, ließen gestern Abend Goldnadel Goldnadel und Gnocchi Gnocchi sein – und jeder hatte dafür Verständnis. Der Fechter Peter Joppich, die Leichtathleten Raphael Holzdeppe, Lisa Ryzih und Christin Hussong, die Radsportlerin Miriam Welte, die Vorzeigeathleten des LSB, haben grad’ „was anderes im Kopf“. LSB-Vizepräsident Werner Schröter auch: „Wir hoffen, genauso erfolgreich zu sein wie 2012. Es könnten acht sein, oder auch nur sechs, die es nach Rio schaffen. Aber es sind alles Athleten, die in Rheinland-Pfalz entwickelt worden sind, und darauf sind wir stolz.“

Nur gut, dass der LSB mehr ist als ein Dachverband für olympische Sportarten. Er ist viel bunter, vielfältiger, ja auch extravaganter, wenn man deutsche Mannschaftsmeister im Sportfischen (Landesfischereiverband Rheinland-Pfalz) oder im Bosseln (BSG Wörrstadt) in seinen Reihen weiß. Beim Bosseln etwa sitzen keine Heimwerker im Keller, sondern es ist, wie Martina Röming sagte und auch vorführte: „Bosseln ist ein Eisstockschießen ohne Eis.“ Und schon hatten alle wieder etwas gelernt.

Die Geehrten aus der Pfalz

Bowling: BSV Ludwigshafen (Ursula Weber, Sabrina Bug, Ottmar Kunde, Peter Stahl, Rudolf Winter)

Gerätturnen: David Jäger (TV Bad Bergzabern) Gewichtheben: Sophia Attilo (KSV Grünstadt), Nina Schroth (AC Mutterstadt), AV Speyer (Björn Günther, Alexej Prochorow, Christina Spindler, Marcel Schwarz, Julia und Tom Schwarzbach, Jürgen Spieß, Almir Velagic)

Judo: Jasmin Külbs (1. JC Zweibrücken), Judosportverein Speyer (Barbara Bandel, Nadja Bazynski, Rebecca Bräuninger, Marianne Deimel, Szaundra Dietrich, Celina Dietzer, Aileen Göbel, Tracy Heusinger, Janina Hofäcker, Miriam Kost, Jasmin Külbs, Jessica Lindner, Johanna Müller, Vanessa Müller, Guiseppina Sagona, Ann Kathrin Schembs, Eva Schmidt, Verena Thumm, Maike Ziech)

Kanu-Wildwasser: Björn Barthel, Katharina Metzger (beide Ludwigshafener Kanu-Club)

Karate: Jonathan Horne (Teikyó Karate Team Kaiserslautern), Kampfgemeinschaft Mayen/Schifferstadt (Stella Holczer, Karima Mimouni, Jenny Warling)

Kunstradsport: Lena und Lisa Bringsken (RCV Böhl-Iggelheim)

Leichtathletik: Raphael Holzdeppe (LAZ Zweibrücken), Christin Hussong (LAZ Zweibrücken), Mathias Mester (1. FC Kaiserslautern), Lisa Ryzih (ABC Ludwigshafen) Motorsport: Andreas Mosert (MC Haßloch), Jan Peters (AMC Kerzenheim)

Radsport: Felix Drumm (RSC Zweibrücken), Lisa Klein (RV Edelweiß Kandel), Miriam Welte (1. FC Kaiserslautern) Reiten: Hannelore Brenner (RC Hofgut Petersau) Ringen: Denis Kudla (VfK 07 Schifferstadt)

Rope Skipping: Nicolai Lorke, Benjamin Schmitz (TS Germersheim)

Sportschießen: Jürgen Dosch, Gabriele Haas, Karl-Ludwig Hammann (alle SG Ludwigshafen), Gunther-Adolf Kuhns, Harry Hein, Franz Matheis (SG Rodalben)

Tanzen: Michelle Uhl, Tobias Bludau (1. Rock’n’Roll Club Speyer)

Tischtennis: Michael Beck (BSG Bad Dürkheim).

Zugehörige Wettkämpfe

Datum Name Ort
05.–21.08.2016 Olympische Sommerspiele 2016 Rio de Janeiro (Brasilien)