Schanghai. Speerwurf-Weltmeisterin Christina Obergföll hat sich 21 Monate nach ihrem WM-Gold von Moskau und ein knappes Jahr nach der Geburt von Söhnchen Marlon im Wettkampf-Zirkus zurückgemeldet – der Weg zu alter Form ist aber noch weit: Bei ihrem Comeback musste sich die 33-Jährige beim Diamond-League-Meeting in Schanghai mit Rang sechs und soliden 62,08 m begnügen.

Die deutsche Rekordhalterin (70,03 m) übertraf die WM-Norm um 58 Zentimeter, für den Saisonhöhepunkt in Peking (22. bis 30. August) war Obergföll als Titelverteidigerin ohnehin automatisch qualifiziert. Das „Duell der Mütter“ entschied Obergföll in Schanghai für sich: Ex-Weltmeisterin Marija Abakumowa (Russland), die ebenfalls im Vorjahr eine Babypause eingelegt hatte, landete mit 60,66 m nur auf Platz acht. Den Sieg sicherte sich die Chinesin Lu Huihui (64,08 m).

Kugelstoß-Europameisterin Christina Schwanitz startete derweil stark in die WM-Saison. Die 29-Jährige vom LV Thum kratzte an der 20-Meter-Marke und belegte mit 19,94 m Platz zwei. Den Sieg sicherte sich die chinesische Olympiadritte Gong Lijiao mit der Jahresweltbestleistung von 20,23 m. „Platz zwei ist okay für mich“, sagte Schwanitz: „Ich bin sehr froh, nach meiner Knie-OP im September wieder zurück zu sein. Das Gefühl ist jetzt besser, ich freue mich schon auf die WM.“

Die deutsche Stabhochsprung-Rekordlerin Silke Spiegelburg (Leverkusen) feierte nach längerer Verletzungspause ein mäßiges Comeback. Die 29-Jährige kam nicht über 4,38 m und Platz sechs hinaus. Spiegelburg (Bestleistung 4,82 m), die sich vergangenen Sommer einen Haarriss am Kahnbein zugezogen hatte, scheiterte dreimal an 4,48 m. Ihre Vereinskollegin Katharina Bauer belegte beim Sieg der Griechin Nikoleta Kiriakopoulou (4,73/Jahresweltbestleistung) mit 4,28 m Platz neun.

Die deutsche Dreisprung-Meisterin Kristin Gierisch (Chemnitz) kam auf Platz vier und verpasste mit 14,15 m die WM-Norm (14,25). Ihren 23. Sieg in Serie sicherte sich Weltmeisterin Catherine Ibargüen (Kolumbien/14,85 m). Katars Hochsprung-Star Mutaz Essa Barshim gewann das erste Kräftemessen der Saison mit seinem großen Kontrahenten Bogdan Bondarenko aus der Ukraine klar. Der HallenWeltmeister siegte mit der Jahresweltbestleistung von 2,38 m, FreiluftWeltmeister Bondarenko kam als Zweiter nicht über 2,32 m hinaus. Ein Angriff auf den Weltrekord (2,45) fiel in Schanghai aus, nach der Siegeshöhe beendete Barshim den Wettkampf. „Es ist zu früh in der Saison, um höher zu springen“, sagte er.

Im Diskuswerfen kam der polnische Vizeweltmeister Piotr Malachowski bei seinem Sieg mit 64,65 m nicht annähernd an die Jahresweltbestweite von Christoph Harting heran. Der kleine Bruder von Malachowskis Erzrivale Robert Harting hatte sich am Samstag in Halle auf 67,93 m gesteigert. Über 100 m kassierten die jamaikanischen Olympiasiegerinnen Veronica Campbell-Brown (11,22) und Shelly-Ann Fraser-Pryce (11,25) als Vierte und Fünfte empfindliche Niederlagen. Den Sieg sicherte sich souverän die nigerianische Weitsprung-Vizeweltmeisterin Blessing Okagbare (10,98).