Shelly-Ann Fraser-Pryce ist ein kleiner schneller Paradiesvogel: Die 28 Jahre alte Jamaikanerin mit den langen grasgrünen Haaren hat nach 2009 und 2013 ihren dritten WM-Sieg über 100 Meter gefeiert. Wie aus dem Nichts lief die Niederländerin Dafne Schippers als Zweite aufs Treppchen. Außerdem gingen gestern zwei Titel auf der Laufbahn nach Kenia, der Dreisprungtitel ging nach Kolumbien.

Man muss lange zurückblättern, bis man die letzte hellhäutige Sprinterin auf einem WM-Podium findet. Das war Katerina Thanou, die Griechin, die in Paris vor zwölf Jahren Bronze gewann, im Jahr darauf bei Olympia in Athen auf dem Motorrad vor Dopingjägern flüchtete und dann doch erwischt wurde. Dafne Schippers (23) aus den Niederlanden ist nun auch auf dem Treppchen angekommen, muss aber alle Dopingkontrollen erst noch überstehen.

Gerne sind Hautunreinheiten wie die bei Schippers Hinweise auf ein unsolides Sportlerleben, und ihre Leistungssteigerung ist es eigentlich auch. Von 10,92 auf 10,81 – das ist erstaunlich, ebenso, wie locker sie die Amerikanerin Tori Bowie hinter sich ließ und wie ernsthaft sie die Jamaikanerin gefährdete. Da blieb Shelly-Ann Fraser-Pryce in ihrer Not nur der Hinweis, dass Er es so wollte. „Es war der Plan Gottes, dass ich heute gewann“, meinte sie. Sie hatte schon 2008 den Olympiasieg aus dem Vogelnest davongetragen.

Mit 28 Siegen in Folge war die 31 Jahre alte Kolumbianerin Caterine Ibargüen nach Peking gekommen. Ihre letzte Niederlage hatte sie in London 2012 erlitten, wo sie Silber holte. Gestern ließ sie nicht nur die Dreisprung-Olympiasiegerin Olga Rybakowa (14,77 m) hinter sich, sondern auch die Israelin Hanna Knyazyeva-Minenko (14,78 m), deren Land nur deshalb zur allerersten WM-Medaille kam, weil die gebürtige 25 Jahre alte Ukrainerin nach ihrer Hochzeit mit Anatoli Minenko im Juni 2013 die israelische Staatsbürgerschaft annahm.

Ibargüen siegte mit ihrer Saisonbestleistung von 14,90 Meter im vierten Versuch und feierte ihren Sieg ausgelassen. „Ich hatte alles auf diesen Sieg ausgerichtet. Ich bin jetzt solange ungeschlagen, und es macht mich extrem glücklich, Kolumbien diesen Sieg beschert zu haben. Ich liebe den Dreisprung“, sagte sie. Kristin Gierisch (25) aus Zwickau kam auf Platz acht mit 14,25 Meter und hat es endlich bis in die Weltspitze geschafft. „Momentan hat dieser Platz für mich noch nicht so den Stellenwert, da muss ich erst einmal eine Nacht drüber schlafen. Mit der Weite kann ich nicht so gut leben, aber ich bin froh, dass ich endlich vom Brett abgesprungen bin“, sagte Gierisch.

Die beiden Amerikanerinnen Emily Infeld und Molly Huddle auf den Plätzen drei und vier waren die Überraschung über 10.000 Meter. Das Finale der 25 Läuferinnen gewann eine Favoritin: Vivian Cheruiyot, die 2009 und 2011 Weltmeisterin über 5000 Meter wurde, dann einen Sohn im Oktober 2013 gebar und jetzt wieder da ist mit ihrem harten Schlussspurt. In 31:41,31 Minuten besiegte sie nach einem „Bummelrennen“ die Äthiopierin Gelete Burka um 46 Hundertstelsekunden. Burka war bis Peking die Jahresschnellste über die 25 Runden.

The same procedure as every year: vier Kenianer über die 3000 Meter Hindernis vorne – wie immer. Sie sind unschlagbar, und sie machen sich einen Spaß daraus, immer einen aus dem Quartette quasi vom Podium zu stoßen. Dieses Mal traf es mit Jairus Birech (23) ausgerechnet den Jahresbesten. Aber gegen Ezekiel Kemboi, den 33 Jahre alten Titelträger seit 2009 sowie Olympiasieger 2004 und 2012, den Herrscher über die Hindernisse, war wieder einmal kein Kraut gewachsen. Wie der auf den letzten 50 Metern den Turbo zündete und dann kurz vor dem Ziel langsamer machte, um den Sieg auszukosten, war schon sehenswert. „Es war echt ein schnelles Rennen, die Zuschauer haben uns regelrecht gepuscht, danke an Peking“, sagte der Kenianer, der sich sein Rennen so clever einteilte. Auf den Plätzen zwei Landsleute namens Kipruto – Conseslus und Brimin. Verwandt miteinander sind sie aber nicht.

Der Finger zeigt’s an: Shelly-Ann Fraser-Pryce (rechts) ist die Schnellste über 100 Meter. Neben ihr die Überraschungszweite Dafne Schippers.
Der Finger zeigt’s an: Shelly-Ann Fraser-Pryce (rechts) ist die Schnellste über 100 Meter. Neben ihr die Überraschungszweite Dafne Schippers. (Foto: Kunz)
Gold für Kolumbien: Dreispringerin Caterine Ibargüen.
Gold für Kolumbien: Dreispringerin Caterine Ibargüen. (Foto: Kunz)
Zündete den Turbo: der Kenianer Ezekiel Kemboi.
Zündete den Turbo: der Kenianer Ezekiel Kemboi. (Foto: Kunz)

Zugehörige Wettkämpfe

Datum Name Ort
22.–30.08.2015 Weltmeisterschaften 2015 Peking (China)