Mainz. Die Sportlerinnen und Sportler aus der Pfalz haben gestern Abend im Landesfunkhaus des SWR in Mainz ganz schön abgeräumt: Para-Speerwerfer Mathias Mester und Bahnradsportlerin Miriam Welte vom 1. FC Kaiserslautern haben die Landessportlerwahl 2018 gewonnen. Mannschaft des Jahres sind die Gehörlosen-Tennisspieler Urs Breitenberger und Hans Tödter aus Neuwied.

Irgendwie schade, dass Mathias Mester (32) seine Ankündigung dann doch nicht wahr machte. Von wegen nackt durchs Studio rennen und so, wenn er die Wahl gewänne. Das sagte er mal. Aber der Wahlsieg vor Pascal Ackermann kam dann doch richtig überraschend für ihn.

„Jetzt habe ich noch nicht meine Freundin gefragt“, gestand der 1,425 Meter große „Europamester“, wie er sich seit seinen 37,57 Metern und dem kontinentalen Titelgewinn in Berlin nennt. Er sei ja ein „Social biest“, sagte Moderator Christian Döring, der gestern nach seiner 500. Sendung die Flutlicht-Moderation aus den Händen gab, und so brachte Mester Döring auch ganz kurz aus der Fassung und dann zum Lachen, als er sagte: „Die Nachricht habe ich schon geschickt“. Hintergrund: Döring verbot vor der ab 18 Uhr aufgezeichneten Sendung allen Studiogästen, das Ergebnis vor 22 Uhr zu posten. „Wer’s tut, muss zur Strafe 30 Mal ins Flutlicht“, sagte der Moderator, der nach der Sendung gebührend verabschiedet wurde.

Mester bekannte: „Der Titel bedeutet mir sehr viel. Dass ich gewinne, hätte ich nicht gedacht“. Er ist der erste Athlet mit einem Handicap, der diese Wahl gewann. Mit seinen Postings lebe er die Inklusion ganz offensiv, sagte er, lobte stolz Rheinland-Pfalz als das Vorzeige-Bundesland. „Hier wird kein Unterschied gemacht zwischen Breitensport, Behindertensport und Leistungssport“, sagte Mester, der in Esslingen lebt, von Markus Reichle trainiert wird und gestern vom FCK-Trainer Wolfgang Hoffmann nach Mainz begleitet wurde. Die Landessportlerin grüßte per Videobotschaft, in der im Hintergrund der Tafelberg zu sehen war. „Hallo nach Deutschland. Liebe Grüße aus Kapstadt aus meinem Trainingslager, ich wünsche euch einen schönen Abend, viel Spaß“, verbreitete Miriam Welte, wie Mester 32, mit ihrem Lachen beste Stimmung. Sie hat ein „Wahnsinnsjahr“ hinter sich, „mein emotionalstes Jahr überhaupt mit den zwei grandiosen WM-Titeln und dann dem schlimmsten Negativerlebnis, dem schweren Sturz von Kristina Vogel“.

Schade war, dass viele der Nominierten nicht anwesend sein konnten, weil sie im Trainingslager weilten, wie Pascal Ackermann oder Gesa Krause, oder schwer erkrankt sind wie Team-Gewinner Hans Tödter oder eben Pech hatten wie Denis Kudla, der in Schifferstadt wohnende Olympiadritte im Ringen, der etwas zu spät zum SWR kam und dem niemand den Weg ins Studio wies. Die Trostanrede regelte LSB-Präsident Lutz Thieme persönlich, der traurige Denis war besänftigt. Schade auch, dass die Ergebnisse der Platzierten in der Sendung nicht bekanntgegeben wurden.

Immerhin eine war da und das frohgelaunt, und sie rückte auch ins Rampenlicht: die drittplatzierte Christin Hussong, Europameisterin im Speerwerfen. Ihr Vater Udo Hussong wurde gestern als „Trainer des Jahres“ ausgezeichnet. Der 55 Jahre alte Bauzeichner aus Herschberg, der den Trainerjob auf Honorarbasis bewältigt, hat sich diesen Preis redlich verdient. Ein unermüdlicher Schaffer mit einem Zwölf-Stunden-Tag im Job und Nebenjob („Mein Arbeitstag ist straff organisiert“), ein Perfektionist, ein Tüftler, ein Autodidakt, der sich mit Bücher lesen weiter bildet oder eben auch bei Trainingsmaßnahmen.

Und noch ein Titel ging in die Pfalz, ans Heinrich-Heine-Gymnasium und den RSC Ludwigshafen und wie bei Miriam Welte in die Trainingsgruppe von Frank Ziegler: Neben Zehnkämpfer Manuel Wagner (19) vom USC Mainz gewann die Bahnradsportlerin Alessa-Catriona Pröpster den Nachwuchs-Förderpreis. Am Morgen war sie noch mit drei Siegen bei einem Internationalen Meeting in Apeldoorn gestartet, am Abend schlug sich die 17-jährige Junioren-Weltmeisterin im Teamsprint glänzend. Sowohl Ziegler wie Welte lobten die Schwäbin, die sich in der Pfalz wohl fühlt, für ihre ganz klaren Vorstellungen. „Für mich kamen all diese Erfolge in 2018 so unerwartet, und jetzt noch der Nachwuchs-Förderpreis, das ist schon toll“, sagte Pröpster.

Zur Sache: Ergebnisse der Landessportlerwahl

Sportlerinnen

  • 1. Miriam Welte (Bahnradsport) 23,61
  • 2. Gesa Krause (Leichtathletik) 21,66
  • 3. Christin Hussong (Leichtathletik) 19,25
  • 4. JacquelineLölling(Skeleton) 18,13
  • 5. Ricarda Funk (Kanuslalom) 17,34

Sportler

  • 1. Mathias Mester (Para-Speerwerfen) 24,70
  • 2. Pascal Ackermann (Radsport) 21,00
  • 3. Jason Osborne (Rudern) 19,91
  • 4. Denis Kudla (Ringen) 18,52
  • 5. Richard Schmidt (Rudern) 16,87

Mannschaften

  • 1. GSV Neuwied (Gehörlosen-Tennis) 22,70
  • 2. Lotto-Kern-Haus (Rad) 22,05
  • 3. TG Nieder-Ingelheim (Aerobicturnen) 19,26
  • 4. AV 03 Speyer (Gewichtheben) 18,75
  • 5. TTG Bingen-Münster-Sarmsheim (Tischtennis) 17,24

Kommentar: Fair bleiben

Die Landessportlerwahl 2018 hat wieder mal ein Zeichen gesetzt: Zwei von drei Kategorien gewannen Athleten mit Handicaps.

Eine spannende Wahl, überraschende Ergebnisse, eine würdige Siegerehrung gestern Abend in „Flutlicht“: Die Landessportlerwahl 2018 geht in die Annalen ein. Weil sich Miriam Welte erneut und zum fünften Mal durchsetzte, und zwar gegen zwei Leichtathletik-Europameisterinnen. Weil auch der Sieg bei den Sportlern an den 1. FC Kaiserslautern ging – an Mathias Mester, der im Jahr davor schon Zweiter war. Weil aber vor allem in zwei von drei Kategorien Sportler mit Handicaps gewannen.

Das ist etwas Besonderes, vielleicht sogar etwas Außergewöhnliches. Es ist einfach ein Zeichen. Dazu muss man wissen, dass gerade das Land Rheinland-Pfalz und der Landessportbund große Lobbyisten des Behindertensports sind. Seit Jahren und aus der Überzeugung heraus, dass Menschen mit Behinderung gleichberechtigt mit anderen sind.

Schön, dass die Wähler bei dieser Entscheidung da mitmachten. Man muss in dieses Ergebnis nicht mehr hineininterpretieren als das, was schwarz auf weiß dasteht. Man muss auch nicht hinterfragen, ob die Art und Weise der Online-Abstimmung die richtige ist. Was wäre denn besser?

Klar steht die Frage im Raum, weshalb es die Speyerer Gewichtheber nicht weiter nach vorne bringen oder weshalb der beständigste Ruderer der letzten Jahre, das AchterCrew-Mitglieder Richard Schmidt, Fünfter wird. Alles in allem bleibt: Jeder sollte das Ergebnis sportlich nehmen. Sportlich und fair.