Zweibrücken. Als Zuschauer muss Till Wöschler die Deutschen Leichtathletik-Meisterschaften am Wochenende in Wattenscheid und die Olympischen Spiele in London verfolgen. Beim 21-jährigen Speerwerfer des LAZ Zweibrücken war bei einem Meeting in Ostrava eine Ellenbogenverletzung wieder aufgebrochen, die das Saison-Aus bedeutete. Merkur-Redakteur Werner Kipper unterhielt sich mit dem U 23-Europameister.

Till Wöschler in der Kraftkammer
Wenn die Ellenbogenverletzung vollständig auskuriert ist, folgt für Till Wöschler die Aufbauarbeit in der Kraftkammer. An Speerwerfen ist für den U 23-Europameister erst wieder im Frühjahr 2013 zu denken. Foto: pma/Jörg Jacobi

Seit rund 14 Tagen wissen Sie, dass für Sie die Saison nach der schweren Ellenbogenverletzung bereits beendet ist, ehe Sie richtig begonnen hat. Wie haben Sie die niederschmetternde Diagnose der Ärzte verarbeitet?

Till Wöschler: Es war schon ein Nackenschlag der mich in Ostrava und schließlich nach der Diagnose der Computer-Tomografie (MRT) zwei Tage später. Ich hatte einige Tage damit zu kämpfen. Aber jetzt habe ich die Sache so hingenommen, wie sie ist, und versuche nach vorne zu schauen!

War Ihnen bereits in Ostrava klar, welche Folgen die Verletzung nach sich ziehen würde oder hatten Sie noch gehofft?

Wöschler: Mir war es relativ klar. Mein Körpergefühl täuscht mich äußerst selten, und ich fühlte die gleichen Beschwerden wie vor rund einem Jahr. Trotzdem hofft man natürlich und wünscht sich, dass das MRT nur eine Zerrung aufzeigt. Dem war leider nicht so.

Viele trösten Sie mit Ihrem Alter, dass Sie Ihre sportliche Zukunft noch vor sich haben. Sind das für Sie nur Lippenbekenntnisse oder steckt dahinter wahre Anteilnahme?

Wöschler: Ich glaube den Leuten, dass es ihnen leidtut. Mir tut es auch leid. Aber ich weiß auch, dass „meine Olympischen Spiele“, bei denen ich richtig erfolgreich sein kann, erst 2016 in Rio de Janeiro in Brasilien oder 2020 kommen werden.

Sie betonten bereits im vergangenen Jahr nach Ihrer Verletzung, dass Sie keine psychologische Betreuung brauchen, dass Ihre Familie Ihr ganzer Halt ist. Trifft das auch im Wiederholungsfall zu?

Wöschler: Ja. Meine Familie, Freunde und auch der Verein SV 64 Zweibrücken hilft mir, mich abzulenken. An Pfingsten das Zeltlager des SV 64 unmittelbar nach der Verletzung zu verbringen, war die absolut richtige Entscheidung um mich auf andere Gedanken zu bringen. Meiner Psyche versetzt diese Verletzung keinen Knacks.

Wie haben Ihre Vereinskollegen, der Vorstand reagiert? Haben sich auch Bundestrainer Boris Henry oder Konkurrenten bei Ihnen gemeldet?

Wöschler: Sicherlich. Ich habe viele aufmunternde Anrufe, SMS und Nachrichten bekommen von Leuten aus der ganzen Welt. Andere Athleten, Bundestrainer Boris Henry, Jürgen Schult und auch das LAZ Zweibrücken haben die erneute Verletzung sehr bedauert.

Drei Jahre verletzungsfrei und mit der Bestleistung von 84,38 Meter in die Weltspitze vorgestoßen. Kommen Sie nach der erneuten schwerwiegenden Verletzung ins Grübeln oder blicken Sie nach vorne?

Wöschler: Nein, ich blicke absolut nach vorne. Ich hatte trotz des Seuchenwinters 2011/12 eine gute Form, der vielleicht ein wenig der Feinschliff gefehlt hat, um schon zu Beginn der Saison große Weiten zu erreichen. Ich denke mit einer fokussierten Vorbereitung auf 2013 bin ich nächstes Jahr wieder mitten drin.

Die Absage der WM in Daegu haben Sie noch locker weggesteckt. Hinterlässt die Olympia-Absage bei Ihnen tiefere Spuren?

Wöschler: Nein. Es ist natürlich vermeintlich noch schlimmer als die WM, da Olympia nur alle vier Jahre stattfindet. Aber ich werde mich damit nicht länger beschäftigen als einst mit der Absage der WM 2011.

Eine Ellenbogenverletzung ist auf diesem Niveau, auf dem Sie sich bewegen, nichts Außergewöhnliches. Können Sie dies in künftigen Wettkämpfen gänzlich ausblenden oder braucht das seine Zeit?

Wöschler: Das braucht seine Zeit. Aber die habe ich ja jetzt. Bis zum nächsten Mai werde ich mir die Zeit nehmen, um das wegzustecken. Ich denke, diese Zeitspanne wird mir locker reichen!

Sie habe sehr vernünftig reagiert, haben die Nummer, doch noch alles auf eine Karte zu setzen, verworfen. Haben Ihnen die Ärzte Ihren Entschluss erleichtert?

Wöschler: Nein! Sie haben mich voll bestätigt. Aber ich hätte so oder so auf meinen Körper gehört. Erst dann hätte ich versucht, zu werfen, wenn ich das Gefühl gehabt hätte, es besteht eine realistische Chance auf Olympia ohne erneutes Verletzungsrisiko.

Acht Monate Verletzungspause nach der Verletzung 2011. Nun sind Sie wieder auf unbestimmte Zeit außer Gefecht gesetzt. Wie geht ein Leistungssportler mit einer solchen Situation um?

Wöschler: Es bleibt einem nur letztlich übrig, die Verletzung ordentlich auszukurieren. Nach dem Arztmarathon und Physiomarathon werde ich wieder gezielt angreifen.

Haben Sie mittlerweile einen Entschluss gefasst, ob Sie in Donaustauf beim renommierten Physiotherapeuten Klaus Eder Ihre Verletzung oder vor Ort therapieren lassen?

Wöschler: Nein. Die Entscheidung ist noch nicht definitiv gefallen. Dazu ist der Zeitpunkt noch zu noch zu früh.

14 Tage gänzlich Ruhe für den lädierten Wurfarm. Wie halten Sie Ihren übrigen Körper fit?

Wöschler: Im Moment ist es mir relativ wurscht, ob ich topfit bin oder ein paar Kilo mehr wiege als in der vergangenen Saison. Seit der Verletzung habe ich versucht, abzuschalten und etwas Abstand zu gewinnen. Das ist mir bisher ganz gut gelungen.

Werden Sie die Olympiade vor dem Fernseher verfolgen, oder auf der Tribüne Ihren Vereinskollegen die Daumen drücken?

Wöschler: Ich werde mir das Ganze ziemlich sicher daheim vor dem Fernseher anschauen.

Wer sind für Sie die Favoriten bei der Deutschen Meisterschaft?

Wöschler: Favorit ist sicher Matthias de Zordo vom SV Schlau.com Saar 05. Allerdings ist er nicht gerade in Topform und hat auch de Olympianorm von 82,00 Meter noch nicht geworfen. Deshalb gebe ich mal einen verwegenen Tipp ab. Ich sage, dass der 21-jährige Thomas Röhler vom LC Jena, mein Zimmerkollege bei den vergangenen drei internationalen Wettkämpfen, das Ding macht, nachdem er bereits die Norm für Helsinki mit 81,73 Metern erreicht hat.

Zugehörige Wettkämpfe

Datum Name Ort
25.07.–12.08.2012 Olympische Sommerspiele 2012 London (England)
05.–21.08.2016 Olympische Sommerspiele 2016 Rio de Janeiro (Brasilien)