LAZ-Hürdensprinter Jens Werrmann stolpert über verschärfte Fehlstart-Regel

Die Sprinter und die Hürdenläufer sind an die kurze Leine gelegt worden. Seit Anfang des Jahres wird schon der erste Fehlstart mit der Disqualifikation geahndet. LAZ-Hürdenläufer Jens Werrmann baute beim Meeting in Leipzig am Wochenende gleich im Vorlaufeinen Fehlstart.

Zweibrücken. Dem Starter kommt seit Beginn des Jahres in der Leichtathletik noch eine größere Bedeutung zu. Bis zum vergangenen Wochenende hatte Hürdensprinter Jens Werrmann keine Probleme mit der verschärften Fehlstart-Regel. Bis der 24-Jährige beim Meeting in Leipzig im Vorlauf über die neue Regel stolperte.

Seit dem 1. Januar wird schon der erste Fehlstart in einem Lauf mit einer Disqualifikation bestraft. Diese neue Regelung ist im August bei der WM in Berlin vom internationalen Verband IAAF verfügt worden. Doch allen Befürchtungen zum Trotz haben die Hallen-Meetings in Karlsruhe, Düsseldorf oder Stuttgart gezeigt, dass die Zahl der Fehlstarts deutlich zurückgegangen ist, da die Läufer um ihre Prämien fürchten.

Karl-Heinz Werle
Karl-Heinz Werle

Als Verfechter der neuen Regel gilt Karl-Heinz Werle (Foto: voj), der erfahrene Sprint- und Hürdentrainer: „Es geht ehrlicher zu als vorher.“ Das macht der 64-Jährige daran fest, dass bisher einige Läufer bewusst einen erlaubten Fehlstart in Kauf genommen hatten, um beim zweiten Anlauf eventuell einen unliebsamen Konkurrenten herauszukegeln. „Nach der neuen Regel sind die bisherigen Zocker schon draußen, und deshalb werden diese Spielchen unterlassen.“ So habe es bei den Hallen-Meetings in Karlsruhe und Stuttgart, die er selbst verfolgte, keinen beziehungsweise weniger Fehlstarts gegeben.

„Leipzig war ein Ausrutscher.“

Karl-Heinz Werle,
Sprint-Trainer

Für Jens Werrmann sieht er in der „Null-Toleranz-Regel“ keine Probleme. „Seine Reaktionszeiten sind gut. Ausrutscher, wie in Leipzig werden immer wieder vorkommen.“ Dennoch ist der 24-jährige Bundespolizist mit seinen bisherigen Starts zufrieden, da er jeweils neue Bestzeiten aufstellte oder in deren Nähe kam.

Bisher hatte der EM-Sechste von Göteborg 2006 7,79 Sekunden für die 60-Meter-Distanz zu Buche stehen. Doch in Karlsruhe steigerte er sich auf Anhieb nach 7,77 Sekunden im Vorlauf auf 7,75 als Fünfter im Finale. Auch in Stuttgart und in Leipzig, wo er für das B-Finale gesetzt wurde, blieb er mit zwei 7,78-Läufen unter seiner alten Bestmarke.

Um sich an die neue Startregel zu gewöhnen, hat der gebürtige Waldgrehweiler „kein spezielles Training“ vorgeschaltet. Im Grunde genommen hat sich für Werrmann nichts Wesentliches geändert: „Der Verursacher des zweiten Fehlstarts wurde schon immer disqualifiziert. Nunmehr verhält man sich beim ersten Start so wie in der Vergangenheit beim zweiten.“

Gezielt bereitet er sich derzeit in Leipzig mit den übrigen Kollegen der Nationalmannschaft vor, bevor er bei den Deutschen Hallenmeisterschaften am Wochenende 27./28. Februar in Karlsruhe starten wird.

Mit dieser neuen Regel unterscheiden sich der Sprinter und Hürdenläufer eindeutig von den übrigen Leichtathleten. Ein Hochspringer oder Stabhochspringer, der einmal die Latte reißt, erhält eine zweite und eine dritte Chance. Dies gilt auch für die Diskuswerfer und Kugelstoßer nach einem ungültigen Versuch. Die Sprinter wurden dagegen an die kurze Leine genommen.

LAZ-Hürdenläufer Jens Werrmann
Jens Werrmann (Archivfoto) bereitet sich nicht gezielt auf die neue Startregel vor. Foto: pma